Trotz Aufschwung

Armut in Deutschland – Schere reißt weiter auf

Den Begriff Armut nehmen viele Verbraucher als Stigma wahr und siedeln ihn eher im 19. und frühen 20. Jhr. an. Allerdings existiert Armut auch im Deutschland des 21. Jahrhunderts und wird zu einem immer größeren Problem. Denn wie aus einem aktuellen, am 21. Dezember 2011, veröffentlichten Bericht hervorgeht, geht die Schere in Deutschland trotz wirtschaftlich gut laufender Konjunktur immer weiter auf.

Als besonders gravierend empfindet der Paritätische Wohlfahrtsverband in seinem Armutsbericht 2011 vor allem die Tatsache, dass einige Regionen in den alten Bundesländern den Osten diesbezüglich bereits ein- und überholt haben. Besonders dramatisch ist die Situation im Ruhrgebiet, wo in einigen Kommunen fast jeder Fünfte am Tropf von Hartz 4 hängt.

Armutsquote geht nicht zurück

Im vergangenen Jahr hielt der Armutsbericht eine Quote von 14,5 Prozent für den bundesdeutschen Durchschnitt fest. Für das laufende Jahr kommt der Paritätische Wohlfahrtsverband – trotz voller Auftragsbücher – wieder auf einen ähnlich hohen Wert. Wer gilt hierzulande als arm? Als Definitionsgrundlage werden 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens herangezogen, was für Singles zum Beispiel bei 826 Euro liegt.

Deutliche regionale Unterschiede in der Armutsquote

Zwar macht der Bericht im Gesamtergebnis eine stagnierende Entwicklung aus. Regional sind die Unterschiede aber teilweise deutlich. Während sich zum Beispiel in Thüringen die Quote von 19,9 auf 17,6 Prozent deutlich nach unten bewegt hat, gibt es am anderen Ende der Skala auch Schlusslichter – wie Nordrhein-Westfalen. Das bevölkerungsreichste Bundesland hat sich in der Armutsstatistik verschlechtert, die Quote ist um 14 Prozent nach oben geklettert.

Als eine Ursache für die Armutsproblematik sehen Experten den Bezug von Hartz 4 an. Für Veränderungen bei den hier geltenden Regelsätzen macht sich unter anderem Ulrich Schneider vom Paritätischen Wohlfahrtsverband stark.

Diese Themen könnten Sie auch interessieren

  • Über 12 Millionen Deutschen droht die Armut
  • Jeder 2. Rentner will länger arbeiten
  • Jeder 6. Deutsche lebt in Armut
  • Verbraucher sehen Vorstandssaläre kritisch
  • Verbraucher gegen Senkung des GKV-Beitrags
  • Rente: Jeder 5. rechnet mit weniger als 30% des Einkommens
  • Selbständigen droht die Zwangs-Altersvorsorge
  • Hartz-IV-Empfänger haben Anspruch auf Datenschutz
  • Das Schreckgespenst Inflation nimmt Gestalt an
  • Arbeiten gehen lohnt sich nicht