Hebelzertifikate

Turbo-Zertifikate - Knock-out-Zertifikate

Hebelzertifikate

Ein Hebelzertifikat, welches auch unter den Namen Turbo-Zertifikat, Turbos, Shorts, Wave oder Rolling Turbo bekannt ist, stellt eine sehr interessante Geldanlage dar, die jedoch nur von fortgeschrittenen Anlegern genutzt werden sollte. Gewinne können mit dem Hebelzertifikat sowohl bei steigenden als auch bei fallenden Kursen erzielt werden.

Was ist der Hebel beim Hebelzertifikat?

Beim Hebelzertifikat verläuft die Änderung des Kurses überproportional zum Basiswert. Hierfür ist der so genannte Hebel verantwortlich. Dabei gibt der Hebel den prozentualen Wert an, um welchen sich das Zertifikat verändert, wenn sich der Basiswert des Papiers um 1 Prozent verändert. Liegt also beispielsweise ein Hebel von 10 vor, so würde der Wert des Hebelzertifikates um 10 Prozent steigen, wenn sich der Kurs des Basiswertes um 1 Prozent verändert.

Das Funktionsprinzip ist hier ähnlich wie bei Optionsscheinen, jedoch spielen bei Hebelzertifikaten die Restlaufzeiten und die Kursschwankungen (auch Volatilität genannt), keine Rolle.

Angenommen, ein Anleger erwartet vom Kurs der Aktie X, dass er von derzeit beispielsweise 75€ in den nächsten beiden Jahren auf mindestens 90€ steigt. Kauft er die Aktie X und steigt die Aktie tatsächlich auf beispielsweise 95€, so erhält er eine hübsche Rendite. Eine noch viel höhere Rendite würde er jedoch erhalten, wenn er nicht 75€ (wie beim Kauf der Aktie X) zuvor investiert hätte, sondern viel weniger Geld. Möglich ist so etwas mit Hebelzertifikaten. Mit solchen Zertifikaten kann man durchaus auch bei fallendem Aktienkurs viel Geld gewinnen. Und man kann nicht alleine auf Aktien, sondern beispielsweise auch auf Aktienindizes, die Wertentwicklung von Rohstoffen oder Währungen setzen. Gibt es einen Haken bei der Sache? Ja, gibt es! Im ungünstigsten Fall verliert der Anleger auch sein gesamtes Geld.

Bleiben wir noch beim oben genannten Beispiel:

Bezogen auf die Aktie X, zahlt der Anleger für das Hebelzertifikat, dessen Wert sich an dem der Aktie X orientiert, weniger als den Kaufpreis der Aktie, erhält aber dieselbe Rendite wie der Aktionär: in diesem Fall also 20€. Prozentual ausgedrückt unterscheiden sich die Renditen gewaltig.

Der Aktionär hätte sein eingesetztes Geld von 75€ um 26% (20€) auf 95€ gesteigert. Der Inhaber des Hebelzertifikats hat 25€ eingesetzt und erhält 45€ zurück, was einer Rendite von 80% entspricht (20€ Rendite = 80% der eingesetzten 25€).

Soweit so gut! Hebelzertifikate bieten also hohe Renditechancen. Sie werden deshalb bisweilen auch Turbo-Zertifikat oder Turbos genannt. Um den Haken an der ganzen Sache zu begreifen, sollte man sich so ein Hebelzertifikat aber noch etwas näher ansehen.

Beispiel für ein Hebelzertifikat

Wir nehmen für das Beispiel weiterhin ein Hebelzertifikat, dessen Basiswert die Aktie X ist. Basiswert bedeutet: Diejenige Größe auf dem Finanzmarkt, an der sich die Wertentwicklung des jeweiligen Hebelzertifikats orientiert. Das kann die Aktie X, aber – wie bereits geschildert – beispielsweise auch ein Aktienindex wie der DAX sein. Gehen wir zugleich davon aus, dass unser Hebelzertifikat mit der Aktie X als Basiswert dem Anleger eine Rendite bei steigendem Aktienwert bietet und eine Laufzeit über drei Jahre besitzt. Für weitere Berechnungen benötigen wir nun einige wichtige Zahlen:

  • den Basispreis genannten Kurs der Aktie X bei Emission (Herausgabe) des Hebelzertifikats, den wir bei 75€ ansetzen,
  • das so genannte Knock-Out-Level (auch: Strike), das wir beispielhaft auf 60€ legen,
  • das Bezugsverhältnis, das wir bei 1/1 ansetzen, und
  • das so genannte Aufgeld, das im Beispiel 2€ beträgt.

Hebelzertifikat mit dem Basiswert Aktie X

Basispreis Strike (Knock-Out-Level) Bezugsverhältnis Aufgeld
75€ 60€ 1/1 2€

Alle hier genannten konkreten Werte sind Beispielwerte und können bei unterschiedlichen Hebelzertifikaten variieren. Klären wir kurz ein paar Begriffe, wobei der Begriff Knock-Out-Level besonders wichtig ist. Er wird auch „Strike“ genannt und ist die Grenze, die nicht überschritten werden darf, da das eingesetzte Geld des Anlegers ansonsten verfällt. In unserem Beispiel bedeutet das konkret: Fällt der Kurs der Aktie X nur einmal auf oder unter die Grenze von 60€, verliert der Anleger sein Geld komplett! Das ist quasi der Preis für die Chance auf hohe Renditen beim Hebelzertifikat: Hohen Chancen stehen hohe Risiken gegenüber. Das Bezugsverhältnis ist insbesondere bei Hebelzertifikaten von Bedeutung, die sich auf Indizes wie den DAX beziehen, und soll etwas später erläutert werden. Bleibt das Aufgeld. Es beschreibt Gebühren, die der Herausgeber des Zertifikats, also in der Regel eine Bank, dem Investor abverlangt. Mit den hier vorgestellten Werten lässt sich nun der Preis für ein Hebelzertifikat berechnen, das sich am Wert der Aktie X orientiert. Die Formel dafür lautet:

  • ((Basispreis + Aufgeld) – Strike) x Bezugsverhältnis = Preis des Zertifikats.

Bei unserem konkreten Beispiel ergäbe sich also folgende Formel:

  • ((75€ + 2€) – 60€ x (1/1) = 17€ als Preis für das Hebelzertifikat.

Unser beispielhaftes Hebelzertifikat bei gestiegenem Aktienkurs

Der Anleger kauft also ein Hebelzertifikat zum Preis von 17€ und hofft auf einen steigenden Kurs der Aktie X. Wird seine Hoffnung nicht enttäuscht, ist die Rendite sehr gut. Nehmen wir an, der Wert der Aktie X liegt am Laufzeitende des Zertifikats bei 80€. Um nun den aktuellen Wert des Hebelzertifikats zu berechnen, wird die oben genannte Formel leicht modifiziert:

  • ((Aktueller Wert der Aktie X + Aufgeld) – Strike) x Bezugsverhältnis = aktueller Preis des Zertifikats

Bei unserem konkreten Beispiel ergäbe sich dieses Mal folgende Formel:

  • ((80€ + 2€) – 60€ x (1/1) = 22€ aktueller Wert des Hebelzertifikats.

Der Wert des Hebelzertifikats ist also ausgehend von 17€ um fünf Euro gestiegen, was einem prozentualen Anstieg von 29,41% entspricht.

Unser beispielhaftes Hebelzertifikat bei gefallenem Aktienkurs

Spielen wir die Variante durch, dass der Wert der Aktie X bis zum Laufzeitende des Zertifikats auf 70€ sinkt. Wieder wird der aktuelle Wert des Zertifikats mit folgender Formel ausgerechnet:

  • ((Aktueller Wert der Aktie X + Aufgeld) – Strike) x Bezugsverhältnis = aktueller Preis des Zertifikats

Mit konkreten Zahlen, ergäbe sich folgende Formel:

  • ((70€ + 2€) – 60€ x (1/1) = 12€ aktueller Wert des Hebelzertifikats.

Aus den ursprünglich 17€ des Anlegers wären also zwölf geworden. Der Wert des Hebelzertifikats wäre damit um 29,41% stark gesunken. An diesen Beispielen wird einiges deutlich: Der Hebel sorgt bei unserem Beispielzertifikat ebenso für eine hohe Rendite, wenn der Kurs der Aktie X gestiegen ist, wie für einen hohen Verlust bei gesunkenem Wert der Aktie X. Eine besondere Rolle spielt auch hier der Strike (Knock-Out-Level):

  • Würde das Knock-Out-Level nur einmal berührt oder gar unterschritten, würde der Anlegers sein gesamtes Geld verlieren. Insofern ist das Anlegerrisiko natürlich umso geringer, je niedriger der Strike liegt. Bei einem Basispreis der Aktie X von 75€ ist ein Absinken des Aktienkurses auf 50€ oder gar 40€ natürlich unwahrscheinlicher als ein Absinken auf 60€. Ist ein niedrig liegender Strike bei einem Hebelzertifikat, das auf steigenden Aktienwert setzt, also immer gut? Jein!

Warum hat das Knock-Out-Level manchmal eine positive Wirkung?

Ein Strike, der relativ nahe am Basispreis der Aktie X liegt (Beispiel: Basispreis: 75€, Strike 70€), kann vom Aktienkurs natürlich relativ schnell erreicht werden. Andererseits erhöht solch ein Strike auch die prozentuale Rendite bei steigendem Aktienkurs. Erinnern wir uns an das bereits genutzte Beispiel mit einem Basispreis von 75€ und einem Strike bei 60€:

  • ((75€ + 2€) – 60€ x (1/1) = 17€ als Preis für das Hebelzertifikat

Liegt der Aktienwert am Ende der Laufzeit bei 80€ ergab sich:

  • ((80€ + 2€) – 60€ x (1/1) = 22€ aktueller Wert des Hebelzertifikats. In Prozent ausgedrückt lag die Rendite bei 29,41%.

Spielen wir das Ganze nun bei einem Hebelzertifikat mit einem Strike durch, der bei 70€ liegt:

  • ((75€ + 2€) – 70€ x (1/1) = 7€ als Preis für das Hebelzertifikat.

Liegt der Aktienwert am Ende der Laufzeit bei 80€ ergibt sich:

  • ((80€ + 2€) – 70€ x (1/1) = 12€ aktueller Wert des Hebelzertifikats. In Prozent ausgedrückt liegt die Rendite bei 71,43%, da aus sieben Euro Kaufpreis zwölf Euro geworden sind.

Daraus folgt: Ein nahe am Basiswert liegender Strike erhöht einerseits die Gefahr, eingesetztes Geld zu verlieren. Andererseits steigert es bei Erfolg die Rendite des investierten Kapitals.

Hebelzertifikate mit dem DAX als Basiswert

Spielen wir die Sache mit dem Hebelzertifikat nun einmal kurz für den Aktienindex DAX durch, um die Rolle des Bezugsverhältnisses zu verstehen:

  • Hier setzen wir die Basis beispielhaft auf einen DAX von 6000 und das Knock-Out-Level soll bei 5000 liegen.

Das Prinzip des Hebelzertifikats ist dasselbe wie beim Zertifikat mit der Aktie X als Basiswert: Sinkt der Basiswert (hier DAX) auf das Knock-Out-Level (hier: 5000) ist das Anlegergeld verloren. Bei steigendem oder sinkendem DAX werden Gewinne und Verluste durch das Hebelzertifikat gesteigert. Die Formeln gleichen prinzipiell den bereits vorgestellten, allerdings mit anderem Bezugsverhältnis (meistens: 1/100). Unser Beispiel zeigt schnell, warum das so ist. Ausgangslage ist die Formel:

  • ((Aktueller DAX + Aufgeld) – Strike) x Bezugsverhältnis = Preis des Hebelzertifikats.

Um die Berechnung zu vereinfachen, lassen wir den Aufpreis einmal weg. Dann ergäbe sich bei unserem Beispiel die konkrete Formel

  • (6000 – 5000) x Bezugsverhältnis = Preis des Hebelzertifikats.

Bei einem Bezugsverhältnis von 1/1 läge der Preis für das Hebelzertifikat also bei 1.000€. Um den Preis zu senken wird ein anderes Bezugsverhältnis gewählt, oftmals etwa 1/100 (= 0,01). Damit hätten wir dann die Formel:

  • (6000 – 5000) x 0,01 = 10€ Preis des Hebelzertifikats.

Alle weiteren Formeln funktionieren nun nach den Prinzipien, die wir bereits vorgestellt haben. Würde der DAX also etwa auf 6500 steigen, ergäbe sich die Formel:

  • (6500 – 5000) x 0,01 = 15€ aktueller Wert des Hebelzertifikats.

Hebelzertifikate für sinkende Basiswerte

Wie bereits geschildert, muss ein Anleger mit einem Hebelzertifikat nicht zwangsläufig auf steigende Basiswerte setzen. Er könnte bei unserer Aktie X möglicherweise auch ein Hebelzertifikat erwerben, mit dem er bei sinkendem Wert der Aktie profitiert. Das Knock-Out-Level liegt in diesem Fall über dem Basispreis. Das bedeutet: Beträgt der Wert der Aktie X bei der Emission des Hebelzertifikats wieder 75€, dann wird das Knock-Out-Level vielleicht auf 90€ gesetzt.

Beispiel – Hebelzertifikat mit dem Basiswert Aktie X

Basispreis Strike (Knock-Out-Level) Bezugsverhältnis Aufgeld
75€ 90€ 1/1 2€

Steigt die Aktie X also wider Erwarten im Wert auf 90€ oder darüber hinaus, verliert der Anleger sein Geld! Die bei solch einem Zertifikat genutzten Formeln sind im Vergleich zum Hebelzertifikat, das auf eine positive Entwicklung des Aktienkurses setzt, ähnlich, nur etwas umgestellt. Der Preis wird bestimmt durch die Formel:

  • (Strike – (Basispreis + Abgeld)) × Bezugsverhältnis = Preis des Hebelzertifikats.

Bei einem Bezugsverhältnis von 1/1 und einem Aufpreis von zwei Euro ergäbe sich also bei oben genannten Beispielwerten die Formel:

  • (90 – (75 + 2)) × (1/1) =  13€ Preis des Hebelzertifikats.

Um den aktuellen Wert des Zertifikats zu berechnen, gibt man jeweils statt der 75 den aktuellen Wert der Aktie X in die Formel ein. Liegt der etwa bei 80€ und wäre der Aktienwert damit gestiegen, so ergäbe sich die Formel

  • (90 – (80 + 2)) × (1/1) =  8€ aktueller Wert des Hebelzertifikats.

Der Wert des Zertifikats wäre also gesunken. Sinkt dagegen der Aktienwert beispielsweise auf 70€, steigt der Wert vom Hebelzertifikat:

  • (90 – (70 + 2)) × (1/1) =  18€ aktueller Wert des Hebelzertifikats.

Fazit zu Hebelzertifikaten

Als Anleger, der in Hebelzertifikate investieren möchte, sollte man schon etwas Know-how in Finanzfragen mitbringen oder zumindest jemanden kennen, dem man absolut (!) vertraut und der das nötige Know-how mitbringt. Zugleich sollte man sich sicher sein: Auch das größte Wissen bietet keine Garantie dafür, dass sich etwa Aktienkurse, Aktienindizes oder andere Werte nicht anders entwickeln, als man gedacht hatte.

Bei Hebelzertifikaten ist das spekulative Element groß und kann einem Anleger hohe Gewinne, aber auch hohe Verluste bescheren. Geld, auf das er im Extremfall nicht verzichten könnte, sollte er daher nicht in Hebelzertifikate anlegen.

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