Inflation als Renditekiller
Der Begriff Inflation entstammt der Volkswirtschaftslehre und bezeichnet das Risiko einer allgemeinen Geldentwertung. Sie kann eintreten als Folge eines kontinuierlichen Anstieges des Preisniveaus für Endprodukte (Konsumgüter, Investitionsgüter und Dienstleistungen).
Die Inflation führt zu einer Verteuerung von Endprodukten, weil die Wechselbeziehung zwischen Gütern und Dienstleistungen einerseits und dem ihnen entsprechenden Geldwert andererseits zuungunsten des Geldes gestört ist.
In der Inflation muss demzufolge für Endprodukte mehr Geld aufgebracht werden als in Zeiten volkswirtschaftlicher Stabilität. Der Austauschwert des Geldes (das bedeutet die an den Besitz von Geld gebundene Möglichkeit, für dessen Hingabe Güter und Dienstleistungen zu erwerben oder nachzufragen) ist somit im Verhältnis zu den Endprodukten gesunken. Die Folge ist ein Verlust an Kaufkraft, die umso stärker verfällt, je höher die Inflation bzw. Teuerungsrate liegt.
Inflationsrate 2002 bis 2012
Im folgenden Diagramm findet sich ein Vergleich der folgenden Länder/ Areale für den Zeitraum 2002 bis 2012 (Prognose):
- Inflationsrate Deutschland
- Inflationsrate EU
- Inflationsrate Euro-Raum
- Inflationsrate USA
- Inflationsrate China

Quelle: Statistisches Bundesamt, EU-Kommission, OECD und EUROSTAT
Ursachen und Formen der Inflation
Die Volkswirtschaftslehre sieht die Ursache für eine Inflation in einer
- dauerhaften überhöhten Nachfrage nach Gütern
über das gesamtwirtschaftliche Güterangebot hinaus. Erhöht sich die Nachfrage nach bestimmten Produkten bei gleichzeitiger Verringerung des Produktangebots führt dies zwangsläufig zu Preissteigerungen. Neben diesem klassischen Erklärungsansatz kommen weitere inflationsauslösende Faktoren in Betracht. So kann auch eine
- Vermehrung der in Umlauf gebrachten Geldmenge
eine Geldentwertung nach sich ziehen: Steht auf Dauer eine überhöhte Geldmenge einem konstant bleibenden Angebot an Gütern gegenüber, bewirkt auch dies einen allgemeinen Anstieg des Preisniveaus. Der Überschuss an zirkulierendem Geld bedingt eine Zunahme der Nachfrage, die sich wiederum in steigenden Preisen auswirkt. Von einer so genannten
- importierten Inflation
ist dagegen die Rede, wenn die Ursachen für die Geldentwertung nicht Folge einer entsprechenden Störung des Binnenmarktes ist, sondern im Ausland liegen. Das gilt insbesondere dann, wenn ein Importland seine nationale Währung an die Währung des Exportlandes gebunden hat. Ist das Exportland von einer Geldentwertung betroffen, wird die dortige Inflation zwangsläufig auch für das Importland Folgen haben, denn für die eingeführten Güter müssen die gestiegenen Preise bezahlt werden.
Wie wird die Inflation gemessen?
Um die Inflation zu messen, hat das statistische Bundesamt einen
- repräsentativen Warenkorb
entworfen, der alle Waren und Dienstleistungen enthält, die ein Bürger im Durchschnitt monatlich kauft. Anhand dieses Warenkorbs, der anteilig neben Lebensmitteleinkäufen, Miet- und Telekommunikationskosten und notwendigen Dienstleistungen auch Luxusgüter enthält, wird in regelmäßigen Abständen gemessen, wie sich das Preisniveau verändert hat. Diese Veränderung nennt man die Inflationsrate, die nach einhelliger Expertenmeinung langfristig nicht über
- 2,00%
pro Jahr liegen sollte.
Die durch zeitlichen Vergleich des repräsentativen Warenkorbs gewonnenen Erkenntnisse zur Inflations- oder Teuerungsrate weisen damit zugleich auch den Verlust an Kaufkraft (oder den Realwertverlust des Geldes) aus, der mit dem prozentualen Kostenanstieg einhergeht. Anhand des repräsentativen Warenkorbs (Index der Verbraucherpreise) des Statistischen Bundesamtes lässt sich aber nicht nur die allgemeine Teuerungsrate abbilden. Die statistischen Daten geben zudem Aufschluss über die Preisentwicklung zentraler Verbrauchsgüter und Dienstleistungen im Einzelnen. Die jährlich erfolgende vergleichende Gegenüberstellung und Auswertung von Wirtschaftsgütern und Dienstleistungen ermöglicht es zum Beispiel ebenso die Teuerungsrate zu ermitteln für
- Lebensmittel und alkoholische Getränke
- alkoholische Getränke und Tabakwaren
- Bekleidung und Schuhe
- Wohnungsmieten, Wasser, Strom und Gas
Im Ergebnis lässt sich auf diese Weise eine genaue Bestimmung des Kaufkraftverlustes für sämtliche Verbrauchsgüter und Dienstleistungen vornehmen, die in den Warenkorb Eingang finden.
Auswirkungen der Inflation auf Geldanlagen
Insbesondere bei Geldanlagen kann sich die Inflation nachteilig auswirken, denn der mit ihr verbundene reale Geldwertverlust kann zu empfindlichen wirtschaftlichen Einbußen führen. Selbst wenn durch die jeweilige Anlageform eine bestimmte Rendite erwirtschaftet werden sollte, schützt das nicht vor möglichen Verlusten, weil die erzielte Gewinnspanne durch den eingetretenen Geldwertverfall aufgezehrt sein kann. Daher bedeutet ein realisierter Zinsertrag nur dann tatsächlich einen finanziellen Gewinn, wenn er um die entsprechende Inflationsrate bereinigt wird und unter dieser Voraussetzung noch einen Vermögenszuwachs darstellt.
Problem und Zusammenhänge lassen sich am besten anhand eines Beispiels aufzeigen. Wurde etwa ein Betrag über 5.000 Euro auf einem durchschnittlich verzinsten Sparbuch im Zeitraum zwischen 2000 und 2006 angelegt, so gestaltet sich die Renditeentwicklung mit Rücksicht auf die Inflationsrate folgendermaßen.
Bei einer zugrunde gelegten Sparbuchrendite von 1,00% und einer Inflationsrate von jeweils
- 1,40% für 2000
- 2,00% für 2001
- 1,40% für 2002
- 1,10% für 2003
- 1,60% für 2004
- 2.00% für 2005
- 1,70% für 2006
wird das Ausmaß des wirtschaftlichen Schadens deutlich, den der Anleger erleidet. In keinem der Anlagejahre erreicht die Rendite seines Investments die betreffende Inflationsrate, so dass er pro Jahr entsprechende Einbußen hinnehmen muss. Summiert ergibt sich im Beispiel eine Geldentwertungsrate von insgesamt 1,60%. Den Anleger trifft demzufolge ein Verlust von 80 Euro, oder anders ausgedrückt, die tatsächliche Rendite der Anlage liegt bei
- -1,60%.
Und das trotz eines nominellen Jahresertrages von 50 Euro auf seinem Sparbuch. Im Ergebnis erbringt die Anlage somit statt der erwarteten 350 Euro Reingewinn einen Verlust von
- 80 Euro,
wenn die Investition in Verhältnis zur Geldentwertung gesetzt wird.
Welche Folgerungen ergeben sich für Geldanlagen?
Das Beispiel hat eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass Rendite nicht gleich Rendite sein muss. Ebenso klar ist geworden, dass Anleger die Nichtberücksichtigung der Inflationsrate bei ihrer Investitionsentscheidung mit fühlbaren finanziellen Verlusten bezahlen. Es gilt deshalb die grundsätzliche Faustregel
Eine Geldanlage macht wirtschaftlich nur dann Sinn, wenn ihre Rendite oberhalb der Inflationsrate liegt. Ist das nicht der Fall, führt die Anlage zwangsläufig zu einem Realverlust des investierten Geldes.
Geldanlagen gegen die Inflation
Als mögliche Alternativen bieten sich Anlegern Tages- und Festgeldkonten an, die derzeit gleich mehrere Vorzüge auf sich vereinen. Sie meiden die Risiken, die ein Einstieg in Aktien oder Fonds auf den nach wie vor extrem schwankungsanfälligen Finanz- und Kapitalmärkten mit sich bringt. So bieten sie sicherheitsorientierten Anlegern beste Aussichten auf Erhalt und Mehrung des eingesetzten Kapitals. Denn auch ihre durchschnittlichen Renditen können sich durchaus sehen lassen: Wenngleich die Niedrigzinspolitik der EZB die Tagesgeldzinsen und Festgeldzinsen hat sinken lassen, liegen die besten Offerten immer noch deutlich über der Inflationsrate, die im Mai 1,22% betrug. Damit haben Tagesgeldkonten und Festgeldanlagen auch klar gegenüber der klassischen Anlageform des Sparbuchs die Nase vorn. Seine durchschnittliche Verzinsung ist seit Jahren marginal und liegt erheblich unter den Renditen von Tages- und Festgeld.
Inflationsindexierte Bundesobligationen und Bundesanleihen
Hält der Anleger Bundeswertpapiere in Form von Bundesobligationen oder Bundesanleihen, so werden sie bei einer Inflation besonders interessant. Gerade Inflationsindexierte Bundesobligationen und Bundesanleihen erhalten durch eine mögliche Inflation einen Renditekick.
Rendite für Tagesgeld und Festgeld
Die attraktivsten Tagesgeldkonten auf dem deutschen Bankenmarkt bewegen sich derzeit im Bereich zwischen 1,6 und 2,1%. Bereinigt um die Inflationsrate, liegt die reale Rendite damit immerhin in einer Spannbreite zwischen 0,38 und 0,88%. Noch günstiger ist die Verzinsung beim Festgeld: Die besten fünf Angebote reichen beispielsweise für zweijähriges Festegeld von 2,26 bis 2,75%. Das entspricht einer Realrendite von 1,04 bis 1,53%.
Stand vom 21.11.2010
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