Großbritannien verharrt in der Krise
Während das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in der Bundesrepublik Deutschland im zweiten Quartal 2009 überraschend um 0,3 Prozent gestiegen ist und die Rezession damit überwunden wurde, gehört Großbritannien nach wie vor zu den Ländern, in denen rote Zahlen das Tagesgeschäft prägen. Die Bank of England verkündete erneut einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,8 Prozent. Im Vergleich zum ersten Quartal, das mit minus 2,4 Prozent zu Buche schlug, geht es allerdings langsam bergauf. Notenbankchef Mervyn King sieht erste Anzeichen für eine Erholung, relativierte diese Aussage aber sofort: Die britische Wirtschaft werde noch längere Zeit in einer schwierigen Phase verharren. Dass ein erneuter Einbruch droht, hält er hingegen für unwahrscheinlich.
Arbeitslosigkeit steigt
Die Auswirkungen der Rezession lassen sich in Großbritannien besonders deutlich an den Arbeitslosenzahlen ablesen. Im Juli waren 1,6 Millionen Briten ohne Job. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 4,9 Prozent, die zuletzt vor zwölf Jahren erreicht wurde. Mervyn King sieht auch in naher Zukunft kein Ende der Entlassungen. Hätten Regierung und Notenbank nicht rechtzeitig eingegriffen, ständen Hochrechnungen zufolge weitere 500.000 Menschen auf der Straße. In Deutschland hat das Prinzip Kurzarbeit einen so deutlichen Negativ-Trend am Arbeitsmarkt verhindern können.
Leitzins auf historischem Tief
Die Bemühungen, die Wirtschaft in England wieder anzukurbeln, konzentrieren sich vornehmlich auf den Leitzins, der aktuell auf einem historischen Tief von 0,5 Prozent steht, und den Aufkauf von Wertpapieren. Das Investitionsvolumen beträgt inklusive der Aufstockung, die Anfang August beschlossen wurde, rund 175 Milliarden Britische Pfund. Gekauft wurden Staats- und Unternehmensanleihen sowie Commercial Papers. Sämtliche Maßnahmen sind langfristig ausgelegt und erfolgen vor allem mit Blick auf die Teuerungsrate. Anfang 2010 soll es dann wieder bergauf gehen. Dabei ruhen die Hoffnungen auf den Exportmärkten und deren positiver Entwicklung.
Finanzmärkte stabilisieren sich
An den britischen Finanzmärkten haben sich die Spannungen ein wenig gelöst und scheinen auch die Finanzierungsbedingungen wieder etwas besser zu sein. Von einer Bankenkrise ist auf der Insel jedenfalls nicht die Rede. Das ist insbesondere für Anleger entscheidend, die ihr Kapital in ein britisches Tagesgeldkonto oder die Festgeldanlage einer englischen Bank investiert haben. Anzeichen dafür, dass die Einlagen nicht sicher sind, gibt es keine. Geschützt ist das Kapital über die gesetzliche Einlagensicherung. Sie beträgt in Großbritannien 50.000 Britische Pfund zu 100 Prozent. Das entspricht in etwa der gesetzliche Absicherung in der Bundesrepublik, liegt aber deutlich unter dem, was die privatwirtschaftlichen „Fangnetze“ deutscher Banken garantieren.

