Inflationsindexierte Bundesobligationen und Bundesanleihen

Bundeswertpapiere

Bundesobligationen und Bundesanleihen sind Wertpapiere des Bundes, die an der Börse gehandelt werden. Die Zinsen, die man auf den Nennwert dieser Bundeswertpapiere erhält, sind im Allgemeinen fest und damit über die gesamte Laufzeit des jeweiligen Wertpapiers berechenbar. Nachteil der über mehrere Jahre festen Zinsen: Die Inflation sorgt dafür, dass der Kaufwert der ausgezahlten Zinsbeträge im Lauf der Zeit sinkt. Ein Zinsertrag von beispielsweise 25 Euro ist 2021 voraussichtlich weniger attraktiv als 2011, da sich voraussichtlich weniger mit dem Geld kaufen lässt. Inflationsindexierte Bundesobligationen und Bundesanleihen (auch Realzinsanleihen, inflationsgeschützte Anleihen oder „Inflation-Linker“ genannt) sorgen hier für einen Ausgleich, indem sich sowohl der Nennwert als auch der Zinsertrag der Wertpapiere der Inflation anpassen.

Wichtige Größe bei den inflationsindexierten Bundesobligationen und Bundesanleihen ist die sogenannte Index-Verhältniszahl. Mit ihr wird etwa der Nennwert der Bundeswertpapiere multipliziert, um einen inflationsbedingten Wertverlust des investierten Geldes auszugleichen. Die Index-Verhältniszahl hat Einfluss auf die auszuzahlende Summe nach Ablauf des Wertpapiers und auf die Zinszahlungen.

Inflationsindexierte Bundesanleihen haben eine Laufzeit von beispielsweise zehn Jahren, inflationsindexierte Bundesobligationen laufen fünf Jahre lang.

Berechtigter Personenkreis

Neu emittierte inflationsindexierte Bundesobligationen und Bundesanleihen werden zunächst in einem so genannten Tenderverfahren an Mitglieder der „Bietergruppe Bundesemissionen“ vergeben. Zu dieser Gruppe gehören Kreditinstitute und spezielle Unternehmen für den Wertpapierhandel. Beim Bieterverfahren beträgt das Mindestgebot eine Million Euro. Privatanleger können sich hierbei nicht beteiligen. Sie haben allerdings die Chance, inflationsindexierte Bundeswertpapiere danach über die Deutsche Finanzagentur des Bundes oder über private Finanzinstitute an der Börse zu kaufen. Dabei gibt es weder einen Mindest- noch einen Anlagehöchstbetrag.

Inflationsindexierte Bundesobligationen und Bundesanleihen kaufen

Inflationsindexierte Bundeswertpapiere werden mit einem festgelegten Nennwert und festgelegtem Zinssatz ausgegeben: In unserem hier gewählten Beispiel möchte der Anleger etwa inflationsindexierte Bundesobligationen mit einem Nennwert von insgesamt 5.000 Euro kaufen. Der Kaufpreis an der Börse ist dabei von folgenden Faktoren abhängig:

  • Kurswert des Bundeswertpapiers in Prozent,
  • Index-Verhältniszahl
  • Stückzinsen

Schlüsseln wir das einmal für unser konkretes Beispiel mit folgenden Konditionen auf:

  • Nennwert: 5.000 Euro
  • Kurswert: 101%
  • Zinssatz: 2,5%

Kurswert

Der Börsenkurs des Bundeswertpapiers wird in Prozent angegeben. Ein Börsenkurs von einhundert Prozent entspricht exakt dem Nennwert des Wertpapiers. Ein Nennwert einer Bundesobligation von 5.000 Euro entspricht daher bei einem Börsenkurs von einhundert Prozent genau einem Kurswert von ebenfalls 5.000 Euro. Liegt der Kurswert beispielsweise bei 99 Prozent, so ergäbe sich der Kaufpreis von 4.950 Euro (5000 x 99%). Stiege der Börsenkurs auf 101 Prozent, so ergäben sich 5.050 Euro (5000 x 101%).

Index-Verhältniszahl

Um den Kaufpreis eines inflationsindexierten Bundeswertpapiers zu berechnen, wird die Index-Verhältniszahl in die Multiplikation integriert. In unserem aktuellen Beispiel mit einem Nennwert von 5.000 Euro und einem Kurswert von 99 Prozent, ergäbe sich die Formel 5.000 x 99% x Index-Verhältniszahl. Grundlage, um die Index-Verhältniszahl zu berechnen, ist der vom Statistischen Amt der Europäischen Gemeinschaften monatlich herausgegebene unrevidierte Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI). Der HVPI misst die durchschnittliche preisliche Veränderung innerhalb der untersuchten Staaten. Für die Index-Verhältniszahl teilt man den aktuellen HVPI-Indexwert am Tag des Kaufs durch den HVPI vom Zinslaufbeginn (Beginn der Laufzeit des Wertpapiers). Ein Beispiel:

  • Zum Zinslaufbeginn betrug der HVPI-Indexwert bspw. 105,80, während er am Kauftag den Wert von 108,47 besitzt.
  • Für die Index-Verhältniszahl ergibt sich dann der Wert von 108,47 / 105,80 = 1,0252.

Errechnet man daraus nun den aktuellen Kaufpreis eines inflationsindexierten Bundeswertpapiers, so ergibt sich in unserem Beispiel als Zwischenwert:

(5000 x 101%) x 1,0252 = 5177,26 Euro.

Stückzinsen

Zu diesem Wert müssen noch die Stückzinsen addiert werden. Mit ihnen bezahlt der Käufer dem Verkäufer die seit der letzten Zinszahlung aufgelaufenen Zinsen bis zum Zeitpunkt, an dem er sein Wertpapier verkauft. Er bekommt also die Zinsen, die ihm noch zustehen, die er aber bisher noch nicht erhalten hat. Um sie zu errechnen, benötigt man den Nennwert der Bundeswertpapiere, die Index-Verhältniszahl sowie den Zinssatz. Die Werte werden miteinander multipliziert. In unserem Beispiel sind das die Werte 5.000, 1,0252 und 2,5%. Daraus ergibt sich ein Zwischenwert von:

5000 x 2,5% x 1,0252 = 128,15 Euro

Zusätzlich benötigt man die Anzahl der Tage, die seit der letzten Zinszahlung bereits vergangen sind, und die Anzahl der Tage, die insgesamt zwischen zwei Zinszahlungsterminen liegen. Nehmen wir an, seit der letzten Zinszahlung sind bereits 184 Tage vergangen. Die Zinsen werden jährlich ausgezahlt, sodass zwischen zwei Terminen 365 Tage liegen. Dann ergibt sich ein Wert von 184 / 365 = 0,5041, der in unsere obige Rechnung noch als Faktor einbezogen wird:

5000 x 2,5% x 1,0252 x 0,5041 = 64,60 Euro. 

Für unser Beispielwertpapier mit einem Nennwert von 5.000 Euro muss der Anleger unter den genannten Bedingungen letztlich also insgesamt zahlen:

(5000 x 101% x 1,0252) + 64,60 Euro = 5177,26 Euro + 64,60 Euro = 5241,86 Euro.

Rendite von Inflationsindexierten Bundesobligationen und Bundesanleihen

Verdienen kann man bei Inflationsindexierten Bundesobligationen und Bundesanleihen auf zwei verschiedene Weise:

  • Man kauft die Bundeswertpapiere und hält sie bis zu ihrem Ablauf.
  • Man kauft die inflationsindexierten Bundeswertpapiere und verkauft sie vor dem Ablauf wieder mit Gewinn an der Börse.

Die Rendite ist in beiden Fällen stark von der Entwicklung der Inflation abhängig. Der festgelegte Zinssatz bei den inflationsindexierten Bundesobligationen und Bundesanleihen ist vergleichsweise niedrig. Richtig attraktiv wird die Rendite daher erst bei einer relativ hohen Inflation. Wer die inflationsindexierten Bundeswertpapiere bis zum Ende hält, kann auf jeden Fall darauf bauen, dass der am Ende zurückgezahlte Betrag selbst bei einer Deflation nicht unter den Nennwert rutscht.

Renditebeispiel: Wir nehmen als Beispiel ein inflationsindexiertes Bundeswertpapier mit einem Nennwert von 5.000 Euro und einem Zinssatz von 1,5%. Die Laufzeit des Bundeswertpapiers beträgt im Beispielfall zehn Jahre und der Anleger hält sein Bundeswertpapier über die volle Laufzeit.

  • Würde die Inflation nicht berücksichtigt, so würde der Anleger in den zehn Jahren einmal im Jahr 1,5 Prozent Zinsen auf 5.000 Euro bekommen. Das wäre dann jeweils eine Summe von 75 Euro.
  • Beim inflationsindexierten Bundeswertpapier kommt allerdings noch die Index-Verhältniszahl ins Spiel. Jedes Jahr zum Tag der Zinszahlung wird die aktuell gültige Verhältniszahl in die Zinsberechnung einbezogen. Bei einer Index-Verhältniszahl von 1,01628 ergäben sich dann beispielsweise: 5.000 Euro * 1,5 Prozent x 1,01628 =  76,221 Euro.

Nehmen wir jetzt ein Beispiel der Finanzagentur zur Renditeberechnung eines inflationsindexierten Bundeswertpapiers mit 10.000 Euro Nennwert und 1,5 Prozent Zinsen. Die Zinszahlung erfolgt jeweils am 15. April eines Jahres, Start des Bundeswertpapiers ist der 15. März 2006.

Zinszahlungen

Zinszahlungstermin Zinstage Indexverhältniszahl Zinsen
15.03.2006 0 1,00000
15.04.2007 396 1,01628 165,39 €
15.04.2008 366 1,03153 154,73 €
15.04.2009 365 1,04700 157,05 €
15.04.2010 365 1,06271 159,41 €
15.04.2011 365 1,07865 161,80 €
15.04.2012 366 1,09483 164,22 €
15.04.2013 365 1,11125 166,69 €
15.04.2014 365 1,12792 169,19 €
15.04.2015 365 1,14484 171,73 €
15.04.2016 366 1,16201 174,30 €

Bei allen Zinszahlungsterminen, nach denen 365 Tage seit dem letzten Zahlungstermin vergangen sind, gilt die bereits bekannte Formel, die für das Jahr 2009 im oben genannten Beispiel lautet: 10.000 (Nennwert) x 1,5% (Zinssatz) x 1,04700 (Index-Verhältniszahl) = 157,05 Euro an Zinsen. Vergehen zwischen zwei Zinszahlungsterminen allerdings mehr als 365 Tage, so muss man die tatsächliche Zahl der Zinstage durch 365 teilen und das Ergebnis in die Formel einbeziehen. Für 2007 mit 396 Zinstagen ergäbe sich dann die Formel:

  • (Zinstage/365) x (Nennwert) x (Zinssatz) x (Index-Verhältniszahl) = Zinsbetrag
  • 396/365 x (10.000 Euro x 1,5 Prozent) x 1,01628 = 165,39 Euro

Auszahlungsbetrag

Zum Ende der Laufzeit des inflationsindexierten Bundeswertpapiers wird nicht nur der Zinsbetrag mit Hilfe der Index-Verhältniszahl berechnet, sondern auch der Auszahlungsbetrag: Am 15. April 2016 erhält der Anleger daher im Beispiel nicht nur die Zinsen in Höhe von 174,30€, sondern auch den Nennwert seines Bundeswertpapiers multipliziert mit der aktuellen Index-Verhältniszahl. In unserem Beispiel macht das dann 10.000 Euro x 1,16201 = 11.620,09 Euro

Gesamtrendite

Im Lauf der zehn Jahre bekommt ein Anleger, der das Bundeswertpapier über die gesamte Laufzeit hält, also insgesamt 1.644,51€ Zinsen und einen Auszahlungsbetrag von 11.620,09€. Dem Nennwert des Wertpapiers von 10.000€ stehen also (1.644,51€ + 11.620,09€) 13264,60€ an wieder ausgezahlten Beträgen gegenüber. Solche sicheren Renditeberechnungen funktionieren aber letztlich nur für die Vergangenheit mit Gewissheit. Für die Zukunft weiß niemand genau, wie sich die Inflation und damit die Index-Verhältniszahl entwickelt. Das bleibt daher die unberechenbare Komponente der inflationsindexierten Bundeswertpapiere.

Vor- und Nachteile von Inflationsindexierten Bundesobligationen und Bundesanleihen

Den Schutz vor Inflation bezahlt man bei inflationsindexierten Bundesobligationen und Bundesanleihen generell mit einem niedrigeren Zinssatz im Vergleich zu anderen Bundeswertpapieren. Ihren Vorteil spielen die inflationsindexierten Bundeswertpapiere daher nur aus, wenn die Inflation während ihrer Laufzeit relativ hoch ist. Ist das nicht der Fall, sind andere Bundeswertpapiere meistens die bessere Wahl.

Wertpapierdepot Vergleich:

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