Geld anlagen – Tagesgeld oder Tagesanleihe?

Tagesgeld oder TagesanleiheSeit Juli 2008 dürfen sich deutsche Anleger und Sparer über ein neues Finanzprodukt freuen – die Tagesanleihe. Allerdings stecken nicht findige Mitarbeiter privater Banken dahinter, sondern Vater Staat. Das eigentlich Besondere der Tagesgeldanleihe ist die Kombination der Vorteile aus dem bekannten Tagesgeldkonto mit den Vorzügen einer Anleihe. Ähnlich dem Tagesgeld bleibt die Einlage jederzeit verfügbar und wird zudem täglich verzinst.

Zwei Vorteile der Tagesanleihe, die sich sehen lassen können und durch eine hohe Sicherheit ergänzt werden, wie sie sonst nur bei Bundeswertpapieren bekannt ist. Wie aber bereits gesagt – es handelt sich um ein besonderes Finanzprodukt. Und genau deshalb sollte man sich als Anleger auch mit der Tagesanleihe etwas ausführlicher auseinandersetzen.

Wie funktioniert die Verzinsung der Tagesanleihe

Wie bei jeder Kapitalanlage steht auch bei der Tagesanleihe die Verzinsung im Vordergrund. Im Gegensatz zum herkömmlichen Tagesgeld muss sich der Anleger an dieser Stelle aber auf einige Besonderheiten gefasst machen. Grundlage der Zinsen einer Tagesanleihe ist der EONIA (Zinssatz für Kapitalausleihungen über Nacht im Interbankenhandel). Statt das Guthaben aber mit 100% des EONIA zu verzinsen, greift die Finanzagentur GmbH als Emittent zu einem ungewöhnlichen Berechnungsmodell für den gültigen Zinssatz der Tagesanleihe.

Liegt der Referenzzins zwischen 2,00% und 6,00%, entspricht der Zins einer Tagesanleihe 92,5 Prozent. Unterhalb der Grenze von 2,00% werden dagegen pauschal 15 Basispunkte abgezogen. Jenseits der 6,00% müssen Anleger mit einem Abzug von 0,45 Prozentpunkten rechnen. Wie hoch der aktuelle Zinssatz liegt, erfahren interessierte Anleger über Mitteilungen der Tagespresse. Wie wird die Tagesanleihe aber am Ende verzinst?

Grundsätzlich werden die Zinsen der Anleihe täglich zugeschlagen – und das immer entsprechend der Höhe des aktuellen Referenzzinses. Auf diese Weise erhöht sich täglich die Einlagesumme. Damit wächst der ursprüngliche Nennwert von 100 Prozent täglich um einige Prozentpunkte. Trotz der täglichen Verzinsung erhält jeder Anleger erst zum Jahresende eine Zinsgutschrift. Allerdings ergibt sich aus dieser Art der Verzinsung ein Nachteil für die Tagesanleihe – sinkt der EONIA, reduzieren sich auch die Guthabenzinsen.

Besonderheiten der Tagesanleihe

Neben der Verzinsung muss bei der Tagesanleihe aber noch auf eine Reihe anderer Besonderheiten hingewiesen werden. So werden zum Ablauf eines Jahres die erwirtschafteten Zinsen nicht einfach dem Anleger gutgeschrieben, sondern wieder in der Tagesanleihe angelegt. Weiterhin ist für eine Investition in Form der Tagesanleihe ein Schuldbuchkonto zwingend notwendig. Vor der ersten Einlage muss jeder Anleger deshalb für dessen Eröffnung sorgen. Und auch Informationen bezüglich der Mindest- bzw. Maximaleinlage dürfen an dieser Stelle nicht fehlen. Grundsätzlich gilt, dass mindestens 50,- EUR in die Tagesanleihe des Bundes fließen müssen und eine Kauforder pro Tag und Anleger bei 250.000,- EUR gedeckelt wird.

Unterschiede zwischen Tagesgeld und Tagesanleihe

Der wohl gravierendste Unterschied zwischen beiden Anlageformen betrifft die Verzinsung. Während Banken beim Tagesgeld wenigstens über einige Monate für die Höhe der Verzinsung garantieren, besteht für die Tagesanleihe keinerlei Zinsgarantie. Eine Tatsache, die auf den ersten Moment gegen letztere Kapitalanlage spricht – gerade in Niedrigzinsphasen. Langfristig betrachtet gleicht sich dieser Nachteil aber wieder aus. Weiterhin lassen sich Unterschiede auch bei den Formalitäten ausmachen. Während die Eröffnung eines Tagesgeldkontos in der Regel mit wenigen Handgriffen erledigt ist – ein Girokonto als Referenzkonto besitzt das Gros der Anleger, muss bei der Tagesanleihe zuerst das Schuldbuchkonto eröffnet werden.

Fazit: Zwar können beide Produkte im Rahmen der Sicherheit und ihrer täglichen Verfügbarkeit punkten. An entscheidenden Stellen muss sich die Tagesanleihe allerdings geschlagen geben. Speziell die starke Anfälligkeit gegenüber Zinsschwankungen sorgt für einen klaren Vorteil beim Tagesgeld.

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