Wechsel zur PKV

Wer kann sich privat versichern?

Wechsel zur PKV

Steigende Kassenbeiträge und ein abnehmender Leistungskatalog lassen viele Bürger an der Qualität der gesetzlichen Krankenkassen zweifeln. Kein Wunder, dass sich immer mehr Menschen für einen Wechsel in die private Krankenversicherung interessieren. Doch nicht jeder darf uneingeschränkt von der gesetzlichen zur privaten Krankenversicherung wechseln.

Oftmals versperrt eine Pflichtmitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung den Weg zur PKV. Für den Wechsel in die PKV muss der Versicherte je nach Berufsstand unterschiedliche Voraussetzungen erfüllen.

PKV Voraussetzungen für Angestellte

Bei einem Angestellten ist die Möglichkeit sich privat zu versichern nur dann gegeben, wenn er über ein ausreichend hohes Einkommen verfügt. Dazu muss das jährliche Bruttoeinkommen eines Angestellten die Versicherungspflichtgrenze überschreiten (in 2017: 4.800 EUR monatlich / 57.600 EUR jährlich). Für Angestellte, deren Einkommen unterhalb dieser Grenze liegt, besteht nämlich eine Pflichtmitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung.

Weiterhin reicht es jedoch nicht aus, wenn der Versicherte einmalig mit seinem Bruttoeinkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze liegt. Vielmehr müssen die Einkünfte des Versicherten in 12 aufeinander folgenden Monaten diese Grenze überschritten haben. Wenn ein Angestellter im Januar 2018 in die PKV wechseln möchte, muss sein Jahreseinkommen im gesamten Jahr 2017 durchgehend oberhalb der Versicherungspflichtgrenze liegen. Zusätzlich muss der Versicherungsnehmer auch noch eine Kündigungsfrist von zwei Monaten beachten. Diese beginnt im Folgemonat, nachdem die Kündigung eingereicht wurde.

PKV Voraussetzung für Berufseinsteiger

Berufseinsteiger müssen diese Frist von 12 Monaten nicht erfüllen, da für sie eine Sonderregelung gilt. Ist bereits bei der Einstellung des Berufseinsteigers abzusehen, dass das Gehalt die JAEG von 57.600 Euro in 2017 überschreiten wird, kann sich dieser sofort privat versichern. Eine Versicherungspflicht in der GKV tritt nicht ein.

PKV Voraussetzungen für Selbstständige

Im Gegensatz zu den Angestellten ist bei Selbstständigen und Freiberuflern, der Wechsel in die PKV an keine Bedingungen geknüpft. Sie können jederzeit unabhängig von der Höhe ihres jährlichen Einkommens ihre freiwillige Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenkasse beenden, um sich stattdessen privat zu versichern.

Allerdings müssen auch Selbstständige und Freiberufler, die ihre freiwillige Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenkasse beenden wollen, eine Kündigungsfrist von zwei Monaten berücksichtigen. Die Kündigungsfrist startet wiederum in dem folgenden Monat, nachdem die Kündigung ausgesprochen wurde. Wenn die Kündigung beispielsweise zum 19. September dieses Jahres erfolgt, so kann der Versicherungsnehmer frühestens zum 1. Dezember dieses Jahres in die PKV eintreten.

PKV Voraussetzungen für Beamte

Eine Sonderrolle unter den abhängig Beschäftigten nimmt die Berufsgruppe der Beamten ein. Genauso wie bei den Selbstständigen, besteht auch bei Beamten keine Pflichtmitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung. Sie haben unabhängig von der Höhe ihres Einkommens jederzeit die Möglichkeit in die PKV einzutreten. Die Versicherungsgesellschaften bieten sogar PKV Tarife speziell für Beamte an.

Diese sogenannten Beihilfetarife sind wesentlich günstiger. Grund dafür ist, dass der Dienstherr des Beamten keinen Arbeitgeberzuschuss zur Krankenversicherung leisten muss. Stattdessen beteiligt er sich anteilig an den anfallenden Krankheitskosten. Diese Kostenersparnis geben die Versicherungsgesellschaften in Form niedrigerer Versicherungsbeiträge an Beamte weiter.

PKV Voraussetzungen für Studenten

Für Studenten, die sich an einer staatlich anerkannten deutschen Hochschule einschreiben möchten, besteht

  • grundsätzlich eine Versicherungspflicht.

Viele Studenten sind jedoch noch über ihre Eltern beitragsfrei familienversichert. Liegt keine Familienversicherung vor, hat der Student nach der Einschreibung (bzw. nach Ablauf der Familienversicherung) drei Monate Zeit, um sich zu entscheiden, ob er in die private oder die gesetzliche Krankenversicherung eintreten will.

Wenn der Studierende sich privat versichern möchte, so muss er innerhalb dieses dreimonatigen Zeitraums eine

  • Befreiung von der gesetzlichen Versicherungspflicht

beantragen. Diese Entscheidung ist für die verbleibende Studiendauer bindend.

Wer sich für den Eintritt in die PKV für Studenten entscheidet, kann von speziellen Studententarifen der Versicherungsgesellschaften profitieren. Zudem sind studierende Beamtenkinder, solange noch eine Kindergeldberechtigung besteht, weiterhin beihilfeberechtigt.

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Aufnahme in die PKV

Aber auch wenn der Versicherte die beruflichen Voraussetzungen für einen Wechsel in die PKV erfüllt, ist ihm die Aufnahme dennoch nicht sicher. Die privaten Versicherungsgesellschaften verlangen vor der Aufnahme in der Regel eine Gesundheitsprüfung vom Versicherungsnehmer. Dabei wird der gesundheitliche Zustand des zukünftigen Versicherungsnehmers auf mögliche Vorerkrankung durchleuchtet, damit die Versicherungsgesellschaft das finanzielle Risiko besser kalkulieren kann. Je nach Ergebnis kann der Versicherer entweder die Aufnahme verweigern oder einen Zuschlag auf die monatlichen Beiträge erheben.

Aufnahmepflicht nur im Basistarif

Ein Anspruch auf Aufnahme besteht lediglich für den PKV Basistarif, den jede Versicherungsgesellschaft anbieten muss. Beim Basistarif werden die monatlichen Beiträge unabhängig vom gesundheitlichen Zustand des Versicherten festgelegt. Maximal darf die Versicherungsgesellschaft den Höchstsatz der GKV verlangen. Allerdings entsprechen die Leistungen in diesem Basistarif dabei weitgehend den Leistungen, die auch von den gesetzlichen Krankenkassen angeboten werden. Auf das erweiterte Leistungsspektrum der PKV muss der Versicherungsnehmer dagegen verzichten. Deshalb lohnt sich ein Wechsel von der GKV direkt in den Basistarif der PKV in den meisten Fällen nicht.

Kündigung der bestehenden Krankenversicherung

Wenn sich der Versicherte zum Wechsel in die PKV entschlossen hat, muss er seine Mitgliedschaft in der GKV kündigen. Hierbei ist eine Kündigungsfrist einzuhalten. Diese beträgt zwei Monate und startet in dem Monat, der auf die Aussprache der Kündigung folgt. Wenn ein Versicherter z.B. seine

  • Mitgliedschaft in der GKV zum 20.08 kündigt, endet diese zum 01.11.

Nach Eingang der Kündigung muss die bisherige Krankenkasse dem Versicherten

  • innerhalb von zwei Wochen eine Kündigungsbestätigung

zukommen lassen. Die Kündigung wird allerdings nur dann wirksam, wenn der Versicherte

  • innerhalb der Kündigungsfrist den zukünftigen privaten Versicherungsschutz nachweisen

kann. Der Gesetzgeber will dadurch verhindern, dass jemand plötzlich ohne Versicherungsschutz dasteht.

Die Kündigungsbestätigung muss zusammen mit dem Aufnahmeantrag an die neue Versicherung übermittelt werden. Die neue Mitgliedsbescheinigung kann von der privaten Krankenkasse nämlich erst dann ausgestellt werden, wenn eine Kündigungsbestätigung der bisherigen Krankenkasse vorliegt. Um den Versicherungswechsel abzuschließen, muss der Versicherte dann die neue Mitgliedsbescheinigung seinem Arbeitgeber vorlegen.

In einigen Fällen entfällt die Kündigungsfrist

Versicherungspflichtige Angestellte, die nach Ablauf der zwölfmonatigen Frist zum Jahresbeginn erstmals versicherungsfrei werden, haben innerhalb von zwei Wochen die Möglichkeit ihre Mitgliedschaft in der GKV rückwirkend zum 01.01 zu beenden. Selbstständige, die ihre Tätigkeit neu aufgenommen haben, haben innerhalb der ersten drei Monate die Möglichkeit ohne Einhaltung der Kündigungsfrist in die PKV zu wechseln. Auch Arbeitnehmer, die erstmals beihilfeberechtigt werden, müssen keine Kündigungsfrist beachten.

Besonderheiten bei GKV Wahltarifen

Aufpassen sollte man bei den Wahltarifen der gesetzlichen Krankenkassen. Wer einen solchen Tarif abgeschlossen hat, ist nämlich drei Jahre vertraglich an die GKV gebunden.

Wartezeiten bei der PKV

Bevor man die Leistungen der PKV nach dem Eintritt erstmals in Anspruch nehmen kann, sind oftmals Wartezeiten zu beachten. Dabei unterscheidet man zwischen der allgemeinen Wartezeit, die drei Monate dauert und der besonderen Wartezeit, die eine Dauer von acht Monaten hat. Die allgemeine Wartezeit gilt für alle allgemeinen Krankheitskosten. Die besondere Wartezeit bezieht sich auf Entbindungen, zahnärztliche und kieferorthopädische Behandlungen, Zahnersatz sowie Psychotherapien.

Diese Wartezeiten stellen bei einem Wechsel von der GKV in die PKV in der Regel jedoch kein Problem dar. Denn bei einem lückenlosen Übergang von der GKV in die PKV wird die in der gesetzlichen Krankenkasse verbrachte Vorversicherungszeit auf die Wartezeit angerechnet. Darüber hinaus hat der Versicherte auch noch die Möglichkeit, einen Verzicht auf Wartezeiten bei der Versicherung zu beantragen.

Dazu muss er dem Versicherer in der Regel ein ärztliches Gutachten, das den persönlichen Gesundheitszustand bescheinigt, vorlegen.

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Wechsel zur PKV – Drum prüfe, wer sich ewig bindet

Jede Entscheidung für eine private Krankenversicherung (PKV) oder für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) sollte individuell abgewogen werden. Dafür ist es wichtig, sich nicht nur mit aktuell vorteilhaften PKV-Angeboten, sondern eben auch mit zukünftigen Entwicklungen in punkto Beitragsstabilität und eigenen Einkommensszenarien auseinanderzusetzen.

Sicher, auf den ersten Blick sieht es mitunter verlockend aus: Geringere monatliche Abzüge dank günstigerer Beiträge für eine Private Krankenversicherung. Zumal, wenn man jung, gesund und aktiv ist, sich bewusst ernährt, oder in seine berufliche Karriere mit guten Perspektiven startet. Doch in jedem Fall empfiehlt es sich, genauer hinzuschauen, bevor man aus der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zu einer privaten Alternative wechselt. Schließlich führt diese Entscheidung langfristig zu Konsequenzen, vor allem in finanzieller Hinsicht.

Dabei geht es um mehr, als nur um Sonderbehandlung, Zahnersatz, Facharzttermine oder Einzelzimmer. Zumal sich diverse Leistungen auch mittels separater Zusatzversicherungen abdecken lassen. Und jeder, der eine Familie gründen möchte, sollte sich im Klaren darüber sein, dass dies auch in punkto Krankenversicherungspflicht Konsequenzen hat: Während es in der GKV die Möglichkeit kostenfreier Mitversicherung für Ehepartner und Kinder gibt, müssten in der PKV für jedes Familienmitglied separate Beiträge gezahlt werden – eine Familienversicherung wird nicht angeboten.

Es sollten also wesentliche Punkte beachtet werden, von denen in der Regel nichts in den vermeintlich so attraktiven Tarif-Offerten der privaten Krankenversicherer steht. Insofern können dieser Beitrag und ein Vergleich zwischen ausgewählten GKV- und PKV-Leistungsmerkmalen wichtige Entscheidungshilfen geben.

Punkt 1: Steigende Gesundheitskosten

Wir Deutschen werden älter. Wir leben länger. Damit werden zukünftig weiter steigende Kosten für die Gesundheit, Medikamente und Hilfsmittel oder die Pflege verbunden sein. Während diese Kosten in der gesetzlichen Krankenversicherung auf einer breiteren Basis gestemmt werden können, ist dieses Solidarprinzip in einer privaten Krankenkasse schon allein aufgrund der Mitgliederzahlen begrenzt. Eine mögliche Folge: Diese Kassen müssen ihre Beiträge entsprechend an ihre Ausgaben anpassen. Für Privatversicherte sind damit erfahrungsgemäß Beitragserhöhungen verbunden.

Punkt 2: Die Beitragsentwicklung

Die zukünftige Beitragsentwicklung ist kaum kalkulierbar. Zu viele Faktoren spielen dabei eine Rolle – dies gilt sowohl für privat wie für gesetzlich Versicherte. Zwar bilden die privaten Kassen aus den Beiträgen ihrer Mitglieder so genannte Altersrückstellungen, um mögliche Beitragsbelastungen im Alter abzufangen. Doch ob und in welchem Umfang dies gelingt, hängt unter anderem von der jeweiligen Krankenkasse ab (siehe dazu auch Punkt 3). Immer wieder jedoch gibt es Berichte von älteren Privatversicherten, die kaum oder nicht mehr in der Lage sind, die steigenden Beiträge zu finanzieren. Ihnen bleibt dann meist nur die Wahl, in einen günstigeren Basistarif ihrer Kasse zu wechseln, der dann allerdings auch mit einem reduzierten Leistungsumfang verbunden ist.

Doch auch die gesetzlichen Krankenversicherungsbeiträge können steigen, zumal sich laut aktuellen Zahlen bei diesen Versicherungsträgern im ersten Halbjahr 2015 bereits ein Minus von einer halben Milliarde Euro abgezeichnet hat. Diese Lücke dürfte demnächst geschlossen werden. Auszugehen ist davon, dass dies im Zuge von Beitragserhöhungen erfolgt, die aufgrund einer Deckelung des Arbeitgeber-Anteils derzeit noch ausschließlich von der Versicherten zu leisten wäre.

Punkt 3: Die Beitragsstabilität

Unabhängige Rating-Agenturen prüfen kontinuierlich, wie es bei den privaten Krankenkassen in punkto Kosten, Solidität und Wachstum aussieht. Eine aktuelle Bewertung durch die Experten von  Morgen & Morgen brachte kürzlich zum Vorschein, dass elf private Krankenversicherer in mancher Hinsicht schwächeln. Hier sollten potentielle Kunden also besonders genau hinschauen, da von der Wirtschaftlichkeit dieser Unternehmen die zukünftige Beitragsentwicklung maßgeblich beeinflusst wird. Dies gilt explizit in Zeiten der anhaltenden Niedrigzinsphase, die es den Krankenkassen erschwert, Gewinne zu erwirtschaften oder gebildete Rücklagen attraktiv anzulegen.

Die gesetzlichen Krankenkassen wiederum unterliegen zahlreichen Regularien, zu denen sowohl der gesetzlich verbindliche Beitragssatz sowie jährlich neu festgelegte Beitragsbemessungsgrenzen zählen. Dennoch kann hinsichtlich der GKV-Beitragsstabilität keine aussagekräftige Prognose für künftige Beitragssätze gemacht werden, zumal hierbei die konjunkturelle Lage stets eine wichtige Rolle spielt.

Punkt 4: Teilhabe am medizinischen Fortschritt

Eines der Hauptargumente der privaten Krankenkassen ist das Versprechen einer qualitativ hochwertigen medizinischen Versorgung: ob schnellerer Zugang zu Fachärzten, Chefarztbehandlung oder modernste Behandlungsmethoden. Privatversicherte bekommen den medizinischen Fortschritt durchaus komfortabler als GKV-Versicherte zu spüren. Die Frage ist nur, ob dieser Vorteil ausreicht, um sich für eine PKV zu entscheiden, zumal die Teilhabe am medizinischen Fortschritt auch für GKV-Versicherte gewährleistet ist, wenngleich auch in – zugegebenermaßen – bescheidenerem Umfang. Doch das allgemeine Versorgungsniveau in Deutschland dürfte ausreichen, um auch als gesetzlich Versicherter jederzeit eine bedarfsgerechte medizinische Behandlung zu erhalten. Zudem ließen sich individuell gewünschte Extras durch Zusatzversicherungen „einkaufen“.

Punkt 5: Politische Unwägbarkeiten

Die gesetzliche Krankenversicherung zählt zu den Pfeilern unseres Sozialsystems. Unabhängig von  zukünftigen sozialen oder gesellschaftlichen Szenarien ist davon auszugehen, dass das Prinzip der gesetzlichen Krankenversicherung fortbestehen wird, wenngleich auch mit schwankenden Beitragsentwicklungen. Dazu kommen anhaltende Unwägbarkeiten, inwieweit die PKV durch staatliche Regularien im Zuge etwaiger politischer Wechsel ein zukunftsfähiges Konzept bleiben kann. Zumal es immer wieder Bestrebungen aus politischen Lagern gibt, die PKV als berechtigtes Gesamtmodell in Frage zu stellen.

Fazit

Je langfristiger der Versicherungshorizont und je individueller der Versorgungswunsch ausgeprägt ist, desto mehr empfiehlt es sich, wichtige Aspekte ausreichend zu berücksichtigen. Dabei spielt das Thema Beitragsentwicklung wohl die entscheidende Rolle. Denn mit dem Alter steigen in der Regel die Kosten, die verfügbaren Einkommen allerdings nicht (mehr). Deshalb sollte jede Entscheidung vor allem aufgrund der persönlichen Perspektiven erfolgen, wobei die gesetzliche Krankenversicherung hierbei in vielfacher Hinsicht punkten kann.

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