Bundesschatzbriefe

Bundeswertpapiere

Bundesschatzbriefe sind festverzinsliche Wertpapiere, die seit 1969 von der Bundesrepublik Deutschland (Emittent) im Rahmen ihrer Kreditaufnahme als Daueremission ausgegeben. Es handelt sich dabei um Schuldverschreibungen des Bundes. Die Verwaltung übernimmt dabei seit dem 01.08.2006 die Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH (früher „staatliche Bundeswertpapier-Verwaltung„).

Die Bundesschatzbriefe haben zwar eine WKN (Wertpapierkennnummer) und eine ISIN (International Securities Identification Number), können aber nicht an der Börse gehandelt werden, womit auch das Kursrisiko wie beispielsweise bei Bundesanleihen oder Bundesobligationen wegfällt. Charakteristisch für die Bundesschatzbriefe ist der progressiv steigende Zinssatz mit der Laufzeit. Hierbei handelt es sich durch die festverzinsliche Anlagenform um eine ähnliche Form der Geldanlage wie beim Festgeld. Einen Zweitmarkt für diese Wertpapiere gibt es nicht, es ist also nur möglich, diese direkt (oder über die eigene Bank) von der Bundesrepublick Deutschland Finanzagentur GmbH zu erwerben.

Berechtigter Personenkreis für Bundesschatzbriefe

Während Wertpapiere grundsätzlich jedem „willigen“ Anleger zur Verfügung stehen, auch Unternehmen etc. ist die Ausgabe der Bundesschatzbriefe beschränkt. Erwerben können diese nur natürliche Personen, sowie Einrichtungen und Vereine die gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Zwecken dienen.

Bundesschatzbriefe kaufen

Bundesschatzbriefe werden nicht an der Börse gehandelt. Diese können stattdessen über die eigene Bank oder Sparkasse oder direkt über die Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH bezogen werden. Der Mindestanlagenbetrag beträgt 50 EUR (bei Kauf über die eigene Bank oder Sparkasse) und 52 EUR beim Direkterwerb über die Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur. Die Stückelung liegt dabei bei 0,01 EUR je Wertpapier.

Wertpapierdepot und Schuldbuchkonto

Beim Kauf über die eigene Bank oder Sparkasse genügt ein herkömmliches Wertpapierdepot. Entscheidet man sich für den Direkterwerb über die BRD Finanzagentur, muss zunächst ein „Schuldbuchkonto“ bei der Finanzagentur eingerichtet werden. Dieses Schuldbuchkonto ähnelt dem Wertpapierdepot einer Bank oder Sparkasse. Wurde ein solches Schuldbuchkonto eingerichtet, erfolgt der Wertpapierhandel mit Bundeswertpapieren kostenlos und ist per Überweisung oder Lastschrift (auch Onlinebanking) möglich.

Kosten für Erwerb und Verwaltung von Bundesschatzbriefen

Der Kauf und die Verwaltung von Bundesschatzbriefen sind grundsätzlich gebühren- und spesenfrei, sofern die Bundesschatzbriefe über die Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH erworben und im Schuldbuchkonto verwaltet werden.

Werden die festverzinslichen Wertpapiere des Bundes über die eigene Bank oder Sparkasse erworben, entstehen hierfür zunächst grundsätzlich keine Gebühren für den reinen Ankauf. In der Regel erheben aber Banken Depotgebühren für die weitere Verwaltung des Wertpapierdepots.

Verzinsung von Bundesschatzbriefen

Bundesschatzbriefe sind festverzinsliche Wertpapiere, was bedeutet, dass die Zinsen für den vereinbarten Zeitraum festgeschrieben sind. Die Verzinsung selbst richtet sich dabei nach dem Typ des Bundesschatzbriefes (Typ A und Typ B). Dabei ist dem Anleger freigestellt, für welchen Typ er sich entscheidet. Mit jeder neuen Ausgabe ändern sich die Zinsen für die Bundesschatzbriefe, je nach Marktlage und Kreditbedarf der Bundesrepublik Deutschland. Hat man eine Augabe von Bundesschatzbriefen im Depot, sind die Zinsen dieser Ausgabe für die gesamte Laufzeit festgeschrieben.

Wie bereits oben angedeutet, steigt der Zinssatz progressiv mit der Laufzeit (Zinstreppe), was den Anleger animieren soll, möglichst die volle Laufzeit auszuschöpfen. Die höchsten Zinsen erhält der Anleger, unabhängig vom Typ der Bundesschatzbriefe, am Ende der Zinstreppe.

Aktuelle Konditionen: Bundesschatzbriefe Konditionen

Bundesschatzbrief Typ A

Die Laufzeit des Bundesschatzbriefes Typ A beträgt 6 Jahre. Die Zinsen werden dabei jedes Jahr nachträglich ausgezahlt, erstmalig nach einem Jahr.

Beispiel für Bundesschatzbrief Typ A

Als Beispiel für die Verzinsung der Bundesschatzbriefe Typ A dient die Ausgabe 2010/11 (WKN 111868; ISIN: DE0001118685) mit Zinslauf vom 01.07.2010 bis zur Fälligkeit am 01.07.2016. Anlagenbetrag beispielhaft: 10.000 EUR.

Laufzeitjahr Anlagenbetrag Zinssatz Zinsen Rendite
1. (07/2010 – 06/2011) 10.000 EUR 0,25 % 25 EUR 0,25 %
2. (07/2011 – 06/2012) 10.000 EUR 0,75 % 75 EUR 0,50 %
3. (07/2012 – 06/2013) 10.000 EUR 1,25 % 125 EUR 0,75 %
4. (07/2013 – 06/2014) 10.000 EUR 2,00 % 200 EUR 1,05 %
5. (07/2014 – 06/2015) 10.000 EUR 3,00 % 300 EUR 1,43 %
6. (07/2015 – 06/2016) 10.000 EUR 3,50 % 350 EUR 1,76 %

Bundesschatzbrief Typ B

Beim Bundesschatzbrief Typ B beträgt die Anlagendauer 7 Jahre, wobei im Vergleich zu Typ A die Zinsen nicht jedes Jahr ausgezahlt sondern dem Depot gutgeschrieben und weiterhin mit verzinst werden (thesaurierende Geldanlage). Die Gesamtauszahlung der Zinsen erfolgt zusammen mit dem Nennwert am Laufzeitende und ergibt den Rückzahlungswert. So wird der zu Beginn angelegte Betrag durch die weiter angelegten Zinsen erhöht und der Anleger erhöht mit dem Zinseszinseffekt seine Rendite.

Beispiel für Bundesschatzbrief Typ B

Als Beispiel für die Verzinsung des Bundesschatzbriefes Typ B dient die Ausgabe 2010/12 (WKN 111869; ISIN: DE0001118693) mit Zinslauf vom 01.07.2010 bis zur Fälligkeit am 01.07.2017. Anlagenbetrag beispielhaft: 10.000 EUR.

Laufzeitjahr Anlagenbetrag Zinssatz Zinsen Rendite
1. (07/2010 – 06/2011) 10.000 EUR 0,25 % 25 EUR 0,25 %
2. (07/2011 – 06/2012) 10.025 EUR 0,75 % 75,18 EUR 0,50 %
3. (07/2012 – 06/2013) 10.100,18 EUR 1,25 % 126,25 EUR 0,75 %
4. (07/2013 – 06/2014) 10.226,43 EUR 2,00 % 204,52 EUR 1,06 %
5. (07/2014 – 06/2015) 10.430,95 EUR 3,00 % 312,92 EUR 1,45 %
6. (07/2015 – 06/2016) 10.743,87 EUR 3,50 % 376,03 EUR 1,77 %
7. (07/2016 – 06/2017) 11.119,90 EUR 3,50 % 389,19 EUR 2,03 %

Bundesschatzbrief Rechner

Die Rückzahlungswerte je 100 EUR können dabei der veröffentlichten Tabelle der Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH entnommen werden. Alternativ kann auch der Schatzbriefrechner verwendet werden, der zum Download (Java oder Excel) für die Bundesschatzbriefe Typ A und Typ B bereitgestellt wird. Dieser bietet die Möglichkeit, vorab die die Rückzahlungswerte zu ermitteln.

(vorzeitiger) Verkauf von Bundesschatzbriefen

Die höchste Rendite erhält man bei Bundesschatzbriefen erst mit langfristiger Geldanlage, was aber nicht bedeutet, dass die festverzinslichen Wertpapiere auch bis zum Ende der Laufzeit gehalten werden müssen. Nach Ablauf eines Jahres ab Ausgabedatum (nicht Erwerbsdatum) können bis zu 5.000 EUR Nennwert innerhalb von 30 Zinstagen täglich (nur) an den Emittenten (die Bundesrepublik Deutschland) zurückgegeben werden, ein vorzeitiger Verkauf ist aber nicht möglich, da es für Bundesschatzbriefe keinen Zweitmarkt gibt.

Verzinsung bei vorzeitiger Rückgabe

Bei vorzeitiger Rückgabe erhält der Anleger beim Bundesschatzbrief Typ A die Stückzinsen zum Zinssatz des laufenden Jahres. Bei den Bundesschatzbriefen Typ B  richtet sich der Rückzahlungswert nach den in der Tabelle veröffentlichten Rückzahlungswerten (je 100 EUR).

Vordruck für Verkauf oder vorzeitige Rückgabe

Für die vorzeitige Rückgabe oder den Verkauf der Bundeswertpapiere kann der Vordruck der Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH genutzt werden, allerdings nur, wenn ein Schuldbuchkonto besteht. Andernfalls muss der Verkauf oder die vorzeitige Rückgabe über die eigene Bank oder Sparkasse abgewickelt werden.

Vorzeitige Rückgabe empfehlenswert?

Zwar ist die höchste Rendite erst am Ende der Laufzeit zu erwarten, dennoch kann eine vorzeitige Rückgabe manchmal empfehlenswert sein, nämlich dann, wenn bei den Bundesschatzbriefen durch eine Neuausgabe höhere Zinsen winken. Dabei ist aber darauf zu achten, dass bei jeder neuen Ausgabe im Wertpapierdepot oder dem Schuldbuchkonto die Laufzeit vom Neuen beginnt. Je nachdem ob Typ A oder Typ B die sechs- oder siebenjährige Laufzeit. Erst am Ende ist wieder mit höheren Renditen zu rechnen.

Übertrag auf Dritte

Ein Übertrag der Bundesschatzbriefe an Dritte ist jederzeit möglich. Dies kann entweder durch die eigene Bank oder Sparkasse oder das Bundesschuldbuch erfolgen.

Vor- und Nachteile von Bundesschatzbriefen

Der größte Vorteil bei Bundesschatzbriefen liegt darin, dass die Geldanlage bereits mit kleinen Beträgen erfolgen kann. Darüber hinaus kann bereits nach einem Jahr über Teilbeträge (5.000 EUR innerhalb von 30 Zinstagen) verfügt werden. Fraglich ist jedoch, ob die Rendite, die zwar sicher aber kurzfristig sehr gering ausfällt, mit anderen Geldanlagen konkurrieren kann. In den obigen Beispielen wird eine Rendite nach einem Jahr von 0,25 % erwirtschaftet, eine höhere erst progressiv mit andauernder Laufzeit. Betrachtet man gegenwärtig die Marktlage im Bereich von Tagesgeld und Festgeld, sind die Zinsen bei kurzfristiger Anlage in Bundesschatzbriefe nicht konkurrenzfähig.

Festgeldkonten und Tagesgeldkonten sind ebenfalls sichere Geldanlagen und bieten im Vergleich zu dieser Anlagenform deutlich höherer Renditen, wobei bei der Festgeldanlage die Laufzeit fest ist, so dass vor Ablauf nicht über den angelegten Betrag verfügt werden kann.

Möglicherweise könnte aber bei Bundesschatzbriefen des Typs B der steuerliche Aspekt einen Anreiz bieten. Da die laufenden Zinsen jedes Jahr dem Depot gutgeschrieben und erst am Laufzeitende ausgezahlt werden, werden auch erst nach Ablauf die Steuern auf die Zinserträge fällig. Je nach persönlichem Steuersatz zum Auslauftermin (sofern unter dem Abgeltungssteuersatz von 25%), lassen sich hier Vorteile erwirtschaften.

Wertpapierdepot Vergleich:

Foto: © Finanzagentur des Bundes

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