Deutschland: Export-Europameister mit geringstem Lohnanstieg
Obwohl Deutschland nach der Wirtschaftskrise zur wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaft in der Eurozone aufgestiegen ist und Finnland die Spitzenposition abgejagt hat, steigen die Löhne der deutschen Arbeitnehmer kaum. Deutschland ist Export-Europameister und zugleich Meister in der Lohnzurückhaltung.
In den vergangenen zehn Jahren sind in kaum einer anderen europäischen Volkswirtschaft die Bruttolöhne und -gehälter so langsam gestiegen, wie in der Bundesrepublik. Vergleicht man das Jahr 2000 mit dem ersten Quartal 2010 so stiegen die Löhne in Deutschland lediglich um 21,8 Prozent, während in der gesamten EU die Löhne um stolze 35,5 Prozent zugelegt haben, so das Statistische Bundesamt in Wiesbaden.
Den größten Zuwachs hatte Rumänien mit einem Gehaltszuwachs von knapp 560 Prozent. Nicht nur die Gewerkschaften, sondern auch viele Ökonomen und die Bundesregierung fordern ein Ende der Bescheidenheit. Experten sehen in der deutschen Lohnzurückhaltung einen Schaden für die europäische Wirtschaft. Die exportorientierte Industrie mit geringem Lohnzuwachs und günstigen Produkten war konkurrenzlos gegenüber anderen Ländern der EU. Probleme liegen vor allem in der Ausweitung des Niedriglohnsektors und der Leiharbeit. Zugleich liegt Deutschland bei den Lohnnebenkosten mit 9,3 Prozent Zuwachs in den zurückliegenden zehn Jahren deutlich unter dem EU-Schnitt von 38,5 Prozent.

