Outperformance-Zertifikate

Rendite mit Hebelwirkung

Klassische Outperformance Zertifikate erhöhen – kurz gesagt – den für den Anleger möglichen Gewinn, sichern ihn aber nicht gegen Verluste ab. Den Kernpunkt bei Outperformance-Zertifikaten bildet die Partizipationsrate, die als Hebel die Rendite ermittelt und für gewöhnlich in Prozent angegeben wird. Diese kann sich beispielsweise bei 120 bis 150 Prozent bewegen und wird mit dem Ertrag des Zertifikats multipliziert, womit die Rendite überproportional zum ursprünglichen Basiswert steigen kann.

Beispiel zu Outperformance Zertifikaten

Nehmen wir ein Beispiel, um die Erhöhung möglicher Gewinne (Renditen) zu erläutern. Einmal angenommen, ein Outperformance Zertifikat bezieht sich auf die Aktie X und steigt im Wert, wenn die Aktie X im Wert steigt. Die Aktie X ist zum Zeitpunkt, an dem der Anleger sein Outperformance Zertifikat kauft, 70€ wert. Um das Beispiel zu vereinfachen, kostet auch das Zertifikat genau 70€. Nun behält der Anleger sein Zertifikat zwei Jahre lang.

Der Kurs der Aktie ist bis dahin auf beispielsweise 90€ gestiegen. Normalerweise würde der Anleger nun 90€ erhalten und hätte damit eine Rendite von (Ertrag 90€ – Kaufpreis 70€) 20 €. Beim Outperformance Zertifikat wird die Rendite aber durch die so genannte Partizipationsrate gesteigert, die beispielsweise in Prozent ausgedrückt wird. Liegt sie etwa bei 125%, so bekommt der Anleger nicht 20€, sondern 125% von 20€ und damit 25€.

Das Beispiel zeigt den Vorteil der Outperformance Zertifikate sehr eindrucksvoll. Durch die über 100% liegende Partizipationsrate wird die mögliche Rendite des Anlegers erhöht. Er kann also mit einem Outperformance Zertifikat mehr Geld verdienen als etwa bei einem klassischen Indexzertifikat. Grundsätzlich gilt: Je höher die Partizipationsrate liegt, desto mehr wird die mögliche Rendite erhöht. Nicht immer werden Partizipationsraten in Prozent ausgedrückt, bisweilen findet man auch die Schreibweise „1,xx“. Eine prozentual ausgedrückte Partizipationsrate von 125% entspricht dann der Schreibweise 1,25.

Basiswert und Basispreis beim Outperformance Zertifikat

Um die Rendite auszurechnen, benötigt man beim Outperformance Zertifikat neben der Partizipationsrate den Basispreis und den aktuellen Kurs des Basiswerts bei der Rückgabe des Zertifikats an den Herausgeber. Orientiert sich der Wert des Outperformance Zertifikats beispielsweise an der Aktie X, so ist die Aktie X der Basiswert.

Der Basispreis ist im Allgemeinen der Preis, der für den Basiswert zum Zeitpunkt zu zahlen ist, an dem das Zertifikat herausgegeben wird. Kostet die Aktie zur Emission der Aktie X etwa 70€, so sind die 70€ der Basispreis. Ist die Aktie X dann zum vereinbarten Zeitpunkt vor der Rückgabe des Zertifikats an den Emittenten (etwa eine Woche vor Rückgabe) beispielsweise 100€ wert, so gilt beim Outperformance Zertifikat bezogen auf die Aktie X die Formel:

  • (Aktueller Aktienwert minus Basispreis) x Partizipationsrate.

Achtung: Wie bei den Vorteilen anderer Zertifikate gilt auch beim Outperformance Zertifikat. Der Vorteil greift nur bei Rückgabe des Zertifikats zum vereinbarten Zeitpunkt an den Herausgeber (beispielsweise die Bank Y). Wird das Outperformance dagegen vorab an der Börse verkauft, greift die Rendite erhöhende Partizipationsrate nicht!

Outperformance Zertifikate und Verluste

Bisher haben wir uns den Fall angesehen, dass sich ein Outperformance Zertifikat auf eine Aktie X bezieht, deren Wert am Ende der Zertifikatslaufzeit gestiegen ist. Natürlich kann es jedoch auch geschehen, dass die Aktie X zu diesem Zeitpunkt im Wert gesunken ist. Dann muss der Anleger Verluste in Kauf nehmen. Haben Aktie X und Outperformance Zertifikat also anfangs den Wert 70€ und sinkt der Aktienwert bis zum Ende der Laufzeit des Zertifikats auf 60€, bekommt der aktuelle Inhaber des Zertifikats auch nur 60€ ausbezahlt.

Mit einem klassischen Outperformance Zertifikat profitiert man also bei steigendem Basiswert (z.B. von der im Kurs steigenden Aktie X). Regeln, die bei im Wert sinkendem oder gleich bleibendem Basiswert dennoch eine Rendite für den Anleger bringen, gibt es beim Outperformance Zertifikat nicht. Noch eine andere Sache ist wichtig:

  • Nicht immer sind der aktuelle Basiswert und der Preis des auf ihn bezogenen Zertifikats identisch. Der Wert der Aktie X kann beispielsweise 40€ betragen und das sich auf den Aktienwert beziehende Outperformance Zertifikat kostet 45€. In solchen Fällen wird es für den Anleger natürlich schwieriger, mit dem Zertifikat eine gute Rendite zu erzielen, zugleich steigt die Gefahr möglicher Verluste.
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Kosten und Dividendenverzicht

Wer ein Outperformance Zertifikat kauft, das sich an der Wertentwicklung einer einzelnen Aktie (hier: Aktie X) orientiert, könnte natürlich auch überlegen, sich stattdessen die Aktie X selbst zu kaufen. Tatsächlich ist das in manchen Fällen die bessere Wahl. Als Inhaber eines Outperformance Zertifikats mit der Aktie X als Basiswert verzichtet man in der Regel auf mögliche Dividenden.

Mit der Dividende beteiligen Aktienunternehmen ihre Aktionäre an ihren Gewinnen. Im Falle von Outperformance Zertifikaten behält der Herausgeber des Zertifikats mögliche Dividendenzahlungen aber oftmals für sich, sodass sie nicht dem Inhaber des Zertifikats zugute kommen. Steigt die Aktie X innerhalb der Laufzeit des Zertifikats mit der Aktie X als Basiswert kaum oder sinkt gar im Wert, wäre der Inhaber des Zertifikats besser damit beraten gewesen, statt des Zertifikats die Aktie X direkt zu kaufen. Dazu wiederum ein Beispiel:

  • Die Aktie X kostete ebenso wie das auf sie bezogene Zertifikat anfangs 100€. Am Ende der Zertifikatslaufzeit von beispielsweise drei Jahren ist der Wert der Aktie X auf 101€ gestiegen. Das Outperformance Zertifikat arbeitet mit einer Partizipationsrate von 125%. 125% von einem Euro macht 1,25€, sodass der Inhaber des Zertifikats 101,25€ ausbezahlt bekommt. Als Inhaber des Zertifikats verzichtet er allerdings auf die innerhalb der Laufzeit ausgeschütteten Dividenden, die summiert zwei Euro pro Aktie erreichen. Hätte er die Aktie X direkt erworben (nicht das Zertifikat), so hätte er 101€ (Aktienwert) + zwei Euro (Dividende) = 103€ erhalten.
  • Nun gehen wir davon aus, dass dieselbe Aktie X aus dem oberen Beispiel am Ende der Laufzeit nur noch 90€ wert ist. Der Inhaber des Outperformance Zertifikats bekäme also 90€ ausbezahlt und hätte damit zehn Euro verloren. Dieselbe Summe würde der Inhaber der Aktie X erhalten und würde damit ebenso zehn Euro verlieren. Allerdings hätte er innerhalb der Laufzeit die Dividende von zwei Euro kassiert, sodass sich sein Verlust auf acht Euro reduzieren würde.

In diesem wie im oben geschilderten Fall hätte der Inhaber der Aktie X im Vergleich zum Inhaber des Outperformance Zertifikats das bessere oder zumindest weniger schlechte Geschäft gemacht. Der Vorteil eines Outperformance Zertifikats kommt immer dann zum Tragen, wenn der Basiswert (hier: die Aktie X) innerhalb der Laufzeit des Zertifikats deutlich im Wert steigt.

  • Nehmen wir als Beispiel hierfür an, die anfangs 100€ kostende Aktie X wäre am Ende der Zertifikatslaufzeit 120€ wert. Der Inhaber der Aktie X könnte also zwanzig Euro Rendite kassieren und hätte zusätzlich zwei Euro Dividende erhalten. Er bekommt also am Ende 122€ ausbezahlt. Der Inhaber des Outperformance Zertifikats bekäme durch die Partizipationsrate 125% der 20€ Rendite und damit insgesamt 125€: Ursprünglicher Wert der Aktie X (100€) + (125% von 20€).

Varianten der Outperformance Zertifikate

Bei den Outperformance Zertifikaten gibt es eine Reihe von Variationen, von denen wir hier einige vorstellen möchten:

PEPP Zertifikate (Performance Enhanced Partial Protect-Zertifikate)

Sie funktionieren im Prinzip genauso wie klassische Outperformance Zertifikate, haben allerdings eine Besonderheit: die Barriere. Nehmen wir wieder das Beispiel des Zertifikats mit der Aktie X als Basiswert. Der Basispreis liegt bei 100€, die Partizipationsrate bei 125% und die Barriere wird bei 90€ angesetzt. Dann gilt beispielsweise:

  • Solange die Aktie X nicht auf oder unter die Barriere von 90€ sinkt, erhält der Anleger am Ende der Laufzeit seine investierte Summe von 100€ zurück.
  • Wird die Barriere innerhalb der Laufzeit des Zertifikats auch nur einmal durchbrochen, verfällt diese Garantie.
  • Steigt der Wert der Aktie X bis zum Laufzeitende des Zertifikats beispielsweise auf 120€, erhält der Zertifikatsinhaber wie beim „normalen“ Outperformance Zertifikat neben seinen 100€ (Basispreis) „Rendite x Partizipationsrate“ ausbezahlt, im Beispiel also 100 + 125% von 20€) = 125€.

Reverse Outperformance Zertifikate

Mit einem Reverse Outperformance Zertifikat setzt der Anleger auf einen fallenden Basiswert. Das Zertifikat funktioniert also im Vergleich zum „normalen“ Outperformance Zertifikat umgekehrt. Sinkt der Wert der Aktie X vom Basispreis 100€ auf beispielsweise 80€, so ergibt sich hier eine Rendite von 20€, die noch mit der Partizipationsrate (im Beispiel: 125%) multipliziert wird. Der Anleger erhält also seine 100€ (Basispreis der Aktie X) + 125% von 20€ = 125€ ausbezahlt. Steigt die Aktie X 20€ im Wert, so sinkt der Wert des Reverse Outperformance Zertifikats um 20€. Das Zertifikat ist dann nur noch 80€ wert.

Outperformance Zertifikate mit Rolling-Struktur

Diese Outperformance-Zertifikate haben keine festgelegte Laufzeit, sondern laufen im Prinzip endlos.

Sprintzertifikate

Auch die Sprintzertifikate werden als Spezialform der Outperformance Zertifikate gezählt. Da wir ihnen jedoch eine eigene Seite widmen, soll hier nicht näher auf sie eingegangen werden, siehe unter Sprintzertifikate.

Wertpapierdepot Vergleich: