Geräte- oder Handyversicherung

Wie sinnvoll ist dieser Schutz?

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Handy-Versicherung

Wenn die Weisheit „der Schein trügt“ eine Wahrheit hat, dann trifft sie auf die Geräte- und Handyversicherung mit hoher Wahrscheinlichkeit zu. Wer ein Handy, Laptop oder sonst ein elektronisches Gerät kauft, sollte sich von der nachdrücklichen Empfehlung des Verkäufers, der Käufer möge doch eine Geräteversicherung abschließen, nicht beeindrucken lassen. Der Verkäufer nutzt in diesem Moment die Kaufsituation des Kunden aus. Er hat ein Provisionsinteresse. Der Kunde kann den Nutzen einer solchen Geräteversicherung in diesem Moment nicht überblicken. Der eigentlich verpflichtende Blick in die AGB ist faktisch unmöglich. Die Kritik hat Gründe. Letztlich muss jeder für sich selbst die richtige Entscheidung treffen.

Werbung und Wirklichkeit im Versicherungsschutz

Standardmäßig begründen Verkäufer ihre Empfehlung damit, dass die Geräteversicherung die Reparaturkosten bezahlt, wenn der Kunde seinen Kaffee über die Laptoptastatur kippt oder das wertvolle Handy abhandenkommt. Die AGB der Geräteversicherung machen hingegen andere Vorgaben. Zwar sind die AGB der verschiedenen Versicherer teils unterschiedlich. In der Zielrichtung sind sie jedoch weitgehend gleich.

Zutreffend wird Kostenersatz für Reparaturen zugesichert, die durch „Produktions- und Materialfehler, Verschleiß und Abnutzung, Beschädigung durch Überspannung oder bestimmungswidriges Austreten von Leitungswasser“ entstehen. Diese Zusicherungen werden aber in einer weiteren Klausel „ Wir leisten keine Entschädigung für …“ meist weitgehend wieder ausgehöhlt.

Die Einstandspflicht der Geräteversicherung besteht danach nicht, solange die Gewährleistungszeit des Herstellers oder Händlers besteht. Ist ein Gerät defekt, muss der Kunde die gesetzliche Gewährleistung der Verkäuferseite in Anspruch nehmen. Treten Mängel innerhalb der ersten sechs Monate nach dem Kauf auf, wird zu seinen Gunsten vermutet, dass der Fehler bereits beim Kauf vorhanden war (§ 476 BGB). Der Kunde braucht also die Fehlerhaftigkeit beim Kauf nicht zu beweisen.

Sechs Monate nach dem Kauf dreht sich die Beweislast zu Lasten des Kunden um. Zwar kann er dann immer noch Gewährleistungsansprüche geltend machen, muss aber beweisen, dass er ein fehlerhaftes Gerät gekauft hat. Sein Problem besteht darin, dass der Nachweis problematisch ist und die Verkäuferseite Ansprüche dieser Art regelmäßig zurückweist. Dann ist der Kunde in der leidigen Pflicht, seinen Gewährleistungsanspruch im ungünstigsten Falle gerichtlich einklagen zu müssen. Auf die Geräteversicherung kann er gleichfalls nicht zurückgreifen, da diese insoweit einen Haftungsausschluss vorsieht.

Grob fahrlässig verursachte Schäden sind persönliches Risiko

Ein weiterer Haftungsausschluss besteht darin, dass die Geräte- oder Handyversicherung keine vorsätzlich oder grob fahrlässig verursachten Schäden abdeckt. Wer also die Kaffeetasse über die Tastatur seines Laptops kippt, muss damit rechnen, dass ihm die Geräteversicherung grobe Fahrlässigkeit entgegenhält. Gleiches gilt, wenn das Handy gestohlen wird. Auch hier wird die Geräteversicherung regelmäßig grobe Fahrlässigkeit einwenden und in eher seltenen Fällen Entschädigung leisten. Auch ist der Kunde in der Pflicht, die Tatsache des Diebstahls zuverlässig nachzuweisen. Zumindest empfiehlt sich in diesem Fall die Anzeigenerstattung bei der Polizei.

Neuwerterstattung zum Zeitwert

Ein weiterer Knackpunkt ist die Entschädigungsleistung selbst. Sofern der Geräteversicherer entschädigt, wird meist nur der Zeitwert des Geräts erstattet. Erscheint die Reparatur unwirtschaftlich, ist der Versicherer berechtigt, ein „Ersatzgerät gleicher Art und Güte“ zu liefern. Dies wird regelmäßig kein Neugerät sein. Vielmehr muss der Kunde damit rechnen, ein gebrauchtes Gerät zu erhalten, das seinem beschädigten Gerät nach Art und Güte entspricht. Da infolge der rasanten technischen Entwicklung ständig neue Geräte auf den Markt kommen, verfällt der Zeitwert älterer Geräte zusehends.

Risiko und Nutzen kalkulieren

Ungeachtet aller kritischen Bewertungen gibt es auch faire Angebote. Wird eine Geräteversicherung für ein 600 € teures Handy für einmalig 29 € angeboten, erscheint die Prämie tragbar (vgle. Untersuchung der Stiftung Warentest test 7/12).

Wer den Versicherungsabschluss kalkulieren möchte, sollte rechnen und das Risiko abwägen. Werden für einen 449 € teuren Laptop 11,97 €/Quartal Versicherungsprämie verlangt, zahlt der Kunde in zwei Jahren 96 € Prämie. In den ersten sechs Monaten ist das Risiko durch die Gewährleistung des Herstellers abgedeckt. Da die Gewährleistungszeit darüber hinausgeht, ist das Risiko auch innerhalb von zwei Jahren überschaubar.

Wer auf die Geräteversicherung verzichtet und sich im Schadensfall nach zwei Jahren einen nagelneuen Laptop kauft, zahlt effektiv vergleichsweise 353 € (449 € Kaufpreis – 96 € ersparte Prämie). Er hat sofort ein unbenutztes neues Gerät zur Verfügung. Gibt er das alte Gerät zur Reparatur, muss er erfahrungsgemäß sechs bis acht Wochen auf die Nutzung des Geräts verzichten. Nach vielen AGB müssen Reparaturen über 200 € unter Vorlage eines Kostenvoranschlages vorher vom Versicherer genehmigt werden. Auch dadurch verzögert sich der Reparaturvorgang. Kauft der Verbraucher einen neuen Laptop, erhält er sofort ein nagelneues Gerät, das dem aktuellen technischen Stand entspricht.

Bei Reue Widerrufsrecht nutzen

Wer den Abschluss einer Handyversicherung oder Geräteversicherung nach dem Kauf bereut, hat ein Widerrufsrecht. Die Widerrufsbelehrung steht in den AGB. Danach kann der Kunde den Vertragsabschluss innerhalb von 14 Tagen ohne Angabe von Gründen in Textform widerrufen.

Im Übrigen wird sich der Vorwurf einer „arglistigen Täuschung“ im Verkaufsgespräch kaum realistisch durchsetzen lassen. Der Verkäufer gibt die Grundsätze der Versicherungsbedingungen wieder und unterstellt, dass ein durchschnittlich gebildeter Kunde Fachbegriffe und Haftungsausschlüsse kennt.

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