Kassenpatienten: Facharzttermine innerhalb von vier Wochen

Kassenpatienten: Facharzttermine innerhalb von vier Wochen

Kalender mit Arzteintrag

Das lange Warten auf einen Facharzttermin könnte bald ein Ende haben. Dank neuer Servicestellen sollen gesetzlich Krankenversicherten zukünftig innerhalb von vier Wochen ein Termin beim Facharzt vermittelt werden.

Terminservicestellen nehmen Arbeit auf

Anfang der Woche haben die neuen Terminservicestellen der regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) ihre Arbeit aufgenommen. Sie sollen dafür sorgen, dass gesetzlich Krankenversicherte zukünftig nicht länger als vier Wochen auf einen Termin bei einem Facharzt warten müssen. Patienten können sich telefonisch an die Servicestelle ihres Bundeslandes wenden.

Eine Übersicht bietet die Kassenärztliche Bundesvereinigung auf ihrer Webseite (http://www.kbv.de/html/432.php).

Routineuntersuchungen und Bagatellerkrankungen ausgenommen

Der neue Service soll allerdings ausdrücklich nur dann in Anspruch genommen werden, wenn es sich um eine dringliche Überweisung handelt. Daher sind von der neu eingeführten Vier-Wochen-Frist insbesondere Routineuntersuchungen und Bagatellerkrankungen explizit ausgenommen. Außerdem steht der Vermittlungsservice nicht zur Verfügung, wenn ein

  • Zahnarzt
  • Kieferorthopäde oder
  • Psychotherapeut
  • Hausarzte
  • Kinder- und Jugendarzt

aufgesucht werden soll.

Spezielle Überweisung erforderlich

Um den Service in Anspruch nehmen zu können, muss der Patient gesetzlich krankenversichert sein und von seinem Hausarzt oder einem anderen überweisenden Arzt eine speziell gekennzeichnete Überweisung haben. Diese ist mit einem Code versehen, der bei der späteren Terminierung benötigt wird.

Eine Ausnahme hiervon besteht allerdings bei Terminen bei Augen- und Frauenärzten. Hierfür ist keine Überweisung zur Terminvereinbarung über die Servicestelle notwendig.

Wie funktionieren die Servicestellen?

Patienten müssen sich zunächst telefonisch an die zuständige Servicestelle wenden. Als Berechtigungsnachweis muss der Patient bei der telefonischen Vermittlung übrigens den Code auf der Überweisung nennen.

Terminvorschlag kann bis zu einer Woche dauern

Die Servicestellen informieren den Patienten nun innerhalb von einer Woche über den genauen Facharzttermin. Kann ein Termin bei einem niedergelassenen Facharzt nicht angeboten werden, versuchen die Servicestellen, auf von Krankenhäusern gemeldete Termine für ambulante Behandlungen zurückzugreifen.

www.meinfacharzttermin.de ab April 2016

Ab April 2016 soll zudem eine Terminbuchung über das Internet möglich sein. Nach den Plänen der KV sollen Patienten dann unter www.meinfacharzttermin.de die Leistungen de Servicestellen nutzen können.

Ärzte melden freie Termine

Damit überhaupt Termine vermittelt werden können, melden Ärzten ihre freien Kapazitäten, die anschließend in einer Datenbank erfasst werden. Kann ein Patient einen Termin nicht wahrnehmen, meldet er dies der Servicestelle und dem jeweiligen Facharzt. Übrigens, wenn Patienten einen Termin nicht am gleichen Tag absagen, ist die Servicestelle nicht verpflichtet, einen neuen Termin anzubieten.

Keine Vermittlung von Wunschterminen beim Wunscharzt

Die Servicestellen können generell keine Wunschtermine bei einem bestimmten Arzt anbieten. Vielmehr werden Patienten an Fachärzte vermittelt, die im jeweiligen Zeitraum noch Kapazitäten haben. Hinzu kommt, dass für den Weg zum Facharzt unter Umständen mehr Zeit eingeplant werden muss.

Termine selbst vereinbaren

Natürlich steht es Patienten auch weiterhin frei, sich selbst um einen Termin beim Facharzt zu kümmern bzw. die Hilfe des Hausarztes bei der Vermittlung in Anspruch zu nehmen.

Eine Übersicht der Fachärzte findet sich auf der Webseite der KV (http://www.kbv.de/html/arztsuche.php) und der App „BundesArztsuche“ (http://www.kbv.de/html/BundesarztsucheApp.php), die für iOS und Android Geräte zur Verfügung steht.

Kritik von Kassenärztlicher Vereinigungen

Kritik an der Einführung der Servicestellen kommt insbesondere von den Kassenärztlichen Vereinigungen selbst. Mark Barjenbruch, Vorstandsvorsitzer der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsens sieht in der Schaffung der Terminservicestellen „lediglich einen hohen finanziellen und bürokratischem Aufwand“ und nur einen geringen praktischen Nutzen. Eckhard Starke von der KV Hessen betont, „dass nicht die Zahl vermeintlich zu wenig zur Verfügung stehender Termine das Problem ist, sondern das Verhalten vieler Patienten“. Laut KV Hessen wurden im vergangen Jahr mehre Zehntausend Arzttermine bei Augenärzten, Gynäkologen oder Orthopäden nicht wahrgenommen und auch nicht abgesagt.

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