GKV: Defizite trotz geplanter Mehreinnahmen
Der kranke Mann am Bosporus – ein Bild, das heute wieder Parallelen findet. Nur, dass es diesmal nicht um das Spiel der Großmächte geht, sondern die gesetzliche Krankenversicherung. Seit Meldungen über ein Defizit in zweistelliger Milliardenhöhe die Runde machen, sind viele Mitglieder der Kassen verunsichert.
Die gute Nachricht daher zuerst. In den Augen der Bundesbank fällt das Defizit wesentlich niedriger aus als erwartet. Für dieses Jahr wäre sogar ein Überschuss im Gesundheitsfonds denkbar. Dies geht zumindest aus einem „Handelsblatt“- Bericht hervor. Gleichzeitig fiele das Etatminus im kommenden Jahr geringer aus. Grund: Die anziehende Konjunktur spült höhere Beitragseinnahmen in die Kassen – bei sinkenden Ausgaben.
Zusatzbeiträge weiter Zündstoff
Trotzdem, die Zusatzbeiträge bleiben weiter Zündstoff. Denn aktuelle Zahlen machen deutlich, dass die Zahlungsmoral der Versicherten zu wünschen übrig lässt. Basis sind Daten der DAK (Deutsche Angestellten-Krankenkasse), die belegen, dass 10% der angestellten Beitragszahler den Zusatzbeitrag verweigern. Mit mehr als einem Drittel sind die Ausfälle bei ALG-I-Empfängern noch höher. Die Spitze des Eisbergs bilden mit mehr als fünfzig Prozent Hartz-IV-Bezieher. Spinnt man den Gedanken weiter und geht ins Jahr 2012, für das mit flächendeckenden Zusatzbeiträgen gerechnet wird, ergibt sich eine Finanzierungslücke von rund einer halben Milliarde Euro. Experten rechnen damit, dass selbst das angekündigte Zwangsgeld daran nur wenig ändert.

