Twin-Win-Zertifikate

von steigenden und fallenden Kursen profitieren

Klingt folgende Beschreibung nicht traumhaft? Der Wert eines beispielhaft ausgewählten Twin-Win-Zertifikats orientiert sich an der Wertentwicklung der Aktie X. Es wirft umso mehr Rendite ab, je höher der Wert der Aktie X in der Laufzeit des Zertifikats steigt. Und das Twin-Win-Zertifikat wirft – mit einer sehr wichtigen Einschränkung – auch eine umso höhere Rendite ab, je mehr der Wert der Aktie X im Wert sinkt. Das klingt tatsächlich wie das ideale Finanzprodukt, weil es bei steigendem wie bei sinkendem Wert der Aktie X eine gute Rendite bringt. Ganz ohne Haken funktioniert die Sache aber nicht: Es gibt eine Barriere, die während der Laufzeit des Zertifikats nicht berührt oder gar unterschritten werden sollte.

Wie bei vielen anderen Zertifikaten muss sich auch ein Twin-Win-Zertifikat nicht zwangsläufig an der Wertentwicklung einer einzelnen Aktie beziehen. Der Basiswert (Orientierungswert) eines Twin-Win-Zertifikats kann ebenso beispielsweise ein Aktienindex wie der DAX oder ein Rohstoffindex sein. Bleiben wir als vereinfachendes Beispiel allerdings bei einem Twin-Win-Zertifikat mit der Aktie X als Basiswert. Zum Zeitpunkt der Emission des Zertifikats ist die Aktie X 100€ ebenso wie das Twin-Win-Zertifikat 100€ wert. Die Laufzeit unseres Beispielszertifikats beträgt drei Jahre und die Barriere des Twin-Win-Zertifikats wird bei 70€ angesetzt. Nun sind unter anderem folgende Situationen denkbar:

  • Am Ende der Laufzeit des Twin-Win-Zertifikats liegt der Wert der Aktie X bei 120€. Die Aktie X hat demnach um 20€ an Wert zugelegt. Damit beträgt auch die Rendite des Zertifikats (ohne Berücksichtigung möglicher Zusatzkosten) 20€. Der Inhaber des Zertifikats bekommt 120€ ausbezahlt.
  • Am Ende der Laufzeit liegt der Wert der Aktie X bei 80€. Bei einem klassischen Sprintzertifikat, das für 100€ gekauft wurde, hätte das Zertifikat 20€ an Wert verloren. Das Schöne am Twin-Win-Zertifikat: Die 20€ Differenz zwischen Anfangswert der Aktie X und dem Aktienwert am Ende der Zertifikatslaufzeit wird hier zur Rendite. Der Anleger bekommt beim Twin-Win-Zertifikat also ebenfalls seine 100€ Investition + 20€ Rendite (= 120€) ausbezahlt.
  • Nun nehmen wir an, dass der Wert der Aktie X während der Laufzeit des Twin-Win-Zertifikats mindestens einmal die Barriere von 70€ berührt oder unterschreitet. Dann bleibt ein Verlust fortan ein Verlust. Läge der Wert der Aktie X dann am Ende der Laufzeit etwa bei 90€, so bekäme der Zertifikatsinhaber auch nur 90€ ausbezahlt und hätte damit zehn Euro verloren. Wäre die Barriere nicht gebrochen, so wären die zehn Euro zur Rendite geworden und der Anleger hätte seine investierten 100€ plus 10€ = 110€ erhalten.
  • Das letztgenannte Beispiel zeigt deutlich, wie wichtig die Barriere bei Twin-Win-Zertifikat ist. Je niedriger sie ist und je weiter sie sich vom Basispreis (hier: 100€) entfernt befindet, desto sicherer ist die Rendite!

Twin-Win-Zertifikate mit Partizipationsrate

Bisweilen arbeiten auch Twin-Win-Zertifikate mit einer Partizipationsrate. Das bedeutet für unser Beispiel: Ist der Wert der Aktie X am Ende der Zertifikatslaufzeit gestiegen, sorgt die Partizipationsrate wie etwa bei einem Outperformance-Zertifikat für eine steigende Rendite. Hierzu ein Beispiel mit einer Partizipationsrate von 1,3:

Wir bleiben beim Beispiel mit der Aktie X, die zum Zeitpunkt der Emission ebenso wie das sich an ihr orientierende Zertifikat 100€ wert ist. Die Laufzeit beträgt weiterhin drei Jahre und die Barriere des Twin-Win-Zertifikats liegt bei 70€. Am Ende der Laufzeit ist der Wert der Aktie X auf 130€ gestiegen. Normalerweise würde die Rendite nun (130€ – 100€) 30€ betragen. Durch die Partizipationsrate erhöht sich die Rendite jedoch um den Faktor 1,3, sodass sich eine Rendite von (1,3 x 30€) 39€ ergibt.

Die hier genutzten 1,3 für die Partizipationsrate sind ein Beispiel. Je nach Twin-Win-Zertifikat variiert die Partizipationsrate, falls sie überhaupt vorhanden ist. Die Partizipationsrate geht übrigens nicht verloren, wenn die Barriere des Twin-Win-Zertifikats bricht. Auch hierzu ein Beispiel mit den bereits bekannten Werten inklusive einer Partizipationsrate von 1,3:

Der Wert der Aktie X (Basispreis: 100€) sinkt während der Laufzeit unter die Barriere von 70€. Verluste sind daher ab jetzt Verluste und werden nicht mehr in eine Rendite umgewandelt. Steigt der Aktienwert bis zum Ende der Laufzeit allerdings wieder auf über 100€, erhält der Anleger natürlich auch eine Rendite und es greift zugleich die Partizipationsrate. Steht der Kurs der Aktie etwa auf 110€, dann erhält der Anleger (10€ x 1,3) 13€ Rendite und damit insgesamt 113€.

Aber Achtung: Sowohl die Umwandlung von Verlusten in Gewinne als auch die Partizipationsrate greifen nur bei der Rückgabe des Twin-Win-Zertifikats am Ende der Laufzeit an den Herausgeber. Verkauft der Inhaber sein Zertifikat – beispielsweise an der Börse – zuvor, so bleiben mögliche Verluste auch Verluste und Renditen werden nicht durch die Partizipationsrate gesteigert. Zudem verzichtet der Inhaber eines Twin-Win-Zertifikats, das sich etwa auf die einzelne Aktie X bezieht, auf eventuelle Dividendenzahlungen, die dem Inhaber der Aktie X zustehen würde.

Fazit zu Twin Win Zertifikaten

Twin-Win-Zertifikate bieten vor allem Chancen bei stark auf- wie bei absteigenden Basiswerten (hier: Aktie X). Bleibt der Basiswert allerdings während der Laufzeit des Twin-Win-Zertifikats nahezu gleich, sind Bonuszertifikate oftmals die bessere Wahl. Als Anleger sollte man bei der Entscheidung, für oder gegen ein Twin-Win-Zertifikat  einen Blick auf die vom Emittenten definierte Barriere legen, sich möglicherweise vorhandener Zusatzkosten ebenso bewusst sein wie der bei auf Aktien bezogenen Twin-Win-Zertifikaten ausbleibenden Dividende.

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