Hedgefonds

Hohe Rendite für risikofreudige Anleger

Hedgefonds gelten als besonders risikoreiche, aber im günstigen Fall auch sehr renditestarke Fonds. Das bedeutet: Man kann viel gewinnen, aber auch viel verlieren. Irgendwie hat fast jeder den Begriff „Hedgefonds“ schon einmal gehört. Fragt man nach, was sich hinter dem Begriff verbirgt, steigt die Zahl der Unwissenden. Beginnen wir also von vorne.

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Der Start der Hedgefonds und Leerverkäufe

Die Geschichte der Hedgefonds beginnt 1949 mit einem von Alfred Winslow Jones initiierten Fonds. Winslow nutzte für seinen Hedgefonds damals eine Strategie, die bis heute eine der wichtigen Anlagestrategien für Hedgefonds ist: Die Rede ist von Leerverkäufen. Bei Leerverkäufen verkauft ein Hedgefonds Aktien, die sich zum Zeitpunkt des Verkaufs noch gar nicht in seinem Besitz befinden. Für das Geschäft kann der Hedgefonds sich Aktien „leihen“. Man spricht dann von einer Wertpapierleihe.

Die „geliehenen“ Aktien werden vom Hedgefonds zum aktuellen Kurs verkauft. Durch das Leihgeschäft verpflicht sich der Fonds, die Aktien zu einem späteren Zeitpunkt zurückzugeben. Ist der Kurs der gekauften Aktie bis zu diesem Zeitpunkt gefallen, ist das ein Gewinngeschäft für den Hedgefonds. Ein vereinfachendes Beispiel:

  • Die Versicherung X verleiht einem Hedgefonds 1.000 Aktien im Wert von fünfzig Euro pro Aktie und bekommt dafür Spesen in Höhe von fünf Prozent des Aktienwerts. Der Hedgefonds zahlt also 50.000€ (1.000 * 50€) und zusätzlich 2.500€ (5% von 50.000€). Bestandteil der Vereinbarung ist die Pflicht des Hedgefonds, die geliehenen Aktien nach drei Monaten zurückzugeben.
  • Der Hedgefonds verkauft die geliehenen Aktien sofort an einen Interessenten zum aktuellen Preis von fünfzig Euro pro Aktie und erhält 50.000€.
  • Nach drei Monaten ist der Kurs der Aktie auf vierzig Euro pro Stück gesunken. Zu diesem Zeitpunkt muss der Hedgefonds die 1.000 Aktien an die Versicherung zurückgeben.  Er kauft sie also für 40.000€ (1.000 x 40€) ein.
  • Der Hedgefonds musste also 40.000€ für den Kauf der Aktien investieren, daneben Spesen in Höhe von 2.500€, was zusammen Kosten von 42.500€ ergibt. Beim Verkauf der Aktien erhielt der Hedgefonds 50.000€, was zu einem Reingewinn von 7.500€ führt.
  • Wäre der Aktienkurs innerhalb der drei Monate auf 60€ gestiegen, hätte der Hedgefonds ein Verlustgeschäft gemacht. Er hätte 50.000€ beim Verkauf erhalten und 63.500€ für den späteren Kauf der Aktien und die Spesen ausgeben.

Leerverkäufe können auch anders funktionieren: als Termingeschäft. In diesem Fall vereinbart der Hedgefonds mit einem Käufer einen Aktienverkauf zum aktuellen Aktienkurs. Wird etwa ein Verkauf von 1.000 Aktien im Wert von jeweils 50€ vereinbart, so hat der Käufer 50.000€ an den Hedgefonds zu zahlen und der Hedgefonds hat 1.000 Aktien zu liefern, allerdings zu einem vereinbarten späteren Zeitpunkt. Deshalb spricht man von Termingeschäft.

Es wird heute vereinbart und beispielsweise erst in einem Monat vollzogen. Für den Hedgefonds bedeutet das: Er muss die für 50.000€ verkauften Aktien erst einen Monat später kaufen, um sie dann zu liefern. Ist der Aktienkurs dann auf 40€ pro Aktie gesunken, hat der Hedgefonds wiederum ein Geschäft gemacht. Das Beispiel der Leerverkäufe zeigt zwei Dinge sehr deutlich:

  • Die Geschäfte von Hedgefonds sind oftmals sehr spekulativ und können ebenso hohe Gewinne wie Verluste bringen.
  • Fonds wie etwa Immobilienfonds oder Aktienfonds investieren in ihre Anlageobjekte mit der Erwartung, dass der Wert der Anlageobjekte steigt. Hedgefonds machen dagegen durchaus auch Geschäfte, bei denen sie auf sinkende Werte von Anlageobjekten hoffen.

Andere Strategien von Hedgefonds

Leerverkäufe sind natürlich nicht die einzigen Strategien, die Hedgefonds verfolgen. Andere Strategien sind:

Relative-Value-Strategie

Die Verkaufs- und Kaufpreise, etwa für Aktien, sind nicht an allen Börsen gleich. Wer Zugriff auf alle Börsen in verschiedensten Teilen der Welt besitzt, kann das ausnutzen. Hedgefonds kaufen dann etwa Aktien an der einen Börse ein, an der der Preis besonders günstig ist, und verkaufen sie zum besten Preis an einer anderen Börse.

Event-Driven-Strategie

Durch mehr oder weniger mit Fakten untermauerte Gerüchte, ein Unternehmen werde von einem anderen übernommen oder zwei Unternehmen würden fusionieren, kommt in der Regel viel Bewegung auf den Markt. Im Allgemeinen gilt etwa bei Übernahmen: Aktien des übernommenen Unternehmens erfahren eine Wertsteigerung, während die Aktien des übernehmenden Unternehmens erst einmal fallen. So etwas zu wissen, lässt sich natürlich ausnutzen. Aber Achtung: In der Finanzwelt gibt es nur sehr wenige goldene Regeln, die niemals gebrochen werden. Der Hedgefonds spekuliert bei einer Event-Driven-Strategie und kann dabei richtig oder falsch liegen.

Global Macro Strategie

Hedgefonds-Manager, die Global Macro Strategien verfolgen, haben die ganze Welt im Blick. Politische Ereignisse, Krisen und Kriege, Veränderungen in bilateralen Handelsbeziehungen – all das hat auch Einfluss auf Rohstoffpreise, Aktienwerte und den Devisenmarkt. Hedgefonds-Manager versuchen aus solchen Ereignissen Schlüsse für die Wertentwicklung von Anlageobjekten wie „Der Ölpreis zieht an, weil…“ oder „Die Aktien indischer Unternehmen steigen im Wert, weil…“ zu ziehen und auf dieser Basis gute Geschäfte zu machen.

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Hedgefonds und das geliehene Geld (Leverage Effekt)

Hedgefonds arbeiten oftmals nicht nur mit ihrem Fondsvermögen, sondern auch mit geliehenem Geld. Dadurch können sich deutlich höhere Gewinne ergeben, als wenn der Hedgefonds nur eigenes Geld einsetzen würde. Hierzu ein Beispiel:

  • Nehmen wir an, ein Hedgefonds setzt selbst 10.000€ aus seinem Fondsvermögen und zusätzlich 40.000€ Fremdkapital für einen Aktienkauf ein.
  • Für das Fremdkapital muss der Fonds fünf Prozent Zinsen zahlen. Bei 40.000€ Kredit macht das 2.000€.
  • Die Aktie kostet 50€ pro Stück. Der Hedgefonds kann also für 50.000€ 1.000 Aktien kaufen.
  • Der Wert der Aktie steigt später auf 60€ pro Stück. Verkauft der Fonds nun die Aktien, so erhält er dafür 60.000€ (1.000 x 60€). Er zahlt den Kredit von 40.000€ und die Zinsen von 2.000€ zurück. Übrig bleiben 18.000€. Zieht man nun noch die Investition aus dem Fondsvermögen von 10.000€ ab, bleiben [Verkaufserlös gesamt (60.000€) – Kosten gesamt (48.000€)] 8.000€ übrig.
  • Hätte der Hedgefonds nur seine eigenen 10.000€ investiert, so hätte er zum Preis von 50€ pro Stück 200 Aktien erhalten. Beim Verkauf dieser Aktien für sechzig Euro pro Stück hätte der Hedgefonds (200 x 60€) 12.000€ bekommen. Zieht man die anfangs investierten 10.000€ ab, so bleibt ein Gewinn von 2.000€.

Durch den Einsatz von Fremdkapital (Kredite) hat der Hedgefonds also ein sehr viel besseres Geschäft gemacht. Diesen Effekt nennt man Leverage Effekt. Die Sache mit dem Fremdkapital geht dann nach hinten los, wenn die Aktie an Wert verliert. Gehen wir beim obigen Beispiel einmal davon aus, dass die gekaufte Aktie zum Verkaufszeitpunkt nur noch 40€ wert ist.

  • Bei 1.000 Aktien, die mit 10.000€ aus dem Fondsvermögen und weiteren 40.000€ Fremdkapital (für 5% Zinsen) gekauft wurden, bekäme der Hedgefonds beim Verkauf (1.000 x 40€) 40.000€. Dem Verkaufserlös stehen die 10.000€ aus dem Fondsvermögen, 40.000€ Kredit und die fünf Prozent Zinsen für den Kredit (2.000€) als Kosten gegenüber. Das ergibt [Gesamterlös (40.000€) – Gesamtkosten (52.000€)] ein Minus von 12.000€.
  • Hätte der Hedgefonds nur seine eigenen 10.000€ investiert und 200 Aktien gekauft, so hätte sich beim späteren Verkauf zu 40€ pro Stück ein Erlös von 8.000€ ergeben. Das würde ein Verlust von „nur“ 2.000€ bedeuten. [Gesamterlös (8.000€) – Gesamtkosten (10.000€)]

Der Einsatz einer hohen Menge an Fremdkapital steigert also die Renditechancen, aber auch die Risiken einer Geldanlage. Das passt gut zu den Strategien von Hedgefonds.

Hedgefonds und andere Hedgefonds

Auch bei den Hedgefonds sind nicht alle Fonds gleich, sie folgen nur ähnlichen Grundprinzipien. Unterschieden werden etwa dynamische von konservativen Hedgefonds.

Konservative Hedgefonds

Konservative Varianten investieren etwas vorsichtiger und versuchen Risiken eher zu streuen als dynamische Hedgefonds. Das bedeutet: Sie werden voraussichtlich mehr in unterschiedliche Anlagestrategien investieren, sodass eventuell Verluste mit der einen Strategie durch Gewinne mit der anderen ausgeglichen werden. Konservative Hedgefonds sind demnach eher für die etwas vorsichtigeren risikobereiten und renditeorientierten Anleger geeignet.

Dynamische Hedgefonds

Dynamische Hedgefonds haben viel mehr möglichst hohe Rendite im Blick und legen weniger Wert auf Sicherheit. Sie sind für sehr risikobereite Anleger geeignet, die bestenfalls sehr hohe Renditen erzielen, im ungünstigen Fall aber auch hohe Verluste in Kauf nehmen müssen.

Hedgefonds mit Garantie

Manch ein Hedgefonds gehört trotz seiner teils riskanten Anlagestrategien zu den so genannten Garantiefonds. Solche Fonds garantieren Anlegern beispielsweise, dass sie in jedem Fall das von ihnen investierte Geld zurückerhalten, selbst dann, wenn der Fonds ein Minus erwirtschaftet.

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Private Placements und Dach-Hedgefonds in Deutschland

Erst seit 2004 ist der Vertrieb so genannter Dach-Hedgefonds in Deutschland möglich. Dach-Hedgefonds sind Dachfonds, die in die Anteile verschiedener einzelner Hedgefonds investieren. Das bedeutet: Der Anleger kauft Anteile des Dach-Hedgefonds und ist damit indirekt an diversen einzelnen Hedgefonds beteiligt. Das reduziert das Risiko des Anlegers, da etwa deutliche Verluste eines Hedgefonds, in den der Dachfonds investiert hat, oftmals durch Gewinne eines anderen Hedgefonds ausgeglichen werden können.

Einzelne Hedgefonds dürfen in Deutschland bis heute nicht öffentlich vertrieben werden. Als deutscher Anleger kann man sich allerdings beispielsweise im Rahmen so genannter Private Placements an einzelnen Hedgefonds beteiligen. Mit Private Placement ist der Handel abseits öffentlicher Handelsplätze wie der Börse gemeint, bei dem Fonds einem eingeschränkten Kreis potenzieller Anteilsnehmer angeboten wird.

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