Erwerbsunfähigkeits- oder Berufsunfähigkeitsversicherung?

1822direkt

Der berufliche Lebensweg eines Arbeitnehmers ist mit vielen unvorhersehbaren Risiken gepflastert. Um sich vor derartigen Risiken zu schützen, bieten Versicherungsgesellschaften für Arbeitnehmer Berufsunfähigkeits- und Erwerbslosenversicherungen an. Für die meisten Leute haben die Begriffe Erwerbsunfähigkeit und Berufsunfähigkeit auf den ersten Blick die gleiche Bedeutung. Damit unterliegen sie jedoch einem folgenschweren Irrtum. Doch wo liegt der Unterschied zwischen diesen beiden Versicherungen? Welchen Vorrausetzungen müssen erfüllt sein, damit die Versicherungen greifen?

Erwerbsunfähigkeitsversicherung als Basisschutz

Als erwerbsunfähig werden Personen bezeichnet, die aufgrund einer schweren Krankheit oder eines Unfalls überhaupt nicht mehr in der Lage sind, irgendeine berufliche Tätigkeit regelmäßig auszuüben. Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung dient demnach zur Absicherung zum Schutz des Versicherten gegen einen kompletten Ausfall seiner Arbeitskraft. Dafür muss der Versicherte durch ein ärztliches Gutachten seine Erwerbsunfähigkeit nachweisen können. Nur wenn der Arzt dem Versicherungsnehmer eine Erwerbsunfähigkeit von 100% attestiert, erhält der Versicherungsnehmer Leistungen aus seiner Erwerbsunfähigkeitsversicherung. Die Versicherung zahlt demnach nur im schlimmst möglichen Fall. Die Höhe des früheren Einkommens und der zuvor ausgeübte Beruf spielen bei der Erwerbsunfähigkeitsversicherung keine Rolle. Je nach Gestaltung des Versicherungsvertrages wird im Falle der Erwerbsunfähigkeit entweder eine einmalige Zahlung oder eine monatliche Rente an den Versicherungsnehmer gezahlt.

Berufsunfähigkeitsversicherung zur Absicherung

Einen weitaus umfangreichen Schutz als die Erwerbsunfähigkeitsversicherung bietet dem Versicherungsnehmer die Berufsunfähigkeitsversicherung. Die Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt nämlich bereits, sobald der Versicherungsnehmer zu mindestens 50% außerstande ist, in seinem zuletzt aus¬geübten Beruf weiterzuarbeiten¬. Dies könnte z.B. bei einem Lagerarbeiter mit einem Rückenleiden oder einer Friseurin mit einer Allergie gegen Haarfärbemittel der Fall sein. Anders als die Erwerbsunfähigkeitsversicherung verlangt die Berufsunfähigkeitsversicherung also keinen Berufswechsel vom Versicherungsnehmer. Allerdings sollte der Versicherungsnehmer beim Vertragsabschluss auf eine Klausel zur abstrakten Verweisung achten. Wenn diese Klausel im Versicherungsvertrag enthalten ist, kann der Versicherungsgeber die Leistung ablehnen, falls der Versicherungsnehmer auf einen anderen Beruf verwiesen werden kann, der seiner Ausbildung oder der bisherigen Berufserfahrung weitgehend entspricht. Bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung müssen als Gegenleistung für die erweiterte Absicherung deutliche höhere monatliche Beiträge entrichtet werden als bei einer Erwerbsunfähigkeitsversicherung.

Welche Versicherung abschließen?

Grundsätzlich gilt, dass die Berufsunfähigkeitsversicherung aufgrund der wesentlich umfassenderen Absicherung für die Versicherten erste Wahl sein sollte. Einige Personen haben jedoch Schwierigkeiten bei dem Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Wenn man dennoch nicht auf einen Invaliditätsschutz verzichten möchte, bietet sich die Erwerbsunfähigkeitsversicherung als kostengünstige Alternative an. So können Auszubildende und Studenten eine mögliche Berufsunfähigkeit schwer nachweisen, da sie mit ihrem eigentlichen Berufsweg noch gar nicht begonnen haben. Auch bei Hausfrauen ist der Nachweis einer Berufsunfähigkeit nur schwer möglich. Ferner können Selbstständige die Leistungsverpflichtungen einer Berufsunfähigkeitsrente oft nur schwer durchsetzen.

Auch Personen, die einen besonders risikoreichen Beruf ausüben, haben wenig Aussicht, eine preisgünstige Berufsunfähigkeitsversicherung zu erhalten. Das gleiche Problem haben chronisch Kranke und älteren Personen mit schweren Vorerkrankungen. Bei diesen Personengruppen verteuern Risikozuschläge die monatlichen Beiträge einer Berufsunfähigkeitsfähigkeit sehr deutlich. Wenn die monatlichen Beiträge dadurch zu hoch werden, kann es ebenfalls sinnvoll sein, auf eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung auszuweichen.