Geschlossene Fonds

begrenztes Fondsvolumen

Das Grundprinzip ist bei offenen und geschlossenen Investmentfonds erst einmal ähnlich. Beide Arten von Fonds sammeln Geld bei Anlegern ein, um sie möglichst mit Gewinn zu investieren. Dann allerdings beginnen bereits die teils erheblichen Unterschiede. Anders als offene Investmentfonds müssen geschlossene Investmentfonds nicht dem Prinzip der Risikostreuung folgen und können auch in ein einziges Anlageobjekt investieren: beispielsweise in ein Schiff oder in ein Flugzeug. Auch der Status der Anleger ist ein anderer als bei offenen Investmentfonds. Durch ihre Beteiligung werden sie quasi zu Mitunternehmern bei der Anlagegesellschaft.

Anlageobjekte bei geschlossenen Fonds

Eine Flugzeug-Leasinggesellschaft plant den Kauf eines neuen Flugzeugs, beispielsweise eines Airbus A 319-112. Sie möchte oder kann das Flugzeug allerdings nicht alleine finanzieren. Aus diesem Grund etabliert die Gesellschaft einen geschlossenen Flugzeugfonds. Mit einer Fonds-Broschüre wirbt sie für ihr Projekt, indem sie beipielsweise darstellt,

  • wie gut sich die Passagierförderung weltweit entwickelt hat,
  • wie häufig der Airbus als Flugzeug eingesetzt wird,
  • welche Rendite zu erwarten ist.

So gewinnt die Gesellschaft im besten Fall Investoren, die Anteile am Flugzeugfonds erwerben und sich damit an der Investition in das Flugzeug beteiligt. Der Fonds darf nicht vom Anlageobjekt abweichen, das er seinen Anleger präsentiert hat. Ein Flugzeugfonds darf etwa nicht plötzlich eine Immobilie kaufen und unser beispielhafter Flugzeugfonds, der Gelder für den Kauf eines Airbus A 319-112 gesammelt hat, darf auch nicht plötzlich in eine Boeing oder in einen anderen Airbus investieren.

Oftmals nimmt der Fonds neben dem eingesammelten Geld zusätzlich Fremdkapital (Kredite) auf und bekommt so das Kapital zusammen, um den Kauf zu tätigen. Der Anleger profitiert durch seine Investition beispielsweise, wenn das vom Geld gekaufte Flugzeug anschließend an eine Fluggesellschaft verleast und nach einer Reihe von Jahren im Dienst verkauft wird. Ähnlich verläuft die Sache bei anderen geschlossenen Fonds wie etwa geschlossenen Immobilienfonds, Schiffsfonds, Waldfonds, Fonds, die Gelder in Anlagen für regenerative Energien investieren, und weitere Arten geschlossener Investmentfonds.

Letztlich soll mit allen Investitionen ein Gewinn erwirtschaftet werden, der auch den Anlegern zugute kommt: Wald bringt etwa Holz oder Pacht, die den Anlegern zugute kommt. Windkraftwerke erzeugen Energie, die auf dem Markt veräußert wird. Ziel eines geschlossenen Investmentfonds ist es also immer, dass das Anlageobjekt oder die Anlageobjekte mehr Erträge einbringen, als zuvor in sie investiert wurde.

Blind-Pool-Fonds

Eine Besonderheit sind so genannte Blind-Pool-Fonds. Bei ihnen ist nicht von Anfang an klar, in welches Anlageobjekt der geschlossene Fonds investiert. So muss ein als Blind-Pool-Fonds konzipierter geschlossener Immobilienfonds zwar in Immobilien investieren. Allerdings weiß der Anleger nicht vorab, welche Immobilie das sein wird. Blind-Pool-Fonds erhöhen daher das Risiko des Anlegers.

Risiken geschlossener Fonds

Natürlich kann es bei geschlossenen Fonds passieren, dass das jeweilige Anlageobjekt nicht die erwartete Rendite abwirft. Im Büroturm, den der geschlossene Immobilienfonds mitfinanziert hat, ist vielleicht nicht einmal die Hälfte der angebotenen Bürofläche vermietet. Oder die Fluggesellschaft, an die das Flugzeug eines Flugzeugfonds verleast wurde, beklagt sinkende Passagierzahlen. All das schmälert höchstwahrscheinlich die Erträge, die mit dem jeweiligen Anlageobjekt erzielt werden. Auch der Anleger eines geschlossenen Fonds hat in solchen Fällen Verluste zu beklagen.

Offene und geschlossene Fonds: Natürlich bergen auch offene Fonds, etwa offene Immobilienfonds, ein Verlustrisiko. Allerdings sind offene Immobilienfonds laut Investmentgesetz dazu verpflichtet, dem Prinzip der Risikomischung (auch: Risikostreuung) zu folgen. Das bedeutet:

  • Ein offener Immobilienfonds darf nicht nur in eine einzige Immobilie investieren.
  • Zugleich muss er auch darauf achten, dass der Wert einer einzelnen Immobilie, in die investiert wird, im Verhältnis zum gesamten Vermögen des Fonds nicht zu groß ist. Ist das Fondsvermögen etwa 500 Millionen Euro groß, darf eine einzelne Immobilie nicht 150 Millionen Euro wert sein.
  • Dadurch wird gewährleistet, dass ein möglicher Wertverlust bei einer Immobilie sich nicht zu sehr auf den Wert des gesamten Fondsvermögens auswirkt.

Bei geschlossenen Fonds ist das anders. Wenn etwa ein geschlossener Immobilienfonds in eine einzige Immobilie investiert, hängt die Entwicklung des gesamten Fondsvermögens auch von dieser einen Immobilie ab. Ähnlich verhält es sich mit dem Schiffsfonds, der in ein Schiff investiert, oder mit einem Waldfonds oder einem anderen geschlossenen Fonds. Bestenfalls entwickelt sich das Anlageobjekt sehr gut, das Schiff des Schiffsfonds ist auf den Weltmeeren unterwegs und verdient dabei Geld für den Fonds. Im ungünstigen Fall bleibt das Schiff oftmals im Hafen, transportiert gar nichts und verdient auch nichts. Letztlich ist für den Anleger beim geschlossenen Fonds auch ein Totalverlust des eingesetzten Geldes möglich. Also: Vorsicht bei der Auswahl!

Geschlossene Fonds prüfen – der Verkaufsprospekt

Wer einen geschlossenen Fonds initiiert, muss dafür einen Verkaufsprospekt erstellen. Dazu verpflichtet ist er durch das „Wertpapier-Verkaufsprospektgesetz“. Laut Paragraf 8g „Prospektinhalt“ muss dieser Prospekt etwa enthalten:

  • die erforderlichen Angaben zu den Personen oder Gesellschaften, die für den Inhalt des Verkaufsprospekts insgesamt oder für bestimmte Angaben die Verantwortung übernehmen,
  • die Beschreibung der angebotenen Vermögensanlagen und ihre Hauptmerkmale sowie die verfolgten Anlageziele der Vermögensanlage einschließlich der finanziellen Ziele und der Anlagepolitik,
  • die erforderlichen Angaben über die Gesellschaft…,
  • die erforderlichen Angaben zu dem Emittenten der Vermögensanlage, zu seinem Kapital und seiner Geschäftstätigkeit, seiner Vermögens-, Finanz- und Ertragslage, einschließlich des Jahresabschlusses und des Lageberichts,
  • die erforderlichen Angaben zu den Geschäftsaussichten des Emittenten und über seine Geschäftsführungs- und Aufsichtsorgane.

Niemand sollte Geld in einen geschlossenen Fonds investieren, ohne den Verkaufsprospekt intensiv gelesen zu haben. Und niemand sollte vorbehaltlos glauben, was in solch einem Verkaufsprospekt etwa über die Geschäftsaussichten steht. Letztlich soll der Verkaufsprospekt das tun, was sein Name bereits andeutet: Er soll verkaufen. Das bedeutet: Er soll einem potenziellen Anleger eine Investition in den geschlossenen Fonds schmackhaft machen. Dabei darf er nicht von der Wahrheit abweichen, falsche Zahlen oder andere Falschangaben verwenden. Dennoch ist es gut, sich auch anderweitig zu informieren:

  • Wer etwa erwägt, sich über einen Schiffsfonds an einem Containerschiff zu beteiligen, sollte im Internet, in Zeitungen, eventuell im TV aktuelle Nachrichten zum Containerfracht-Geschäft auf See einholen.
  • Er sollte sich eventuell ansehen, wer hinter dem Fonds steckt und schauen, ob er Informationen über die Initiatoren des Fonds findet.

Letztlich sollte ein Anleger bei geschlossenen Fonds immer so agieren, als würde er darüber nachdenken, das jeweilige Anlageobjekt alleine für ein eigenes Unternehmen erwerben. Dann fragt man sich auch: Lohnt sich die Anschaffung? Wie hoch ist das Risiko? Wenn die Skepsis zu groß wird, sollte man die Finger vom geschlossenen Fonds lassen.

Das Verhältnis zwischen Anleger und Fonds

Der Verkaufsprospekt eines geschlossenen Fonds verrät einem potenziellen Anleger noch andere wichtige Dinge, etwa, wie man sich am geschlossenen Fonds eigentlich beteiligt. Der geschlossene Fonds ist im Prinzip als Unternehmen konzipiert und als Anleger wird man quasi Mitunternehmer. Daher ist beispielsweise auch wichtig, welche Unternehmensform der Fonds denn gewählt hat.

  • Geschlossene Investmentfonds werden oftmals als Kommanditgesellschaft gegründet. Kommanditgesellschaften kennen zwei Arten von Gesellschaftern: Komplementäre (Vollhafter) und Kommanditisten (Teilhafter). Komplementäre haften mit ihrem gesamten Vermögen für das Unternehmen, während Kommanditisten nur mit ihrer Einlage ins Unternehmen haftbar gemacht werden können. Anleger bei geschlossenen Fonds sind dann als Kommanditisten beteiligt.
  • Mittlerweile eher selten sind als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) konzipierte geschlossene Fonds. Potenzielle Anleger, die auf seinen solchen Fonds stoßen, sollten ganz besonders aufpassen: Als Mitunternehmer einer GbR haftet man nämlich nicht alleine mit seinem angelegten Geld, sondern im Extremfall auch mit seinem Privatvermögen.

Anleger sollten im Verkaufsprospekt auch einen Blick darauf werfen, ob eventuell eine so genannte Nachschusspflicht besteht. Falls ja, müssen sie bei zusätzlichem Finanzbedarf des Fonds eventuell Geld nachschießen, was zu vorab unkalkulierbaren Kosten führen kann. Kehren wir aber nochmals kurz zurück zum geschlossenen Fonds als Kommanditgesellschaft. Bisweilen ist die Beteiligung der Anleger so konzipiert, dass nicht jeder Anleger zum Kommanditisten wird. Die Rolle des Kommanditisten übernimmt stattdessen eine Treuhändergesellschaft. Treuhänder sind Unternehmen, Organisationen oder Einzelpersonen, die für den Treugeber (in diesem Fall: den Anleger) Rechte verwalten: für den Anleger also die Rechte, die sich aus der Beteiligung am geschlossenen Fonds ergeben. Anleger und Treuhändergesellschaft vereinbaren dafür einen Treuhändervertrag.

Kleines erstes Fazit zu geschlossenen Fonds

Letztlich sind geschlossene Fonds weniger rechtlich reguliert als offene, die in Deutschland etwa dem Investmentgesetz unterliegen. Das bedeutet: Vieles, was etwa Rechte und Pflichten der Anleger angeht, ist Vereinbarungssache zwischen Fonds und Anleger. Sich grundlegend zu informieren, welcher Vereinbarung man da eigentlich mit einer Beteiligung am Fonds zustimmt, ist bei geschlossenen Fonds daher doppelt wichtig.

Wie kauft man geschlossene Fonds?

Ein geschlossener Fonds, der in ein bestimmtes Anlageobjekt investieren möchte, benötigt in der Regel eine ganz bestimmte Summe, um seine Pläne zu verwirklichen. Nehmen wir an, ein Flugzeugfonds möchte in einen Airbus investieren und möchte ein Fondsvolumen von 25 Millionen Euro einsammeln. Im Allgemeinen verlangen geschlossene Fonds eine Mindestanlage vom Anleger, die laut „Verband Geschlossene Fonds“ meistens zwischen 5.000 und 25.000 Euro liegt. Für Kleinstanlagen eignen sich geschlossene Fonds daher nicht.

Anders als offene Fonds geben die geschlossenen Varianten in der Regel nur solange Anteile aus, bis die für den kauf des Anlageobjekts erforderliche Summe eingesammelt wurde. Danach ist der Fonds quasi zu. Das bedeutet: Es werden keine neuen Anteile mehr ausgegeben. Ein nachträglicher Kauf ist nur dann möglich, wenn ein Anteilseigner an einem geschlossenen Fonds seine Anteile verkaufen möchte. Solche Geschäfte sind über den so genannten Zweitmarkt realisierbar, der beispielsweise an der Börse Hamburg existiert. Hier treffen Anbieter von Anteilen geschlossener Fonds, die selbst keine Anteile mehr ausgeben, auf Nachfrager. Mittlerweile können solche Geschäfte auch im Internet eingefädelt werden.

Solange der Fonds selbst noch ausgibt, kauft man in der Regel nicht über den Zweitmarkt. Möglich ist der Kauf dann etwa über:

  • freie Fondsvermittler, die sich etwa im Internet präsentieren,
  • die Hausbank.

Kostenfragen

Wichtig sind natürlich die Kosten beim Fondskauf, da sie neben der Wertentwicklung des Anlageobjekts hauptverantwortlich für die Rendite sind:

  • Beim Kauf geschlossener Fonds kann etwa wie beim Kauf offener Fonds ein Ausgabeaufschlag anfallen. Beträgt der Ausgabeaufschlag (Agio) beispielsweise 5 Prozent, so muss der Anleger 10.500€ (105% von 10.000€) für eine Beteiligung in Höhe von 10.000€ investieren.
  • So genannte weiche Kosten werden vom Fondsvermögen abgezogen. Der Anleger zahlt sie also nicht direkt sichtbar wie beim Ausgabeaufschlag, sondern indirekt. Zu diesen Kosten können beispielsweise Kosten für aufgenommene Kredite zum Kauf des Anlageobjekts gehören, Kosten durch eine Treuhändergesellschaft, Kosten für die Fondsverwaltung, eventuell für Rechtsberatung, durch Steuern und weitere Kosten. Bisweilen verzichten geschlossene Fonds auf den Ausgabeaufschlag, lassen dadurch aber die Höhe der weichen Kosten steigen.

Die so genannten weichen Kosten erreichen durchschnittlich eine Höhe von zehn bis fünfzehn Prozent. Das bedeutet:

  • Nehmen wir an, ein Anleger investiert 50.000 Euro in einen geschlossenen Fonds, dessen weiche Kosten bei zehn Prozent liegen.
  • Dann werden nur 45.000 Euro seines Geldes [50.000 Euro – (10% von 50.000 Euro)] tatsächlich in das Anlageobjekt investiert.

Anleger sollten sich vor der Entscheidung für eine Investition in einen geschlossenen Fonds über die Höhe der weichen Kosten informieren. Sie müssen im Verkaufsprospekt des Fonds aufgeführt werden.

Rückgabe und Rendite

Anleger geschlossener Fonds können die von ihnen erworbenen Fondsanteile nicht einfach an die Fondsgesellschaft zurückgeben, um ihr investiertes Geld wieder für den alltäglichen Gebrauch zur Verfügung zu haben. In der Regel bindet der Anleger geschlossener Fonds sein Geld für einige Jahre, bisweilen für Jahrzehnte. Eine Chance, aus seinem Anteil am geschlossenen Fonds sofort wieder verfügbares Geld zu machen, hat er nur über den bereits erwähnten Zweitmarkt. Hier kann er seine Anteile am Fonds unter Umständen verkaufen, falls sich ein passender Käufer findet.

Rendite: Renditeprognosen für geschlossene Fonds findet man in jedem Verkaufsprospekt eines Fonds. Allerdings sollte einem bewusst sein, dass es sich tatsächlich um eine Prognose handelt und dass niemand exakt vorhersehen kann, wie ein geschlossener Fonds sich in der Zukunft entwickelt. Die Rendite wird jährlich ausbezahlt oder sie erhöht bei so genannten thesaurierenden geschlossenen Fonds das in den Fonds angelegte Vermögen des Anlegers.

Geschlossene Fonds – ein Abschlusswort zur Beruhigung

Das hier Genannte mag ein bisschen so klingen, als sei es das Beste, von Geschlossenen Fonds die Finger zu lassen, weil zu viele Risiken drohen. Tatsächlich sollte man gut überlegen, ob man in einen geschlossenen Fonds investiert und, falls ja, in welchen. Bestenfalls erwirtschaftet der Fonds gute Gewinne und seine Anleger profitieren deutlich. Wer in den richtigen geschlossenen Fonds investiert, macht also ein gutes Geschäft. Aber welcher ist der richtige? Eine Entscheidung sollte nur nach gründlicher Recherche und/oder Beratung getroffen werden; zudem ist es empfehlenswert, nicht sein gesamtes Gespartes in geschlossene Fonds zu investieren.

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