Unterhaltsbedarf

Welchen Bedarf soll der Unterhalt decken?

In welcher Höhe erwarten mich Unterhaltsforderungen? Diese Frage bewegt Betroffene immer wieder. In welcher Höhe am Ende Unterhalt geleistet werden muss, hängt natürlich maßgeblich vom Unterhaltsbedarf ab. Dieser orientiert sich in erster Linie am Bedarf des Unterhaltsberechtigten.

Dazu gehören unter anderem die Aufwendungen der üblichen Lebenshaltung, wie Lebensmittel oder Miete (Elementarunterhalt), aber auch weiterführende Kosten, welche etwa gesundheitliche Bedürfnisse (Krankenversicherung), Altersvorsorge sowie gesellschaftliche Bedürfnisse oder die Schul- und Ausbildung betreffen. Bezüglich des Unterhaltsbedarfs muss aber immer nach der Stellung des Unterhaltsberechtigten unterschieden werden, da im Einzelnen der Unterhaltsbedarf für geschiedene Eheleute anders zu bewerten ist als für Getrenntlebende bzw. Kinder. Eine kurze Übersicht soll die einzelnen Bestandteile des Unterhaltsbedarfs näher illustrieren.

Elementarunterhalt

Umfasst die gewöhnlichen Kosten der Lebenshaltung, angefangen von Aufwendungen für Lebensmittel, über Miete bis hin zur Finanzierung der Mobilität des Unterhaltsberechtigten (§ 1578 Abs. 1 BGB).

Vorsorgeunterhalt

Der Unterhaltspflichtige muss neben den Kosten einer Krankenversicherung und Pflegeversicherung (§ 1578 Abs. 2 BGB) auch für eine angemessene Versicherung im Fall der verminderten Erwerbstätigkeit / Berufsunfähigkeit und für eine Altersvorsorge (§ 1578 Abs. 2 BGB sowie § 1361 Abs. 1 BGB) aufkommen.

Ausbildungsbedarf

Unterhaltsberechtigte können bei ihrem Unterhaltsbedarf auch einen Ausbildungsbedarf geltend machen. Im Rahmen des Kindesunterhalts steht dies zwar außer Frage, aber auch geschiedene Ehegatten (§ 1575 BGB) können einen Ausbildungsbedarf anmelden. Allerdings sind in diesem Fall einige Bedingungen zu erfüllen. Entweder muss der Unterhaltsberechtigte eine Ausbildung aufgrund der Ehe abgebrochen oder nicht angetreten haben. Daneben ist Ausbildungsbedarf nach § 1575 auch dann möglich, wenn eine Weiterbildung dem Ausgleich von Nachteilen dient, welche aufgrund der Eheschließung entstanden sind.

Trennungsbedingter Mehrbedarf

Trennungsbedingter Mehrbedarf gehört beim Unterhaltsberechtigten zum Unterhaltsbedarf und kann etwa aufgrund der doppelten Haushaltsführung entstehen oder Ähnliches. Maklergebühren und Einrichtungskosten werden dagegen dem Sonderbedarf zugeschlagen.

Sonderbedarf

Zum Unterhaltsbedarf gehören auch Ausgaben, deren Höhe und Entstehungsgrund so nicht vorhersehbar war. In diesem Fall spricht man vom Sonderbedarf, welcher etwa durch einen Umzug oder wohnliche Veränderungen im Rahmen einer chronischen Erkrankung entsteht. Entgegen den anderen Komponenten beim Unterhaltsbedarf kann Sonderbedarf auch für die Vergangenheit, also rückwirkend (für 12 Monate) geltend gemacht werden.

Der Unterhaltsbedarf für geschiedene Ehegatten

Für den Unterhaltsbedarf zwischen geschiedenen Ehegatten gilt § 1578 BGB. Danach bestimmt sich der Unterhalt an den ehelichen Lebensverhältnissen und schließt auch die Kosten einer Kranken- bzw. Pflegeversicherung mit ein. Gleiches gilt für die Kosten einer Schul-, Weiter- oder Ausbildung, sofern sie im Rahmen der Eheschließung abgebrochen wurde. Daneben kann laut § 1578 Abs. 3 BGB auch die Altersvorsorge sowie eine Berufsunfähigkeitsversicherung dem Unterhaltsbedarf zugeschlagen werden. Allerdings muss an dieser Stelle auf § 1578b verwiesen werden, nach dem für den Unterhaltsbedarf der angemessene Lebensbedarf als Richtschnur angewendet werden kann (untere Berücksichtigung der persönliche Entwicklung ohne die Eheschließung).

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