Berufsunfähigkeit der Berufsgruppen
Versicherungsgesellschaften unterscheiden bei der Tarifierung der Berufsunfähigkeitsversicherung verschiedene Personengruppen. Entscheidend für den zu zahlenden Beitrag sind neben dem Beruf der Person auch das Eintrittsalter und die gewünschte monatliche Rentenzahlung im Fall der Berufsunfähigkeit. Je nach statistischer Gefährdung eines Berufsbilds müssen unterschiedlich hohe Beiträge gezahlt werden. Es gibt Berufe, in denen ein vergleichsweise niedriger Beitrag gezahlt werden muss und Berufe, die sich größtenteils gar nicht versichern lassen, weil das Gesamtrisiko einfach zu hoch ist.
Berufsgruppe in der Berufsunfähigkeitsversicherung
Der Versicherer darf frei entscheiden, in welche verschiedenen Risikogruppen er die Gesamtzahl der Versicherten aufteilt. Einige Gesellschaften unterscheiden maximal drei verschiedene Risikogruppen, anderen nehmen eine deutlich differenziertere Einteilung vor. Ein Versicherungsnehmer kann bei verschiedenen Gesellschaften also durchaus in unterschiedliche Risikoklassen eingruppiert werden.
Geringes Risiko bei nicht körperlicher Tätigkeit
Besonders günstig sind Berufe, bei denen der Versicherungsnehmer keine körperlichen Arbeiten ausführen muss, sondern hauptsächlich am Schreibtisch sitzt. Dazu gehören zum Beispiel Bank-, Versicherungs- und Bürokaufleute. Ebenfalls relativ günstig sind Berufe, bei denen maximal leichte körperliche Tätigkeiten zum Berufsbild gehören. Zu diesen Berufen gehören beispielsweise Floristen oder Friseure.
Handwerkliche Berufe stellen hohes Risiko dar
Ein besonders hohes Risiko in der Berufsunfähigkeitsversicherung stellen handwerkliche Berufe dar. Dachdecker, Maurer und Tischler zahlen im Vergleich zu anderen Berufsgruppen in der Regel am meisten für den Versicherungsschutz. Bei diesen Berufen ist die Wahrscheinlichkeit einer späteren Berufsunfähigkeit besonders groß.
Kein Abschluss eine BU Versicherung möglich
Darüber hinaus gibt es einige Berufe, für die der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung gar nicht möglich ist. Dazu gehören Taucher, Sprengmeister und Industriekletterer. Die Wahrscheinlichkeit einer Berufsunfähigkeit ist bei diesen Berufen so groß, dass die Prämienzahlung von niemandem zu leisten wäre.
Einteilung der Berufsgruppen
Die Einteilung in die einzelnen Risikoklassen kann von den Gesellschaften frei vorgenommen werden. Die Kennzeichnung durch die Gesellschaft selbst ist dabei nicht unbedingt aussagekräftig. Berufe mit einem geringen Risiko (z. B. Bürokaufleute) werden von einigen Versicherern in die Gruppe 1+ oder 1++ eingestuft. Dennoch können Versicherer mit einer anderen, vermeintlich schlechteren Einstufung noch immer die bessere Prämie bieten. Vor dem Abschluss sollte sich der Versicherungsnehmer also nicht nur auf die Bezeichnung der Berufsgruppe konzentrieren, sondern vor allem auf den tatsächlichen Beitrag am Ende achten, damit es nicht zu einer bösen Überraschung kommt.
Schüler und Studenten
Eine Berufsunfähigkeitsversicherung kann auch schon von Schülern und Studenten abgeschlossen werden. Diese werden in der Regel in eine spezielle Gruppe eingeordnet, da hier noch kein Beruf im eigentlichen Sinne vorhanden ist. Dafür sind die Beiträge im Vergleich zu „normalen“ Erwerbstätigen meist noch etwas günstiger, da die Wahrscheinlichkeit für eine Berufsunfähigkeit bei Schülern und Studenten wirklich sehr niedrig liegt.
Diese Policen enthalten bei vielen Gesellschaften aber eine spezielle Klausel, die eine deutliche Erhöhung der Versicherungssumme bei Eintritt in das Berufsleben ermöglicht.
Berufsgruppen mit besonders hohen Risiko
Statistisch gesehen gibt es einige Berufe, die einem besonders hohen Risiko unterliegen. Laut statistischen Erhebungen haben Dachdecker das höchste Risiko, noch vor dem Erreichen des Rentenalters erwerbsunfähig zu werden. Gut 52 % erreichen nicht das normale Pensionsalter. Krankenpfleger folgen mit gut 42% Wahrscheinlichkeit auf Berufsunfähigkeit und auch Schlachter, die eine schwere körperliche Arbeit verrichten müssen, unterliegen mit 40% ebenfalls einem hohen Risiko.
Ähnlich sieht es bei den Maurern und Tiefbauern aus, von denen gut 38% vor Erreichen der Altersgrenze für die gesetzliche Rente berufsunfähig werden.
Von allen Erwerbstätigen überhaupt werden gut 1/3 schon vor dem Erreichen der Rente berufsunfähig, sodass eine Berufsunfähigkeitsversicherung absolut anzuraten ist.
Häufige Ursachen für Berufsunfähigkeit
Schon heute ist die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit eine psychische Erkrankung. Auch wenn Frauen häufiger betroffen sind, nimmt die Anzahl der Männer immer weiter zu. Die häufigste psychische Ursache ist der Burn-out, meist in Kombination mit Depressionen. Diese Erkrankung zieht sich quer durch alle Berufe, allerdings sind handwerkliche Berufe nicht ganz so stark gefährdet.
Bei diesen überwiegen noch immer die „typischen“ Berufskrankheiten, die durch die schwere körperliche Arbeit entstehen. Dazu gehören zum Beispiel Wirbelsäulenerkrankungen oder andere Erkrankungen der Muskeln und der Knochen. Durch die Erhöhung des Rentenalters und die dadurch bedingte längere Arbeitszeit werden zukünftig vermutlich noch deutlich mehr Personen berufsunfähig werden.
Berufsunfähigkeitsversicherung als wichtige Ergänzung des Versicherungsschutzes
Gerade junge Menschen in gefährdeten Berufsgruppen sollten möglichst früh eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen. Innerhalb der ersten fünf Jahre nach dem Einstieg ins Berufsleben besteht von staatlicher Seite gar kein Versicherungsschutz, wenn man berufsunfähig wird. Durch die private Berufsunfähigkeitsversicherung kann diese Lücke geschlossen werden, auch wenn der Beitrag unter Umständen nicht besonders niedrig ist.
Selbst wenn die Versicherung über viele Jahre keine Leistungen erbringt, kann sie sich bereits bei ein bis zwei Jahren Berufsunfähigkeit lohnen.
Auch Personen, die einen besonders risikoreichen Beruf ausüben, haben wenig Aussicht, eine preisgünstige Berufsunfähigkeitsversicherung zu erhalten. Das gleiche Problem haben chronisch Kranke und älteren Personen mit schweren Vorerkrankungen. Bei diesen Personengruppen verteuern Risikozuschläge die monatlichen Beiträge einer Berufsunfähigkeitsfähigkeit sehr deutlich. Wenn die monatlichen Beiträge dadurch zu hoch werden, kann es ebenfalls sinnvoll sein, auf eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung auszuweichen.

