Rezession und Auswirkungen auf Geldanlagen

Rezession und GeldanlagenDer Begriff Rezession kennzeichnet eine ganz bestimmte Phase der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Diese gesamtwirtschaftliche Entwicklung wird auch als Konjunktur bezeichnet, deren Zustand anhand volkswirtschaftlicher Kennzahlen (wie etwa des Bruttosozialprodukts) gemessen wird. Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung unterliegt gewissen Schwankungen und Ausschlägen, den so genannten konjunkturellen Zyklen. Charakteristisch für diese Zyklen in einer Volkswirtschaft ist der Wechsel von Phasen wirtschaftlichen Aufschwungs mit Zeiten konjunktureller Stagnation oder gar eines Wachstumsrückgangs. Ist ein solcher Stillstand oder Niedergang der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung eingetreten, spricht man von Rezession.

Ab wann kann von Rezession die Rede sein?

Wenn die maßgeblichen volkswirtschaftlichen Bestimmungsgrößen und Einflussfaktoren auf eine nachlassende wirtschaftliche Entwicklung im Land schließen lassen, muss damit nicht in jedem Fall eine Rezession verbunden sein. Eine solche wird nur dann angenommen, wenn in

  • zwei aufeinander folgenden Quartalen

stagnierende oder rückläufige Wachstumsraten (bezogen auf die jeweiligen Vorjahresziffern) zu verzeichnen sind und darüber hinaus folgende für die Rezession kennzeichnende Probleme auftreten

  • Arbeitsplatzabbau und Zunahme von Kurzarbeit infolge schwindender Nachfrage
  • nachlassende Investitionsbereitschaft
  • sinkendes Lohn- und Preisniveau
  • zurückhaltende Kreditvergabe

Typischerweise führen solche rezessiven Erscheinungen zu einer allgemeinen Erschütterung des Vertrauens in die Stabilität einer Volkswirtschaft. Zu den realwirtschaftlichen Problemen gesellen sich deshalb regelmäßig marktpsychologische Folgen. Üblicherweise werden daher in der Rezession die wirtschaftlichen Gesundungsaussichten eher zurückhaltend bis skeptisch beurteilt. Besorgnis und Zweifel insbesondere der professionellen Marktbeobachter wirken sich so erfahrungsgemäß zusätzlich nachteilig auf die Entwicklung der Börsenkurse aus. Die Rezession birgt damit zudem die Gefahr, eine negative Eigendynamik zu entfalten, denn die grundsätzlich pessimistische Einschätzung der Gesamtlage kann dazu verleiten, erste positive Entspannungssignale zu verkennen. Ein Kreislauf der sich selbst erfüllenden Prophezeiung kann so in Gang gesetzt werden und so zu einer weiteren Verschärfung der Rezession führen.

Der Begriff Rezession ist jedoch nur dort am Platze, wo die wirtschaftlichen Stockungen von einer gewissen zeitlichen Dauerhaftigkeit sind. Weisen die volkswirtschaftlichen Messziffern einen konjunkturellen Rückgang aus, der diese zeitliche Erheblichkeitsschwelle nicht erreicht, kann allenfalls von einer

  • drohenden Rezession

gesprochen werden.

Intensivieren sich dagegen die volkswirtschaftlichen Schwierigkeiten, die in die Rezession geführt haben, kann dies in eine

  • Depression

münden. In der Depression erfahren folglich die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen eine weitere Verschlechterung und Zuspitzung. Typische Begleitumstände einer Depression sind

  • nachhaltiger Rückgang des Bruttoinlandsprodukts
  • massiver Anstieg der Arbeitslosigkeit
  • Einbruch der industriellen Auftragslage
  • dadurch bedingte Mangelauslastung der Produktion

Welches sind die Ursachen für eine Rezession?

Die Gründe für ein Abgleiten der Wirtschaft in die Rezession können vielfältig sein, und in der Regel treffen mehrere Fehlentwicklungen zusammen. Häufig kündigt sich eine Rezession durch einen Einbruch der Binnennachfrage an, weil Einkommenseinbußen oder der Verlust des Arbeitsplatzes befürchtet werden. Verbraucher schützen sich gegen die wirtschaftliche Krisensituation durch Bildung von Sparrücklagen und entziehen damit dem Markt ihr Geld. Als Folge des sich abschwächenden Privatkonsums, fehlen entsprechende Nachfrageimpulse mit dem Ergebnis einer sinkenden Gesamtproduktion.

Doch nicht nur das Konsumverhalten der Verbraucher kann rezessionsfördernd sein. Auch auf der produzierenden Seite können bestimmte Erwartungshaltungen sich wachstumshemmend auswirken und schließlich mitverantwortlich sein für den Ausbruch einer Rezession. Bangen Unternehmen und Betriebe um ihren Absatz, weil sie die weitere wirtschaftliche Entwicklung pessimistisch einschätzen, halten sie sich mit Investitionen zurück oder legen Vorhaben auf Eis. Auch auf diese Weise kann die Gesamtproduktion abflauen und die Volkswirtschaft in rezessives Fahrwasser geraten.

Auswirkungen der Rezession auf Geldanlagen

Wie die noch immer andauernde Wirtschafts- und Finanzkrise belegt hat, können rezessive Phasen beträchtliches Verlustpotenzial zulasten privater Anleger entfalten. Das der aktuellen Wirtschaftskrise zum Opfer gefallene Anlegervermögen hat Dimensionen erreicht, die wohl nur noch mit der Geldvernichtung der Weltwirtschaftskrise 1929 verglichen werden können.

Am stärksten betroffen sind dabei spekulative Anlagen wie Aktien, Investmentfonds sowie Zertifikate. Diese Wertpapiere sind in besonderem Maße von der allgemeinen konjunkturellen Entwicklung abhängig. Ähnlich wie die Indizes der Weltleitbörsen (etwa Dow Jones, Nikkei und DAX) positive und negative Konjunkturdaten und Unternehmensnachrichten aufnehmen und abbilden, reagieren auch diese Anlageinstrumente.

Äußern sich diese Schwankungen an den Börsen durch Kursaufschläge und Kursabschläge, nehmen Fonds, Aktien und Zertifikate in Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs an Wert zu und verlieren in rezessiven Phasen an Wert. Als direkte Folge der Finanzkrise haben deshalb viele Aktien und Aktienfonds dramatische Wertverluste erlitten. Inhaber von Zertifikaten hat es besonders hart getroffen, wie das Beispiel der untergegangenen Investmentbank Lehman unter Beweis gestellt hat. Sie haben gleichsam über Nacht einen wirtschaftlichen Totalverlust hinnehmen müssen.

Aber auch Anteilseigner so genannter geschlossener Fonds sind in Mitleidenschaft gezogen worden. Bei ihnen handelt es sich um Investorengemeinschaften, die zur Realisierung eines bestimmten Projekts Anlegergelder einwerben. Geschlossene Fonds bieten ihren Investoren beispielsweise die Beteiligung an Schiffen, Frachtcontainern oder Solaranlagen. Viele dieser Investments sind in der Finanzkrise ebenfalls in Schieflage geraten, weil erwartete Aufträge ausgeblieben sind oder notwendige Kreditmittel auf den Kapitalmärkten nicht mehr beschafft werden konnten. Über den dadurch bedingten eigentlichen Wertverlust ihres Anteils an dem geschlossenen Fonds hinaus sind Anleger nach den vertraglichen Vereinbarungen in einigen Fällen zudem auch noch verpflichtet, Geld für das Projekt in der Krise nachzuschießen.

Welche Geldanlagen empfehlen sich in der Rezession?

In der Krise gilt es, auf Geldanlagen zu setzen, deren Werthaltigkeit möglichst unabhängig von der konjunkturellen Entwicklung ist, während Investments gemieden werden sollten, die unter diesem Vorbehalt stehen. Jedenfalls zum gegenwärtigen Zeitpunkt sollten deshalb auch sämtliche Empfehlungen mit ganz besonderer Vorsicht aufgenommen werden, die zu einem Einstieg in Aktien oder Fonds raten. Der Tenor solcher Anregungen geht regelmäßig dahin, der Einstiegszeitpunkt sei besonders günstig, da mit einer nachhaltigen Erholungsphase zu rechnen sei, die kräftige Kursanstiege erwarten lasse. Verschwiegen wird dabei allerdings, dass die Erholung alles andere gesichert erscheint. Das haben die letzten Monate mit ihren nach wie vor unkontrollierten Kursauschlägen an den Börsen deutlich gezeigt.

Private Anleger, die trotzdem in Aktien und Fonds investieren, müssen daher auch weiterhin mit schwankungsanfälligen Märkten rechnen. Sie sollten sich dieses Risikos bewusst sein und mögliche Rücksetzer einkalkulieren. Bei der Auswahl des Investments sollte sie besonderes Augenmaß bewahren und ihr Geld nach Möglichkeit nicht in spekulativen, sondern besser in defensiven Fonds anlegen. Hier bieten sich in erster Linie konservativ investierende deutsche und europäische Rentenfonds an.

Der sicherheitsorientierte Anleger sollte Aktien und Fonds derzeit allerdings ganz von seiner Liste streichen. Denn wie verlockend auch immer die in Aussicht gestellte Rendite sein mag, die weitere wirtschaftliche Entwicklung ist kaum absehbar. Vorzugswürdig erscheinen daher zum jetzigen Zeitpunkt nach wie vor wirklich sichere Anlagen, die dem Anleger zwar keine traumhaften Gewinne versprechen, aber auch nicht das Risiko finanzieller Verluste bergen.

Als weitgehend rezessionssicher können dabei insbesondere folgende Anlageformen gelten

Sämtliche dieser Investments unterliegen nicht unmittelbar massiven Konjunkturausschlägen wie Aktien, Fonds und Zertifikate. Zwar ist auch ihre Werthaltigkeit in gesamtwirtschaftliche Bezüge eingebettet, ein Verlustrisiko besteht für Bundeswertpapiere, Tagesgeld oder Festgeld sowie Spareinlagen dagegen überhaupt nicht, für Gold und Immobilien in der Regel nur ein sehr begrenztes. Für sämtliche Kapitalanlagen bei deutschen Banken gilt zudem der deutsche Einlagensicherungsfonds, der im Falle eines Zahlungsausfalls eines Kreditinstituts einspringt. Für die Papiere des Bunds bürgt der Staat selbst. Privatanleger sind somit umfassend gegen Geldverlust geschützt und können inflationsbereinigt durchaus ansehnliche Renditen erzielen.

Dabei kann Anlegern derzeit am ehesten zu Tages- und Festgeld geraten werden. Die von der deutschen Finanzagentur angebotene Tagesanleihe verzinst sich augenblicklich lediglich mit 0,52%. Mit Rücksicht auf die Inflationsrate von derzeit 1,22% machen Anleger damit also ein Minusgeschäft. Bis auf wenige Ausnahmen werfen auch Sparbücher nur eine bescheidene Rendite ab. Verschiedene Tages- und Festgeldanlagen warten demgegenüber mit attraktiven Zinskonditionen auf, die auch inflationsbereinigt noch Profit bieten.

Stand vom 22.06.2010

Bildquelle: knipsit / fotolia.de