Kostenfalle Restschuldversicherung

Kredite kosten Geld. Auch bei Ratenkäufen, die über Kredite finanziert werden, ist dies nicht anders. Wer meint, er könne Ratenkaufkredite mit einer Restschuldversicherung zuverlässig absichern, erlebt oft ein böses Erwachen, wenn es darauf ankommt. Restschuldversicherungen halten nämlich meist nicht, was sie versprechen. Und wer liest oder versteht gar das Kleingedruckte in den AGB.

Ohren auf im Verkaufsgespräch!

Im Verkaufsgespräch werden die Vorteile einer Restschuldversicherung angepriesen. Wird der neue Fernseher finanziert, endet das Verkaufsgespräch damit, dass dem Käufer noch dringend der Abschluss einer Restschuldversicherung angeraten wird. Es wird ernsthaft behauptet, dass die Rechtsschutzversicherung den Käufer absichere, falls er aus irgendeinem Grunde die Raten für den Kredit nicht mehr bezahlen könne.

Trugschluss 0-%-Finanzierung

Besonders dann, wenn der Ratenkauf in Verbindung mit einer „Null-Prozent-Finanzierung“ schmackhaft gemacht wird, erliegt der Käufer einem grandiosen Irrtum. Das Wort „Kreditfalle“ erscheint als eine mindestens angemessene Kritik. Würde die Prämie berücksichtigt, wäre erkennbar, dass die Finanzierung durch die Einbeziehung der Restschuldversicherung eben doch nicht umsonst zu haben ist. Auch wer glaubt, ein Zinssatz von z.B. lediglich „0,69 %“ sei günstig, irrt, wenn es sich um einen Monatszins handelt, der sich auf das Jahr gerechnet auf 8,28 % addiert.

Versicherungsabschluss ist keine Pflicht!

Im Verkaufsgespräch hat die Empfehlung zum Abschluss einer Restschuldversicherung Methode. Die Verkäufer im Ladengeschäft erhalten von den Versicherern Provision, wenn sie den Kunden zum Abschluss einer Restschuldversicherung überzeugen. Bisweilen wird der Eindruck erweckt, der Verbraucher erhalte ohne Abschluss einer Restschuldversicherung keinen Kredit. Tatsächlich besteht keinerlei Verpflichtung, den Kredit abzusichern. Soweit die kreditfinanzierende Bank selbst Versicherungsnehmer ist, kann der Verbraucher die Rechtsschutzversicherung auch nicht vorzeitig kündigen und bleibt bis zum Vertragsende verpflichtet.

Versicherungsprämie bleibt beim effektiven Zinssatz außen vor

Eigentlich müsste es so sein, dass die Gebühren für die Restschuldversicherung in den Kaufpreis oder in den Kreditzinsen eingerechnet werden müssten. Nur so könnte der Verbraucher effektiv erkennen, was ihn der Ratenkauf tatsächlich kostet. Nach der Preisangabenverordnung braucht der Verkäufer aber nur obligatorische Nebenleistungen in den Endpreis einzurechnen, nicht aber eine fakultative, freiwillig abzuschließende Restschuldversicherung.

Die Versicherungsprämie wird auf die Kreditsumme aufgerechnet und erhöht den Kreditbetrag. Die finanzierende Bank zahlt den Kredit als Kaufpreis an den Verkäufer und die Versicherungsprämie an die Versicherung. Ein scheinbar günstiger Zinssatz für den Ratenkredit erweist sich somit tatsächlich als nur scheinbar günstig.

Versicherungsprämien machen Kredite erst richtig teuer

Bei geringen Kreditbeträgen ist eine Restschuldversicherung grundsätzlich uninteressant. Es macht keinen Sinn, sich gegen jegliches denkbare Risiko zu versichern. Es gibt keine Vorgaben oder Standards, wie die Prämien zu kalkulieren sind. In einem Urteil des Landgericht Nürnbergs wurde eine Prämie von 15,6 % des Auszahlungsbetrags als „bedenklich hoch“ bewertet (Az. 6 O 754/14). Erfahrungsgemäß liegen viele der Prämien der verschiedenen Versicherer in diesem Bereich. Sie verteuern damit jeden Kredit. Angesichts des Missverhältnisses zwischen Kosten und Leistung erscheinen sie verzichtbar.

Vorsicht: Leistungsausschlüsse!

Wer glaubt, er sei mit einer Restschuldversicherung auf der sicheren Seite, irrt. Abgesichert sind meist Arbeitslosigkeit, Arbeitsunfähigkeit, Unfall und Todesfall. Im Kleingedruckten ist geregelt, unter welchen Voraussetzungen die Versicherung tatsächlich leistet.

Bei Arbeitslosigkeit besteht regelmäßig eine Wartezeit von 6 Monaten. Wartezeiten sind zulässig (OLG Zweibrücken AZ: I-4 W 57/08).Versicherer begrenzen ihre Leistung dann oft auf 12 Monate der Arbeitslosigkeit. Auch AGB-Klauseln, nach denen der Arbeitnehmer 6 Monate bei demselben Arbeitgeber beschäftigt sein muss, sind erlaubt (OLG Zweibrücken 1 U 161/10).

Im Todesfall oder bei Arbeitsunfähigkeit leistet der Versicherer nicht, wenn eine in den Versicherungsbedingungen aufgelistete Krankheit Ursache ist (z.B. Herz- und Kreislauferkrankungen, Erkrankung der Wirbelsäule, Gelenke, Verdauungsorgane, Krebs oder chronische Krankheiten). Wer also die neue Stereoanlage kreditfinanziert und dabei an einer in den AGB bezeichneten Krankheit leidet, ist über eine Restschuldversicherung nicht abgesichert, wenn er infolge der Krankheit verstirbt. Der Kredit ist dann von den Erben abzuzahlen. In einem Fall des LG Köln(Az. 23 O 35/10) wurde eine Frau infolge einer Krebserkrankung depressiv und infolgedessen zahlungsunfähig. Der Versicherungsschutz wurde verweigert.

Bei Berufsunfähigkeit besteht so gut wie nie eine Absicherung. Arbeitslosigkeit ist vorübergehender Natur. Wird der Verbraucher aus der Arbeitslosigkeit heraus dauerhaft berufsunfähig, endet der Versicherungsschutz spätestens mit Beginn der Berufsunfähigkeit.

Cookies ermöglichen eine bestmögliche Bereitstellung unserer Dienste. Diese Cookies sind sicher und speichern keine persönlichen Daten über Sie ab. Mit der Nutzung dieser Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Datenschutzinfo
OK