Gibt es die Kredit-Krise gar nicht?
Auf Bundesebene werden die Politiker der Koalition nicht müde, von einer vermeintlichen Kreditklemme zu sprechen.
Diese sorge dafür, dass sowohl Unternehmen als auch die Verbraucher inzwischen angeblich nur noch selten ohne weiteres an einen Kredit bei den Banken gelangen. Für dieses Verhalten trotz des ersten Konjunkturprogramms rügt die Regierung die Kreditinstitute scharf.
Doch dennoch bemüht sich die Große Koalition um zusätzliche Maßnahmen, zum Beispiel über die mögliche Umsetzung eines Deutschlandsfonds, der Unternehmen direkt über Bürgschaften oder Aktienkäufe Kredite bringen soll. In stärkerem Maße hat der Staat niemals zuvor in die Binnen-Wirtschaft eingegriffen.
Dabei ist gar nicht sicher, ob es die Kreditkrise in dieser Form wirklich gibt, oder ob sie doch eher ein Gedankenkonstrukt der Unternehmensverbände ist. Dass die Umsetzung über staatliche Beteiligungen nichts anderes ist als eine Verstaatlichung auf dem Umweg über Kredite, wird dabei gerne ignoriert. Früher wären die Klagen über ein solches Vorgehen groß gewesen.
Aus dem Bundesbank-Vorstand heißt es unter anderem, es gebe zwar mitunter Schwierigkeiten mit Refinanzierungen bei Unternehmen. Aber auch vor der Krise war es kaum so, dass ausnahmslos jeder Kredit bewilligt worden ist. Vielmehr sieht mancher Experte in den Beschwerden über die Banken, die angeblich auf ihrem Geld vom Staat sitzen und sich nicht einmal untereinander trauen, ein grundsätzliches Beklagen, bei dem nicht immer ein wirklicher rationaler Grund vorliegt. Im November jedenfalls ist das Volumen der Kredite insgesamt um deutlich mehr als 5 Prozent gestiegen.

