Bonuszertifikate

Zertifikate mit Bonuslevel und Barriere

Grundsätzlich setzen Bonuszertifikate auf steigende Kurse, dennoch sind Gewinne auch möglich, wenn sich der Kurs lediglich seitwerts oder leicht nach unten bewegt. Hier setzt bei dieser Form der Zertifikate der so genannte Bonus an, daher sind Bonuszertifikate für die eher vorsichtigen Anleger gut geeignet. Bonus Zertifikate haben als Basiswert eine einzelne Aktie oder einen Aktienindex wie den DAX, an dessen Wertentwicklung sie sich orientieren. Es springt aber bisweilen selbst dann eine Rendite heraus, wenn der jeweilige Aktienindex oder die jeweilige Aktie im Wert sinkt. Das bedeutet ein deutlich reduziertes Risiko bei der Geldanlage. Etwas Vorsicht ist dennoch geboten: ein deutlich reduziertes Risiko ist nicht gleichzusetzen mit gar keinem Risiko.

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Funktionsweise von Bonuszertifikaten

Grundsätzlich gilt: Die Wertentwicklung eines Zertifikats orientiert sich immer an der Wertentwicklung eines Basiswerts. Beim Bonus-Zertifikat kann dieser Basiswert beispielsweise ein Aktienindex oder auch eine einzelne Aktie sein. Gäbe es den Bonus beim Bonus-Zertifikat nicht, würden einfache Regeln gelten: Bezöge sich das Zertifikat etwa auf den DAX, dann würde ein sinkender DAX auch einen sinkenden Wert des Zertifikats bedeuten. Stiege der DAX, dann würde der Wert des Zertifikats ebenfalls steigen und für den Anleger würde eine Rendite herausspringen.

Beim Bonus-Zertifikat kommen allerdings zwei Werte ins Spiel, durch die die Sache für den Anleger etwas komplizierter, aber auch risikoärmer wird:

  • Bonuslevel
  • Barriere

Barriere und Bonuslevel

Die Barriere und das Bonuslevel bilden bei den Bonuszertifikaten die Kernpunkte.

Barriere

Die Barriere ist der Wert, unter den das Bonuszertifikat während der Laufzeit nicht fallen darf, um das Bonuslevel zu erhalten. Auch wenn der Kurs nur ein einziges mal die Barriere durchbrochen hat und sich danach wieder erholen sollte, ist das Bonuslevel dahin, es gilt also der reale Kurs der Aktie/ Aktienindizies bzw. des Zertifikats, der ohne Bonus ausgezahlt wird.

Bonuslevel

Der Bonuslevel bildet den Bonus der Zertifikats, wenn sich der Wert des Zertifikats während der Laufzeit nicht unter den Wert der Barriere begibt. Der Bonuslevel wird allerdings nur gewährt, wenn das Bonus-Zertifikat nach der vereinbarten Laufzeit an den Emittenten zurückgegeben wird. Wird das Zertifikat vorher weiterverkauft, so gilt der reale Kurs des Verkaufs.

Beispiel zur Barriere und Bonuslevel bei Bonus-Zertifikaten

Nehmen wir einmal an, ein Bonus-Zertifikat bezieht sich auf eine einzelne Aktie X des Unternehmens Y als Basiswert mit den folgenden, beispielhaften Parametern:

  • Basiswert (Anfangswert): 100 €
  • feste Laufzeit: 2 Jahre
  • Bonuslevel: 130 €
  • Barriere: 70 €

Nun gelten folgende Regeln:

  • Bleibt der Wert der Aktie X während der gesamten (!) Laufzeit des Bonus-Zertifikats oberhalb von 70 Euro, so bekommt der Inhaber am Ende der Laufzeit für sein Zertifikat mindestens 130€ ausbezahlt. Er erhält also auch 130€, wenn der Wert der Aktie bis dahin auf 71€ gesunken ist.
  • Steigt der Wert der Aktie bis zum Ende der Laufzeit des Zertifikats beispielsweise auf 150€ und damit über das Bonuslevel, so erhält auch der Zertifikat-Inhaber 150€. Der Bonuslevel stellt also keine Obergrenze dar.
  • Unangenehm wird es für den Beispiel-Anleger nur dann, wenn der Wert der Aktie X irgendwann während der Laufzeit des Zertifikats auf oder unter die Barriere (hier:70 Euro) absinkt. Dann bricht die Barriere und es gelten fortan andere Regeln. Der Bonus verfällt. Ab jetzt entspricht der Wert des Zertifikats haargenau dem der Aktie X.

Machen wir nochmals in einem Beispiel klar, wie sehr der Bruch der Barriere die zu erwartende Rendite des Anlegers beeinflusst. Nehmen wir an, der Wert unserer Beispielaktie X liegt aktuell bei 71€ und ist bisher niemals auf 70€ oder weniger gesunken.

Würde die Laufzeit des auf die Aktie bezogenen Zertifikats nun enden, würde der Anleger den Bonus und damit 130€ erhalten. Sinkt der Wert der Aktie in unserem Beispiel allerdings während der Laufzeit beispielsweise auf 70€, bricht die Barriere. Endet die Zertifikatslaufzeit nun, so erhält der Inhaber des Zertifikats nur noch 70€ ausbezahlt.

Bonus-Zertifikate und ihre Varianten

Was bisher beschrieben wurde, ist das Grundprinzip der Bonus-Zertifikate. Daneben gibt es einige Varianten:

Capped Bonuszertifikate

Bei Capped Bonuszertifikaten kommt neben dem Bonuslevel und der Barriere eine dritte Größe ins Spiel: ein Cap. Ein Cap ist eine Obergrenze, mit der die maximal mögliche Rendite des Anlegers begrenzt wird. Als Beispiel ein Capped Bonuszertifikat mit folgenden Werten:

  • Ausgangswert des Zertifikats mit der Aktie X als Basiswert: 100€
  • Laufzeit: zwei Jahre.
  • Bonuslevel: 130€
  • Barriere: 70€
  • Cap: 140€

Alles läuft, wie gehabt. Solange der Wert der Aktie X nicht auf 70€ oder weniger sinkt, erhält der Inhaber des Zertifikats nach Ablauf der Laufzeit 130€ ausbezahlt. Steigt der Wert der Aktie X allerdings auf einen Wert über dem Cap von 140€ und verbleibt dort bis zum Ende der Zertifikat-Laufzeit, so bleibt die Rendite (ohne Berücksichtigung von Kosten) dennoch bei 40€ (Cap 140€ minus Ausgangswert 100€) stehen.

Erreicht der Wert der Aktie X am Laufzeit-Ende also 150€, steht der Anleger schlechter da, als wenn er in ein Bonuszertifikat ohne Cap investiert hätte. Das ist natürlich ein Nachteil. Ausgeglichen wird er oft, indem das Bonuslevel großzügig bemessen wird. Während der Bonuslevel beim normalen Bonuszertifikat dann vielleicht bei 130€ liegt, wird er beim Capped Bonuszertifikat auf 150€ gesetzt (Beispielwerte!)

Bonus Pro Zertifikate

Dieses Bonuszertifikat unterscheidet sich im Umgang mit der Barriere von der klassischen Variante. Normalerweise gilt: Wird die Barriere einmal durchbrochen, sinkt also der Bezugswert (etwa der Wert der Aktie X) nur ein einziges Mal auf oder unter die Barriere, verfällt der Bonus.

Beim Bonus Pro Zertifikat ist das anders. Hier wird beispielsweise festgelegt, dass die Barriere eines Bonuszertifikats mit 24 Monaten Laufzeit nur in den drei letzten Monaten vor Laufzeit nicht mehr durchbrochen werden darf, vorher schon! Ein Beispiel dazu:

  • Ausgangswert des Zertifikats mit der Aktie X als Basiswert: 100€
  • Bonuslevel: 130€
  • Barriere: 70€

Bei der oben genannten Regelung kann der Wert der Aktie X in den ersten 21 Monaten Laufzeit des Zertifikats auf jeden denkbaren Wert fallen, ohne dass der Bonus dabei verloren geht. Liegt der Aktienwert also etwa im 21. Laufzeitmonat bei 65€, so ist das kein Problem. Die Barriere ist zwar durchbrochen, aber nicht in dem Zeitraum (hier: letzte drei Monate), der vorab definiert wurde. Erst wenn der Aktienwert im 22., 23. oder 24. Monat noch immer auf oder unter der Barriere liegt, verfällt der Bonus. Das bedeutet: Die klassische Regel beim Bonuszertifikat (bricht einmal die Barriere, verfällt der Bonus) gilt nur eingeschränkt.

Bonus Outperformance Zertifikat

Der Unterschied zwischen Bonus Outperformance Zertifikat und klassischem Bonuszertifikat zeigt sich, wenn der Basiswert (beispielhaft wieder der Wert der Aktie X) am Laufzeit-Ende des Zertifikats über dem Bonuslevel liegt. Das Zertifikat verhält sich dann wie ein Outperformance Zertifikat. Das bedeutet: Die Rendite des Anlegers wird um die Partizipationsrate erhöht. Auch hierzu ein Beispiel:

  • Ausgangswert des Zertifikats mit der Aktie X als Basiswert: 100€
  • Bonuslevel: 130€
  • Barriere: 70€
  • Partizipationsrate: 100%

Alles läuft wie beim normalen Bonuszertifikat, es sei denn, der Wert der Aktie X liegt bei Fälligkeit des Zertifikats (Laufzeitende) bei einem Wert über dem Bonuslevel von 130€. Dann wird die Rendite um die Partizipationsrate gesteigert. Angenommen, der Aktienwert liegt bei Fälligkeit des Zertifikats bei einem Wert von 140€. Dann würde die Rendite eigentlich (140 minus 100 =) vierzig Euro betragen.

Durch die Partizipationsrate wird die Rendite jedoch erhöht, in diesem Fall um 100%. Das ergibt dann: (40€ + 100% von 40€ =) 80€. Der Anleger bekäme also 180€ Euro ausgezahlt (Anfangswert 100€ + Rendite 40€ +  Partizipation 40€).

Reverse Bonuszertifikat

Das Reverse Bonuszertifikat funktioniert im Vergleich zum normalen Bonuszertifikat genau umgekehrt. Bezieht sich das Zertifikat etwa auf eine einzelne Aktie X, so setzt man prinzipiell auf einen fallenden Kurs der Aktie. Zugleich hat man bei einem bis zur Barriere steigenden Kurs durch das Bonuslevel noch einen gewissen Puffer, um auch bei steigendem Aktienkurs eine Rendite zu erhalten. Da das noch etwas unklar sein mag, nochmals ein Beispiel:

Anfangswert Bonuslevel Barriere
Bonuszertifikat 100 € 140 € 60 €
Reverse Bonuszertifikat 100 € 60 € 140 €

Für das Reverse Bonuszertifikat kommt allerdings noch eine Größe hinzu: der Reverse-Kurs. Er entspricht dem Aktienwert „0“ beim klassischen Bonuszertifikat. Bei diesem Wert würde der Anleger beim klassischen Bonus-Zertifikat sein investiertes Geld verlieren. Diese Totalverlustgrenze wird beim Reverse Bonuszertifikat durch den Reverse-Kurs gebildet. Liegt der Reverse Kurs unseres beispielhaften Reverse Bonuszertifikats also etwa bei 200€ und die Aktie X ist am Ende der Zertifikats-Laufzeit auf den Wert von 200€ gestiegen, verliert der Anleger sein Geld. Der Rest funktioniert beim Reverse Bonuszertifikat ähnlich wie beim Klassiker, nur halt umgekehrt. Das bedeutet:

  • Liegt der Wert der Aktie X, auf die sich das Zertifikat bezieht, am Ende der Zertifikatslaufzeit beispielsweise bei 50€, so erhält der Anleger (Reverse Kurs 200€ – aktueller Wert der Aktie 50€) 150€ ausbezahlt.
  • Sinkt der Wert der Aktie X bis zum Ende der Laufzeit beispielsweise nur um zehn Euro auf neunzig Euro, greift der Bonuslevel. Ohne Bonus bekäme der Anleger (Reverse Kurs 200€ – aktueller Wert der Aktie 90€) 110€ ausbezahlt. Da der Bonus in Höhe von 60€ greift, erhält er (Reverse Kurs 200€ – Bonus 60€) 140€.
  • Steigt der Kurs der Aktie X, bleibt aber während der gesamten Laufzeit des Zertifikats unterhalb der Barriere von (hier beispielhaft) 140€, erhält der Inhaber des Zertifikats weiterhin den Bonus und damit 140€.
  • Steigt der Kurs der Aktie X allerdings auch nur ein einziges Mal auf oder über die Barriere, erlischt der Bonus. Liegt der Aktienkurs dann am Ende etwa bei 150 Euro, so erhält der Inhaber nur noch (Reverse Kurs 200€ – aktueller Aktienwert 150€) fünfzig Euro ausbezahlt.

Risiko und Chancen bei Bonuszertifikaten

Bonuszertifikate sind Zertifikate mit gemindertem Risiko. Zertifikate ohne Risiko sind sie allerdings nicht.

Das Risiko wird maßgeblich durch die Barriere definiert. Bricht sie, drohen Verluste. Die Barrieren sind oftmals großzügig definiert (mit genügend Abstand zum Anfangswert etwa der Beispielaktie X), sodass die Gefahr einer Barrierenüberschreitung nicht sehr groß ist. Gegeben ist sie dennoch. So berichtete etwa die Zeitung „Welt“ 2008 von einer Reihe von Bonuszertifikaten, bei denen die Barriere gebrochen war. Völlige (!) Sicherheit ist auch beim Bonuszertifikat nicht gegeben, aber es bietet in der Regel für Anleger ein gutes Verhältnis aus Risiko und Ertragschance.

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