Schiffsfonds

Prinzip und Steuervorteile von Schiffsbeteiligungen

Schiffsfonds tun genau das, was ihr Name vermuten lässt: Sie sammeln Gelder von Anlegern ein, um diese Gelder in ein Schiff oder auch mehrere Schiffe zu investieren. Die Schiffsfonds profitieren von den Einnahmen, die sich durch Schiffe erzielen lassen. Werden mit dem Schiff jedoch Verluste erzielt, macht auch der Schiffsfonds Verluste und damit jeder einzelne Anleger. Schiffsfonds sind also Fonds mit guten Renditechancen, die allerdings auch mit nicht unerheblichen Risiken verbunden sind.

Grundprinzip von Schiffsfonds

Schiffsfonds waren lange Zeit ausschließlich geschlossene Fonds. Sie sammelten also Geld ein, um in beispielsweise ein Containerschiff zu kaufen und damit Geld zu verdienen (Schiffsbeteiligung). Das Schiff wurde dann vielleicht von einer Reederei gechartert, die es mit Containern über die Weltmeere fahren ließ. Damit machte dann die Reederei Geschäfte, während der Schiffsfonds durch die Chartergebühren verdient; im besten Fall sehr gut.

Probleme können etwa dann auftreten, wenn die Reederei in Schwierigkeiten gerät, vielleicht gar Insolvenz anmelden muss. Dann fließen die Gelder aus dem Schiffscharter-Geschäft nicht mehr an den Schiffsfonds und der Fonds gerät in Schwierigkeiten.

Schiffsfonds bieten die Beteiligung an unterschiedlichen Frachtschiffen an, daher auch Schiffsbeteiligungen genannt: etwa an Containerschiffen, an Massegutfrachtern, Tankschiffen, teils auch an Spezialschiffen wie etwa Bergungsschiffen für die Rettung aus Seenot. Daneben beteiligen sich Schiffsfonds auch an Kreuzfahrtschiffen.

Offene Schiffsfonds

Seit Ende 2006 gibt es vereinzelt auch offene Schiffsfonds, die allerdings nicht in Deutschland gestattet sind. Eine Beteiligung ist nur indirekt möglich. Offene Schiffsfonds folgen den Regeln der offenen Investmentfonds.

Handelsschifffahrt – ein Hoch bis zur Finanzkrise

Schifffahrt und der Container-Frachtverkehr auf See haben sich bis zur Finanzkrise relativ positiv entwickelt. So stieg etwa der Weltseehandel in Millionen Tonnen von 4.140 Millionen Tonnen im Jahr 1990 auf 8.128 Millionen Tonnen im Jahr 2008. Die zur Verfügung stehende Bruttoraumzahl (eine als BRZ abgekürzte Maßeinheit für die Vermessung von Schiffen) stieg von einer Bruttoraumzahl von knapp 400 Millionen im Jahr 1990 auf knapp 791 Millionen im Jahr 2008. 2009 schlug dann jedoch die Finanzkrise durch; der Weltseehandel sank auf 7.850 Millionen Tonnen, während die zur Verfügung stehende Bruttoraumzahl auf den Weltmeeren weiter auf 840 Millionen anstieg.

Es stand also mehr Platz auf Schiffen zur Verfügung, allerdings wurden weniger Güter über die Weltmeere transportiert. Das heißt auch: Mit vielen Schiffen wurde weniger als zuvor verdient, was eine Krise für die Reedereien und damit auch für viele Schiffsfonds bedeutete. Das muss nicht bedeuten, dass jeder Schiffsfond seither nachteilig für Anleger ist. Es bedeutet auch nicht, dass Schiffsfonds generell keine Hochzeiten mehr erleben. Aber es zeigt zwei Dinge eindrucksvoll:

  1. Auch bei Schiffsfonds sollte man genau abwägen, ob sich eine Investition lohnt oder nicht und vor einer Investition recherchieren.
  2. Schiffsfonds bergen gute Chancen und dafür im Gegenzug auch nicht unerhebliche Risiken.

Wachstumsmarkt Kreuzfahrten

Die Gesellschaft für Konsumforschung bezeichnete Kreuzfahrten in einer Pressemitteilung vom März 2010 als Wachstumsmarkt. Bei ihnen seien im internationalen Vergleich in Deutschland größte Wachstumsraten zu verzeichnen gewesen. Betrachtet man den Gesamtanteil von Kreuzfahrten an gebuchten Urlaubsreisen, so lag in der Sommer-Urlaubssaison 2009 Italien mit siebzehn Prozent an der Spitze der europäischen Länder. Insgesamt bescheinigte die GfK den Kreuzfahrten „beachtliche Umsatzraten“ und einen Ausbau des Umsatzanteils im Tourismusmarkt. Das steht für finanzielle Chancen durch Beteiligung an einem Schiffsfonds, der ein Kreuzfahrerschiff (mit)finanziert.

Schiffsfonds und der Steuervorteil

Kehren wir nochmals zurück zu den Handelsschiffen. Manche auf Handelsschiffe setzende Schiffsfonds bieten Anlegern einen nicht unerheblichen Steuervorteil, weil mit dem Schiff erzielte Erträge pauschal besteuert werden. Gezahlt wird eine so genannte Tonnagesteuer nach festgesetzten Regeln. Diese Regeln sind im § 5a EStG definiert. In diesem Paragrafen heißt es:

Der im Wirtschaftsjahr erzielte Gewinn beträgt pro Tag des Betriebs für jedes im internationalen Verkehr betriebene Handelsschiff für jeweils volle 100 Nettotonnen (Nettoraumzahl)

  • 0,92 € bei einer Tonnage bis zu 1 000 Nettotonnen,
  • 0,69 € für die 1 000 Nettotonnen übersteigende Tonnage bis zu 10 000 Nettotonnen,
  • 0,46 € für die 10 000 Nettotonnen übersteigende Tonnage bis zu 25 000 Nettotonnen,
  • 0,23 € für die 25 000 Nettotonnen übersteigende Tonnage.

Nehmen wir als Beispiel ein Containerschiff mit einer Nettoraumzahl von 25.000.

  • Für die ersten 1.000 Nettotonnen werden also pro Tag 0,92 € pro 100 Nettotonnen bezahlt. Pro Tag fallen demnach: 1.000 * 0,92 € / 100 = 9,20 € an.
  • Für die 1.000 Nettotonnen übersteigende Tonnage bis zu 10 000 Nettotonnen sind 0,69 € pro 100 Nettotonnen zu zahlen. Dieser Satz gilt also für die 1.001 bis zur 10.000 Nettotonne. Hier werden aufgerundet 9.000 Netttonnen angesetzt. Das ergibt: 9.000 * 0,69 € / 100 = 62,10 €.
  • Für die 10.000 Nettotonnen übersteigende Tonnage bis zu 25 000 Nettotonnen werden pro 100 Nettotonnen 0,46 € bezahlt. Das ergibt: 15.000 * 0,46 € / 100 = 69 €.
  • Insgesamt wird für das Schiff mit einer Nettoraumzahl von 25.000 also ein Gewinn pro Tag von 9,20 € + 62,10 € + 69 €  = 140,30 Euro pro Tag angesetzt.
  • Bei 365 angesetzten Tagen eines Jahres ergeben sich so (365 * 140,30€) = 51.209,50€ pauschal errechneter Gewinn, unabhängig davon, wie viel Gewinn das Containerschiff tatsächlich eingefahren hat.

Möchte man nun die Steuerlast eines einzelnen Anlegers beim Schiffsfonds ausrechnen, muss der prozentuale Anteil der Höhe der Anlage des Anlegers an Fondsvermögen ausgerechnet werden. Nehmen wir vereinfacht an, das Fondsvermögen des Schiffsfonds beläuft sich auf 15 Millionen Euro und der Anleger hat 15.000 € investiert. 15.000 € sind 0,15% des Fondsvermögens. Also zahlt der Anleger seine Steuern auch nur auf 0,15% des Tonnage-Gewinns, im Beispiel also auf 0,15% von 51.209,50€ und damit etwa auf 76,81€.

Kleines Fazit zu Schiffsfonds

Schiffsfonds können also steuerlich günstige Anlagevarianten sein. Sie können auch bis heute darüber hinaus gute Erträge erwirtschaften. Aber Achtung: Die allgemeine wirtschaftliche Situation war zuletzt zumindest für Handelsschiffe auf See nicht günstig. Das bedeutet natürlich keineswegs, dass jeder auf Handelsschiffe setzende Schiffsfonds grundsätzlich eine Fehlinvestition ist. Auch in wirtschaftlich schwierigem Umfeld gibt es Gewinner und Verlierer und manch ein Schiffsfonds wird „sein“ Schiff so geschickt auf dem Markt platzieren, dass trotz schwieriger Marktsituation gute Erträge herausspringen.

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