Indexfonds

Fonds basierend auf einem Aktienindex

Bei klassischen offenen Investmentfonds übernehmen Manager die Auswahl der Anlageobjekte, in die der jeweilige Fonds investiert. Indexfonds sind anders. Sie bilden einen Index wie beispielsweise den Aktienindex DAX möglichst originalgetreu nach, sodass die Manager des Fonds nur noch eingeschränkte Aufgaben haben. In Deutschland sind Indexfonds erst seit 1998 zulässig und gewinnen zunehmend an Bedeutung. Das liegt unter anderem daran, dass etwa Aktienfonds mit aktiv Aktien auswählenden Managern häufig nicht erfolgreicher sind als Indexfonds.

Um die Funktionsweise eines Indexfonds besser zu verstehen, schauen wir uns einen auf dem DAX basierenden Indexfonds an. Den Begriff „DAX“ hat wohl jeder schon einmal gehört. Der DAX liefert eine Kennzahl für die Kursentwicklung von Aktien der 30 umsatzstärksten Unternehmen in Deutschland (z.B. Adidas, Deutsche Bank, BMW, Commerzbank, Siemens, Telekom, Volkswagen etc.) . Der Indexwert lag etwa am 10. Dezember 2010 bei 7.006,17 Punkten. Die 30 Unternehmen tragen unterschiedlich stark zur Berechnung dieses Indexwertes bei. Das bedeutet dann etwa: Die im Wert steigende Aktie des Unternehmens Adidas lässt den DAX Indexwert weniger nach oben schnellen als die um denselben Wert steigende Aktie des Unternehmens Allianz.

Fiktives Beispiel für einen Indexfonds: Nehmen wir an, der DAX würde nur aus den Aktienwerten von zehn Unternehmen mit den Namen A bis J errechnet und die Aktien dieser Unternehmen würde jeweils mit zehn Prozent zum Indexwert beitragen. Dann würde ein echter auf den DAX bezogener Indexfonds jeweils zehn Prozent der Anlegergelder in Aktien der zehn Unternehmen investieren: Er kauft also für zehn Prozent der Gelder Aktien des Unternehmens A, für weitere zehn Prozent Aktien des Unternehmens B… und orientiert sich damit haargenau an der Zusammensetzung des Aktienindex. Im Unterschied dazu orientieren sich indexnahe Fonds nur weitgehend am Aktienindex, lassen aber Unterschiede zu. Als Anleger hat man es bei einem Indexfonds meistens relativ einfach, die Wertentwicklung des Fonds zu verfolgen. Steigt etwa der DAX um 0,6 Prozent, so steigt auch der Wert des am DAX orientierten Fonds und damit der Fondsanteile um etwa 0,6 Prozent.

Indexfonds und die unterschiedlichsten Indizes

Natürlich gibt es nicht allein Indexfonds, die auf dem DAX basieren. Die Finanzwelt kennt viele unterschiedliche Indizes, die von Indexfonds nachgebildet werden können. Zu ihnen gehören beispielsweise der Stoxx Europe 50 mit Aktien der fünfzig größten europäischen Unternehmen, der MSCI World mit Aktien von wichtigen Unternehmen in aller Welt, der Dow Jones mit den dreißig größten US-Unternehmen oder viele, viele andere Indizes. Und es gibt auch nicht alleine Indexfonds, die auf Aktien-Indizes setzen. Indizes existieren beispielsweise für den Rohstoff- oder den Immobilienmarkt, sodass sich auch in diesen Bereichen Indexfonds etabliert haben.

Kostenvorteile von Indexfonds

Größter Vorteil des Indexfonds sind die zumeist verringerten Kosten beim Fondskauf. Beim Kauf von Indexfonds fällt kein Ausgabeaufschlag an. Stattdessen müssen etwa bei Aktienindizes nachbildenden Indexfonds so genannte Ordergebühren und der Spread gezahlt werden.

Spread

Als „Spread“ wird die Differenz zwischen Aktienkaufpreis und -verkaufspreis bezeichnet. Der Ankaufspreis einer Aktie an der Börse wird auch als ihr Geldkurs bezeichnet, während der Verkaufspreis Briefkurs genannt wird. Der absolute Spread ist die Differenz aus „Briefkurs minus Geldkurs“.

Fiktives Beispiel: Lägen der Geldkurs einer Aktie bei 10 Euro und der Briefkurs bei 10,10 Euro, ergäbe sich ein Spread von 0,10 Euro. In Prozent ausgedrückt ist der Spread der prozentuale Anteil, den die 10 Cent (Differenz aus Briefkurs minus Geldkurs) an den 10,10 Euro (Briefkurs) ausmachen: Der Spread läge in diesem Fall bei 0,99% (10 Cent = 0,99% von 10,10 Euro)

Ordergebühren

Die Ordergebühren sind ebenso wie die Depotgebühren abhängig von der Institution (z.B. Bank), bei der man die Aktien kauft. Als Kostenfaktoren kommen bei Fonds die Verwaltungskosten hinzu. Sie sind in der Regel beim Indexfonds niedriger als bei aktiv gemanagten Fonds, da die Fondsmanager beim Indexfonds weniger Aufgaben übernehmen. Im Allgemeinen sind Indexfonds daher preiswerter als aktiv gemanagte Fonds. Zugleich sind sie auch für das Fondssparen geeignet.

Indexfonds: Der Index wird nicht immer exakt nachgebildet

Einen (Aktien-) Index originalgetreu abzubilden, ist für Fondsmanager bisweilen schwierig. Das liegt einerseits an der Auflage für Fonds, maximal 10 Prozent des Fondsvermögens in die Aktien eines einzigen Unternehmens zu investieren. Ein Beispiel:

  • Der hier beispielhaft aufgeführte Aktienindex wird aus den Aktien der acht Unternehmen „A“ bis „H“ gebildet und die Aktien des Unternehmens „D“ haben einen Anteil von 13 Prozent an der Berechnung des Indexwertes. Dann müssten die Aktien im Depot des Indexfonds eigentlich auch zu 13 Prozent aus den Aktien des Unternehmens „D“ bestehen.
  • Das ist rechtlich nicht möglich, sodass der Indexfonds vom Index abweichen muss. Er kauft dann also etwa für 10 Prozent des Fondsvermögens Aktien des Unternehmens „D“ und für weitere 3 Prozent Aktien anderer Unternehmen und bildet den Index damit nicht genau nach. Man spricht in diesem Fall auch von indexnahen Fonds.

Ein anderer Fall: Man stelle sich etwa einen Indexfonds mit den Aktien von 600 verschiedenen Unternehmen vor, bei dem die Anteile, mit denen die Aktien der jeweiligen Unternehmen zum Index beitragen, ebenso häufig wechselt wie die Unternehmen selbst, deren Aktien den Index bilden.

Ein Indexfonds auf Basis dieses Indexes müsste immer wieder neue Aktien kaufen und andere verkaufen, um den Index originalgetreu abzubilden. Das würde jedes Mal aufs neue Kosten verursachen und den möglichen Gewinn für den Anleger schmälern. Manager von Indexfonds greifen hier deshalb bisweilen zu finanztechnischen Kniffen. Sie nehmen etwa zur Absicherung der Finanzkraft des Fonds auch nicht zum Index gehörende Aktien in den Fonds auf und setzen auf Swaps. Man spricht dann auch von Swap-basierenden Indexfonds.

Exkurs – was sind Swaps – Swap-basierende Indexfonds

Swaps sind auf die Zukunft bezogene Verträge zwischen zwei Partnern, mit denen beispielsweise Zahlungsverpflichtungen oder Gewinnoptionen ausgetauscht werden. Nehmen wir als Beispiel den so genannten Zinsswap und die beiden Partner „A“ und „B“:

  • Partner „A“ hat bei einer Bank einen Kredit von 30 Millionen Euro aufgenommen und muss dafür einen variablen Zins zahlen, der sich am Finanzmarkt orientiert. Das bedeutet: Er zahlt vielleicht aktuell 5,75 Prozent Zinsen auf seinen Kredit und könnte in Zukunft – je nach Marktentwicklung – höhere oder niedrigere Zinsen zahlen. Er fürchtet nun, dass er durch die Finanzmarktentwicklung zukünftig mehr bezahlen muss.
  • Partner „B“ hat ebenfalls 30 Millionen Euro aufgenommen, aber zu einem festen Zinssatz von 5,5%. Er zahlt also fest über die gesamte Laufzeit des Kredits 5,5% an Zinsen. Anders als Partner „A“ glaubt er jedoch, dass die Zinsen für Kredite auf dem Finanzmarkt in nächster Zeit unter die Marke von 5,5% fallen werden. Er hätte aktuell also lieber einen variablen Zinssatz für seinen Kredit, weil er davon ausgeht, dadurch weniger Zinsen zu bezahlen.
  • Partner „A“ zahlt so derzeit variable Zinsen und hätte lieber feste und Partner „B“ zahlt feste Zinsen und hätte lieber variable für seinen Kredit. Durch einen zeitlich befristeten Zinsswap bekommen beide Partner das, was sie möchten. Sie tauschen also quasi ihre Zahlungsverpflichtungen. Partner „A“ des Swaps übernimmt die Zahlung der festen Zinsen von Partner „B“, während „B“ die Zahlung der variablen Zinsen von „A“ übernimmt. Klar ist in diesem Fall: Einer der beiden Partner hat sich getäuscht und ist ein Geschäft zu seinen ungunsten eingegangen. Der jeweils andere Partner macht ein gutes Geschäft.

Kehren wir zurück zu den Indexfonds. Auch sie vereinbaren bisweilen Swap-Tauschgeschäfte, die aber etwas anders funktionieren. Ein auf dem DAX basierender Indexfond kauft mit dem Fondsvermögen dann beispielsweise irgendwelche Aktien vom eingesammelten Anlegergeld ein. Die eingekauften Aktien können sich komplett von denjenigen Aktien unterscheiden, mit denen der DAX berechnet wird. Anschließend wird beispielsweise ein Swapgeschäft mit einer Investmentbank als Partner vereinbart. Der Partner des Indexfonds verpflichtet sich dann, dem Indexfonds eine mögliche Wertsteigerung der den DAX bildenden Aktien auszubezahlen. Dafür verpflichtet sich der Indexfonds, den Wert der von ihm tatsächlich gekauften Aktien dagegen aufzurechnen. Da das noch etwas unklar sein mag, ein Beispiel.

  • Zu Beginn der Vereinbarung zwischen Investmentbank und Indexfonds wird die Höhe des DAX am Tag X der Vereinbarung rechnerisch auf den Indexwert 100 gesetzt. Hat der DAX an jenem Tag „X“ also den Wert 7.167 Punkte, so entspricht dieser Wert dem Indexwert 100.
  • Ebenfalls auf den Indexwert 100 wird der Wert aller Aktien gesetzt, die sich tatsächlich im Besitz des Indexfonds befinden und eventuell gar nichts mit dem DAX zu tun haben.
  • Zwischen Investmentbank und Indexfonds kommt es durch den Swap nun zu der Vereinbarung, durch die der eine Partner jeweils ein Recht auf die Rendite aus dem Aktienpaket des anderen Partners hat. Der Indexfonds profitiert dadurch also von einer Steigerung des DAX, während die Investmentbank von einer Wertsteigerung der Aktien im Depot des Indexfonds profitiert.
  • Nun steigt der auf den DAX bezogene Indexwert vielleicht von 100 auf 103, weil der DAX entsprechend gestiegen ist. Zugleich bleibt der Wert der Aktien im Depot des Fonds gleich. Dann wird die Wertentwicklung des DAX dem Fonds gutgeschrieben, obwohl er vielleicht gar keine Aktien derjenigen Unternehmen besitzt, aus deren Aktien der DAX errechnet wird.
  • Sinkt der DAX und bleibt zugleich der Wert der Aktien im Depot des Indexfonds gleich, sinkt durch die Vereinbarung auch der Gesamtwert des Fondsvermögens entsprechend. Mit Bezug auf die Wertentwicklung betrachtet, ist es also quasi so, als würde der Indexfonds tatsächlich alle Aktien, aus denen sich der DAX errechnet, im Depot haben und den DAX komplett abbilden.

Vorteil bei Swap-Geschäften

Der Indexfonds muss nicht stets reagieren, wenn sich die Zusammensetzung des Index ändert. Ein fiktiver Beispielindex wird etwa aus den Aktien der Unternehmen „A“, „B“ und „C“ gebildet. Nun wird der Index verändert und statt der Aktien des Unternehmens „C“ tragen nun die Aktien des Unternehmen „D“ zur Berechnung des Index bei. Dann müsste der Indexfonds, der tatsächlich den Index bildenden Aktien im Depot hält, die Aktien des Unternehmens „C“ abstoßen und Aktien des Unternehmens „D“ kaufen, was Kosten verursacht. Als Partner in einem Swap-Geschäft muss er das nicht tun.

Nachteil von Swap-Geschäften

Rutscht die Investmentbank als Partner des Fonds in die Pleite, sind eventuelle Gewinne aus dem Swapgeschäft hinfällig. Aus diesem Grund existiert die gesetzliche Regelung, dass das gesamte Fondsvermögen nur maximal zu 10 Prozent aus Renditen bestehen darf, die durch Swaps garantiert werden. Dazu noch ein Beispiel:

  • Der Wert der tatsächlich im Depot des Fonds liegenden Aktien liegt seit einem halben Jahr beim Indexwert 100, während der Indexwert für den DAX in dieser Zeit um elf Punkte auf 111 gestiegen ist.
  • Dann bestünde das Fondsvermögen aus dem Wert der Aktien im Depot und aus der Zusage der Investmentbank, diesen Wert um den Wertzuwachs beim DAX aufzustocken. Diese Zusage würde über 10 Prozent des Fondsvermögens ausmachen und im Fall der Insolvenz der Investmentbank nicht mehr eingehalten werden.
  • Steigt der Anteil des Swaps am Fonds-Gesamtvermögen auf über 10 Prozent, muss der Fonds die Swap-Vereinbarung auflösen und einen so genannten Reset durchführen. Er kauft beispielsweise für den Anteil, den das durch den Swap garantierte Geld am Vermögen des Indexfonds ausmacht, neue Aktien.
  • Das reale und durch Aktien im Depot gedeckte Fondsvermögen läge damit wieder bei 100% und der durch den „Swap“ gedeckte Anteil bei 0%. Anschließend wäre wieder Raum für einen neuen Swap zwischen Investmentbank und Indexfonds.

Fazit zu Indexfonds

Indexfonds sind oftmals eine kostengünstige Alternative zu aktiv gemanagten Fonds. Allerdings sollte man sich als potenzieller Anleger auch bei Indexfonds gut ansehen, wie sie sich in der Vergangenheit entwickelt haben, ob sie im Wert gewachsen sind und – falls ja – wie stark. Auch ein Blick auf das, was sich da wirklich im Depot der Indexfonds befindet (etwa welche Aktien, welche Swaps) kann nicht schaden. Investment ist immer eine Sache, bei der man alle vorab bestimmbaren Bedingungen kennen sollte.

Wertpapierdepot Vergleich:

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