Rente mit 67
Immer mehr Arbeitnehmer über 60
Die Einführung der Rente mit 67 ist umstritten. Besonders die Tatsache, dass in der Altersgruppe der 60- bis 64-Jährigen lange Zeit die Erwerbstätigkeit niedrig war, wird als Argument gegen die Rente mit 67 ins Feld geführt. Ursula von der Leyen, Deutschlands Arbeitsministerin, DGB-Chef Michael Sommer und Otto Kentzler haben jetzt einen Bericht vorgelegt, der genau dieses Argument entkräften soll. Allerdings ist der Bundesarbeitsministerin bei genauem Hinschauen dieses Ziel nur zum Teil gelungen.
Erwerbstätigenquote steigt auf 40,8 Prozent
Wie Ursula von der Leyen stolz verkündet hat, ist die Zahl der Erwerbstätigen in den letzten Jahren deutlich gestiegen – und zwar auf 40,8 Prozent. Im Vergleich zum Jahr 2000, als die Quote bei gerade einmal 19,9 Prozent lag, ein beachtlicher Erfolg. Was allerdings an den aktuellen Zahlen kritisiert wird, ist die Tatsache, wie diese zustande kommen.
Aufpolierte Statistik
Denn das Ministerium von Ursula von der Leyen berücksichtigt hier nicht nur die Erwerbstätigen in sozialversicherungspflichtigen Vollbeschäftigungen, sondern auch Selbständige und Mini-Jobber. Werden diese aus der Statistik herausgerechnet, schrumpfen die Erfolge am Arbeitsmarkt deutlich zusammen – auf eine Erwerbstätigenquote von 27,5 Prozent.
Damit wäre nicht einmal jeder Dritte zwischen 60- und 64 Nutznießer einer sozialversicherungspflichtigen Vollbeschäftigungen, mit der er Anteile für die gesetzliche Rente in nennenswertem Umfang erarbeiten kann.
Ältere Arbeitnehmer lohnen sich
Damit die Rente mit 67 nicht zu einer versteckten Rentenkürzung führt, muss also noch viel getan werden. Eine Möglichkeit sind in den Augen der Arbeitsministerin sogenannte Langzeitkonten. Hier können Arbeitnehmer Stunden einzahlen, um sich Pausen oder ein früheres Ausscheiden gönnen zu können.
Die Frage bleibt aber, wieviel Stunden sich auf den Konten befinden müssen. Zudem ist dieses Modell bisher nicht weit verbreitet. Kein Wunder also, dass DGB-Chef Michael Sommer die Zahlen mit gemischten Gefühlen sieht. In einem sind sich die Beteiligten aber einig: Unternehmen profitieren von älteren Arbeitnehmern. Eine Ansicht, die auch von einer Studie gestützt wird, die für jedes Prozent älterer Beschäftigter ein Plus von 0,5 Prozent bei der Produktivität sieht.

